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Libanon: Antisyrischer Journalist ermordet

Wenige Tage nach den ersten Parlamentswahlen ohne syrischen Einfluss, ist im Libanon der syrienkritische Journalist Samir Kasir bei einem Anschlag ums Leben gekommen.

Ein bekannter anti-syrischer Journalist ist am Donnerstag in der libanesischen Hauptstadt Beirut bei einem Bombenattentat getötet worden. Der Kolumnist der Zeitung "an Nahar", Samir Kasir, hatte sich in den vergangenen Jahren nachdrücklich für einen Abzug der syrischen Truppen aus dem Libanon eingesetzt.

Die Explosion ereignete sich im überwiegend von Christen bewohnten Stadtteil Aschrafijeh. Die Bombe sei detoniert, als Kasir vor seiner Wohnung sein Auto gestartet habe, verlautete aus Sicherheitskreisen. Der Journalist, der auch der kleinen Oppositionspartei Demokratische Linke angehörte, sei sofort tot gewesen. Eine Frau sei verletzt worden.

Der Anschlag weckte Erinnerungen an die Ermordung des früheren Ministerpräsidenten Rafik al Hariri im Februar, den die Opposition ebenfalls Syrien angelastet hatte. Nach massiven anti-syrischen Protesten verließen die syrischen Soldaten im April das Nachbarland. Seit dem Ende des Bürgerkrieges hatte Syrien 29 Jahre lang die Rolle einer Ordnungsmacht im Libanon inne. Am Wochenende hatten die ersten libanesischen Parlamentswahlen ohne direkten syrischen Einfluss begonnen. Ministerpräsident Nadschib Mikati sprach von einem schmerzlichen Ereignis.

Der drusische Oppositionspolitiker Walid Dschumblatt machte den pro-syrischen Präsident Emile Lahoud und dessen Sicherheitskräfte für den jüngsten Anschlag verantwortlich. Die Tat ereignete sich vier Tage nach der ersten Runde der auf vier Sonntage angelegten Parlamentswahl. "Jedes Mal wenn wir einen Schritt nach vorn machen, erleben wir, dass es Kräfte gibt, die die Sicherheit des Landes ins Chaos stürzen wollen", sagte Ministerpräsident Mikati. Er werde nicht zulassen, dass die Sicherheit und die Freiheit des Landes erschüttert würden.

Reuters / Reuters
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