HOME
Blog

Last Call: Der Promi-Dreier und der Coitus interruptus der Presse

Das englische Recht verbietet es, über die Sex-Eskapaden Prominenter explizit zu schreiben. In den USA und in Schottland dürfen die Namen hingegen erwähnt werden. Ob dieser komplizierte Zustand bleibt - darüber entscheidet ein Gericht.

Daily Mail

Von der Webseite der "Daily Mail"

Die englische Presse hat eine Obsession mit Sex. Sie ist mit ihrer Obsession noch erheblich obsessiver als die "Bild"-Zeitung oder auch die Seite, auf der dieser Artikel hier steht. Zur Zeit erreichen die britischen Kollegen aber einen neuen Höhepunkt. Oder eben auch nicht.

Genau das ist das Problem.

Das Problem geht so: Sie würden gern und dürfen nicht. Sie würden gern, liebend gern schreiben, welcher Prominente sich in einem sogenannten "celebrity threesome", einem Prominenten-Dreier vergnügte. Das englische Recht verbietet das. Und zwar nur das englische und walisische. Der oder die Promi verhängte via Gericht eine so genannte "gagging order". Es darf über die Teilnehmer dieser menage à trois nichts geschrieben werden, wegen Verletzung der Privatsphäre, "privacy injunction". Das führt nun zu einer sehr unterhaltsamen Dreiecksbeziehung zwischen Medien, Stars und Justiz.

Die Zeitung "Sun", Spezialgebiet Gürtellinie und darunter, will mit ein paar anderen Blättern vor Gericht erstreiten, dass sie endlich schreiben darf, was beispielsweise Schotten und Amerikaner längst wissen, weil deren auf die Gürtellinie und darunter spezialisierten Druckerzeugnisse und Webseiten die Namen der flotten Drei längst publiziert haben.

Solidarität mit den englischen Kollegen

In den USA handelte es sich um das einschlägige Fachorgan "National Inquirer", das seinen Wirkungskreis offenkundig von nationalen auch auf internationale Feuchtgebiete erweitert hat. In Schottland war es eine Boulevardzeitung, deren englisches Schwesterprodukt wiederum nicht durfte.

Wer jetzt hofft, irgendwo in dieser Kolumne zu lesen, wer mit wem und warum, kann hier gleich aufhören zu lesen. Schon aus Solidarität mit den englischen Kollegen käme ich nicht auf die Idee zu schreiben, was ich inzwischen durch Google auch weiß. Vor allem aber auch aus Solidarität mit dem Prominenten, der einfach nicht in der Zeitung lesen will, was in seinem Schlafzimmer so passiert. Ich kann das durchaus verstehen. Nur so viel: Die handelnden Personen firmieren in der hiesigen Medienlandschaft unter den wunderbar irreführenden Abkürzungen PJS und YMA.

Das geht jetzt schon seit Wochen so; die Blätter, auch die seriösen, widmen den berühmten Vögelfreunden viele Spalten unter dem Deckmäntelchen des Presserechts. Ohne Namensnennung ist das Ganze eigentlich noch viel schöner und eröffnet der Fantasie ganz neue Dimensionen. Die eher fantasielose "Daily Mail" startete statt dessen gleich eine ganz Serie zum Thema, mit dem schnöden Titel "Why the Law is an ass". Darin verrenken sich die Schreiber und flehen fast devot und beklagen die große Ungerechtigkeit und sind dabei immer nur ein Yota davon entfernt, die Identität zu verraten. Eine Art publizistischer Coitus interruptus.

Callgirl des Namens Helen Wood

Dieselbe Zeitung eröffnete ihren Lesern in dieser Woche auf zwei Seiten, dass ein ehemaliges Callgirl des Namens Helen Wood von einem bekannten englischen Schauspieler vor Jahren 195 Pfund für ihre Dienste bekam. Der Mann, verheiratet, Kinder und weltweit geläufig als liebevoller "family man", verhängte gleichfalls eine "gagging order". Darüber ist Frau Wood jetzt ähnlich sauer wie die Mail, die natürlich wieder mal den Namen kennt, vermutlich von den amerikanischen Kollegen des oben bereits erwähnten Fachblatts, welches seinen Lesern vor kurzem die Geschichte unter der Zeile "xxxxxxx Hooker & Sex Toy Scandal!" in extensio nahebrachte. Im amerikanischen Original stand natürlich statt xxxxxxx der richtige Name des Schauspielers. Über den Frau Wood im Übrigen wenig Schönes zu erzählen weiß. Geküsst habe xxxxxxx wie eine Jungfrau, und wenn man ihren Ausführungen glauben mag damit auch schlechter als ein anderer ihrer bekannten Kunden, den man an dieser Stelle aber nennen darf, weil er bereits öffentlicher Teil britischer Promi-Prostituierten-Prosa ist: Wayne Rooney.

Der Fußballspieler von Manchester United zahlte nach Verrichtung, schämte sich ein bisschen und ging. Er vergaß aber vor lauter Aufregung offenbar eine Beischlaf-Schweigepflicht zu vereinbaren und konnte seine Geschichte später recht detailliert im Boulevard nachlesen.

Helen Wood

Helen Wood

Frau Wood hat in ihrer früheren Funktion als Callgirl offenbar noch eine ganze Reihe weiterer Größen aus Film, Funk, Fernsehen und Fußball beschlafen. Jedenfalls deutet sie das an. Gern würde sie ihre ganze Geschichte verkaufen, am liebsten wohl an die "Sun", die ja auch gern zugreifen würde, aber nicht kann.

Sie dürfen zusammen nicht kommen.

Der Supreme Court wird sich alsbald dieser Sache annehmen. In bislang 15 Fällen entschieden die Richter pro Promi, in vielen anderen Fällen nicht. Ein paar Sportler beispielsweise konnten kein Schweigen erwirken, weil die Richter urteilten, es sei ohnehin schon alles bekannt. In einem Fall verplauderte sich sogar ein Abgeordneter im Parlament, und schon war es hin, das schöne Gelübde. Einerseits. Andererseits: viel Geld gespart. Ein Drittel des Celebrity-Dreiers, heißt es, habe bereits mehrere hundert tausend Pfund in die Causa gesteckt.

Frau Wood hat sich im Übrigen aus ihrem früheren Beruf zurückgezogen, ist sich aber doch treu geblieben. Sie trat erst bei "Big Brother" auf und ist nun hauptberufliche Geschichtenerzählerin. Sie erzählt Geschichten aus Tausendundeiner Nacht.
Für Geld.

Daily Mail

Von der Website der "Daily Mail"

Themen in diesem Artikel