HOME

Antikes Erbe in Syrien: Russland dementiert Angriff auf Palmyra

Hat Russland während seiner Luftangriffe auf Syrien auch die antike Stadt Palmyra beschossen? Medienberichten zufolge ja - doch Russland selbst dementiert.

Das russische Verteidigungsministerium hat dementiert, Ziele in der syrischen Stadt Palmyra angegriffen zu haben. Alle Berichte ausländischer Medien, wonach russische Flugzeuge Angriffe auf die Stadt Palmyra geflogen hätten, seien "absolute Lügen", sagte Ministeriumssprecher Igor Konaschenkow nach Berichten russischer Nachrichtenagenturen. Die russische Luftwaffe greife keine besiedelten Orte an, erst recht nicht, wenn sich dort "architektonische Denkmäler" befänden. Zuvor hatte das syrische Fernsehen unter Berufung auf Militärkreise von russischen Luftangriffen auf Ziele der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in und um Palmyra berichtet. Die Angriffe seien mit Damaskus abgestimmt gewesen, hieß es. Der IS hatte die syrische Stadt Ende Mai erobert und seither dort zahlreiche weltberühmte Stätten in die Luft gesprengt.

Ziele Russlands unklar

Russland hatte in der vergangenen Woche mit Luftangriffen in Syrien begonnen - offiziell, um gegen die Dschihadisten des Islamischen Staats (IS) und andere Milizen vorzugehen. Moskau wird aber vorgeworfen, auch die gemäßigten Gegner des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad massiv zu bekämpfen. Im Zuge der Einsätze soll die russische Luftwaffe außerdem am Wochenende den türkischen Luftraum verletzt haben.
"Für uns sieht das nicht wie ein Unfall aus", sagte Nato-Chef Stoltenberg am Dienstag in Brüssel dazu. Vielmehr handle es sich um eine "schwerwiegende Verletzung" des Luftraums. Diese könne zu "gefährlichen Situationen" führen, fuhr Stoltenberg fort. Moskau müsse sicherstellen, dass sich derlei Situationen nicht wiederholten.

Erdogan droht Putin

Am Dienstag beklagte Ankara einen weiteren Vorfall: Mehrere türkische Kampfjets seien am Montag an der syrischen Grenze von einer nicht identifizierten Mig-29 bedrängt worden. Demnach waren die F-16-Jets zu Aufklärungsflügen im Grenzgebiet unterwegs, als sie minutenlang vom Zielradar des anderen Kampfflugzeugs erfasst wurden. Ob es sich um eine russische Mig-29 handelte, blieb unklar.
Nachdem das türkische Außenministerium wegen der Vorfälle schon zwei Mal den russischen Botschafter einbestellt hatte, schaltete sich am Dienstag auch Präsident Recep Tayyip Erdogan ein: "Wenn Russland einen Freund wie die Türkei verliert, mit dem es viele Kooperationen hat, dann verliert es viel", warnte er. Moskau selbst äußerte sich bislang nur zu dem Vorfall am Samstag: Ein Kampfjet sei wegen "schlechter Wetterverhältnisse" für "einige Sekunden" in türkischem Luftraum gewesen, erklärte das Verteidigungsministerium.

DPA