Israel Sex-Skandal um Staatspräsidenten


Mitarbeiterinnen werfen dem israelischen Staatspräsidenten Mosche Katsav sexuelle Nötigung vor. In illegale Abhörtätigkeiten soll er auch verwickelt sein. Katsav sorgt nicht als erster Spitzenpolitiker für Schlagzeilen.

In der Sex-Affäre um den israelischen Staatspräsidenten Mosche Katsav sind die polizeilichen Ermittlungen abgeschlossen. Polizeiermittler übergaben die Ergebnisse der Staatsanwaltschaft. Generalstaatsanwalt Menachem Masus muss nun nach einer staatsanwaltschaftlichen Überprüfung des Beweismaterials entscheiden, ob gegen Katsav Anklage erhoben wird. Falls es dazu kommt, wäre der seit dem Jahr 2000 amtierende Staatspräsident durch seine Immunität vor einem Gerichtsprozess geschützt.

Zwei ehemalige weibliche Angestellte hatten dem 60-Jährigen vorgeworfen, er habe sie mit Drohungen sexuell gefügig gemacht. Nach der Veröffentlichung ihrer Beschuldigungen hatten sich weitere Frauen gemeldet, die dem Staatsoberhaupt sexuelle Nötigung vorwerfen. Katsav hat wiederholt seine Unschuld beteuert und sich als Opfer eines Erpressungsversuchs bezeichnet.

Illegal abgehört und vorschnell begnadigt

Nach Medienberichten sollen die Ermittlungen möglicherweise auch illegale Abhörtätigkeiten zu Tage gefördert haben. Polizisten hatten im August die Residenz des Präsidenten in Jerusalem durchsucht und dort Computer und Dokumente beschlagnahmt. Das Material wurde ausgewertet. Außerdem werden Vorwürfe untersucht, Katsav habe Häftlinge ohne ausreichende Grundlage begnadigt.

Der israelische Bildungsminister Juli Tamir forderte nach der Erklärung der Ermittler Katsav zum Rücktritt auf. Der Skandal dürfte keine größeren Auswirkungen auf die israelische Politik haben, da der Präsident in Israel wie in Deutschland lediglich repräsentative Aufgaben erfüllt.

Reihe von Skandal-Schlagzeilen

Neben Katsav haben in jüngerer Zeit mehrere andere hochrangige Politiker in Israel für Skandal-Schlagzeilen gesorgt. So trat Justizminister Haim Ramon nach einer Anklage wegen sexueller Belästigung einer Mitarbeiterin zurück. Ministerpräsident Ehud Olmert wurde wegen der Umstände eines Wohnungskaufs zum Ziel von Ermittlungen.

Armeechef Dan Haluz steht in der Kritik, weil er Mitte Juli wenige Stunden nach der Entführung zweier israelischer Soldaten durch die libanesische Hisbollah sein Aktienportfolio verkauft hatte. Die Verschleppung löste den fünfwöchigen Krieg zwischen Israel und der Miliz aus.

DPA/Reuters DPA Reuters

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