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Last Call: Die Kraft der Kratzbürste. Oder Europa für Dummies

Die einfachen Dinge des Lebens sind die schönsten, findet stern-Korrespondent Michael Streck. Er hat sich in London Shakespeare-Aufführungen für Anfänger angesehen - und war so begeistert, dass er sich das Konzept nun auch für andere Bereiche wünscht. Zum Beispiel für die EU.

Wir leben in komplizierten Zeiten. Manchmal habe ich das Gefühl, dass es früher einfach einfacher war. Nicht besser, aber leichter. Die schönsten Dinge des Lebens sind die einfachen. Zum Beispiel Spiegelei. Oder Linsensuppe. Oder Fischstäbchen.

Vielleicht gibt es deshalb einen Trend zurück zu den simplen Dingen des Lebens. Simple Dinge sind genau richtig für schlichte Gemüter wie mich.

In Großbritannien ist gerade Shakespeare-Jahr, der große Barde starb vor 400 Jahren. Neulich führten sie hier in London die kompletten Werke von Shakespeare auf, 36 Stücke in drei Tagen und jedes nur eine Stunde lang. Es nannte sich „Table Top Shakespeare“, und das Konzept war denkbar schlicht und ergreifend: Ein Tisch, ein Stuhl, ein Erzähler und als Darsteller Suppenwürfel, Feuerzeuge, Zigarettenschachteln, Dosensuppen, Bierflaschen, Putzschwämme, Salz- und Pfefferstreuer, Ketchup und Senf, Orangen und Zitronen. Der Erzähler schob sie über den Tisch und brach Shakespeare herunter für Fortgeschrittene und Anfänger.

Wir schauten erst Othello.

Othello, der Mohr, war eine schwarze Prosecco-Dose, seine Geliebte Desdemona Weißblech mit Bitter Lemon drin. Die Erzählerin beamte Shakespeare aus dem 16. Jahrhundert sprachlich ins 21. Jahrhundert. Einmal sagte sie, dass sich die beiden Dosen jetzt zurückziehen würden „to fuck each other’s brains out“, also um sich gegenseitig das Hirn weg zu vögeln. Das spielte sie mit den Dosen aber nicht nach. Shakespeare, muss man wissen, war nicht nur ein Meister der gehobenen, sondern auch der Umgangssprache. Er hat sie wie kein Zweiter bereichert. „Fuck each other’s brains out“, gehörte meines Wissens aber nicht dazu.

Zwei Tage später sahen wir „The Taming of the Shrew“, der Widerspenstigen Zähmung. Diesmal mit einer Armee aus Senfgläsern, Brühwürfeln und Bierflaschen. Ein rotes Feuerzeug symbolisierte den betrunkenen Kesselflicker Sly, der im Prolog der eigentlichen Komödie auftaucht. Statt „fuck“ sagte die Erzählerin diesmal „screw“, inhaltlich läuft es auf dasselbe hinaus. Nach der Vorstellung verließen die Leute gut gelaunt das Theater, und draußen auf der Straße stand die Erzählerin und rauchte. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie sich ihre Zigarette mit dem Kesselflicker Sly ansteckte. Wir bedankten uns bei ihr, und sie sagte, dass alle Stücke ausverkauft gewesen seien. Dass der Erfolg die Sehnsucht der Menschen nach Vereinfachung reflektiere. Ich sagte, dass man dieses Konzept doch auf ganz viele Bereiche des Lebens übertragen könne. Mir fielen da sofort einige ein. „EU for Dummies zum Beispiel.“ Die Erzählerin nickte.

Shakespeare wäre ganz gewiss Pro-Europäer

Man müsste es hier im Fernsehen zeigen, direkt nach den Nachrichten. Und den Leuten erklären, dass Europa nicht so furchtbar ist, wie man in Großbritannien jeden Tag lesen muss. Es müssten Polen auftauchen (Wodkaflaschen) und Deutsche (Würste) und Franzosen (Käse) und Engländer natürlich (Tee). Angela Merkel wäre eine Kratzbürste und David Cameron eine Teflon-Bratpfanne.

Falls nun der Tee zu Hause ein Problem hätte mit, sagen wir, verstopften Abflüssen, müsste der Wodka kommen und es reparieren. Viele Polen sind nämlich hierzulande im Dienstleistungsbereich tätig. Ohne Polen und Bulgaren und Rumänen hätte das Land ein gigantisches Service-Problem. Nach einem EU-Austritt könnte Wodka aber nicht mehr vorbeikommen oder nur sehr viel später, und der Tee würde einfach absaufen in seiner eigenen Brühe. Solche Dinge könnte man den Briten jeden Abend so lange vorspielen, bis auch der letzte Dummy begriffen hätte, dass Europa richtig, wichtig und gut ist. Die Kratzbürste Merkel würde es der Teflon-Pfanne Cameron immer wieder liebevoll und geduldig verklickern. Und ihr zum Beispiel klar machen, dass Pfanne und Würste beste Freunde und wie für einander gemacht sind. So ungefähr funktioniert ja die EU.

Vielleicht würden sie es verstehen. Bestimmt sogar.

Die Erzählerin fand die Idee ganz gut. Sie sagte, Shakespeare wäre ganz gewiss ein Pro-Europäer. Allein die Schauplätze. Venedig, Verona, Wien, Dänemark, Zypern. Seine Werke spielen ja überall in Europa. Er war seiner Zeit immer schon voraus und modern. Und das Manuskript für „The Book of Sir Thomas More“ ist nichts anderes als ein Manifest für offene Grenzen und offene Arme, verfolgte Hugenotten damals. Sie zog noch eine Zigarette aus der Schachtel und zündete sie wieder mit dem Kesselflicker Sly an. Danach ging sie zurück ins Theater und gab noch eine Stunde lang Macbeth mit Putzschwämmen.

Wir stiegen bester Dinge in die U-Bahn und glaubten fest, dass wir Großbritannien vor dem Brexit bewahren könnten, wenn man uns nur ließe mit Pfannen und Bürsten und Wodka und Würsten und Tee. Die Kraft und Schönheit der simplen Dinge des Lebens.

Zu Hause gab es Fischstäbchen.

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.