Liverpool Elfjähriger von Jugendlichem erschossen


Ein elfjähriger Junge ist im englischen Liverpool von einem vermummten Jugendlichen beim Fußballspielen erschossen worden. Rhys Jones ist das neueste Opfer einer Teenager-Mordserie in England.

Ein Elfjähriger ist in Liverpool von einem Jugendlichen auf einem BMX-Rad erschossen worden. Wie die Polizei berichtete, spielte der Junge mit zwei Freunden Fußball auf einem Parkplatz, als der maskierte Jugendliche mit seinem Fahrrad vorbeifuhr und drei Schüsse auf sie abfeuerte. Der fußballbegeisterte Rhys Jones wurde in den Hals getroffen, starb wenig später auf dem Weg ins Krankenhaus. Eine sofort eingeleitete Fahndung nach dem Täter blieb vorerst erfolglos.

Die geht die Suche nach den Tätern geht weiter. Zwei Verdächtige im Alter von 14 und 18 Jahren wurden gegen Kaution wieder freigelassen, teilte die Polizei mit. Gesucht werde nun ein 13- bis 15-Jähriger berichtete der Fernsehsender BBC. In dem Stadtviertel Croxteth gedachten Freunde, Angehörige und Nachbarn dem toten Jungen am Abend mit einer Nachtwache.

"Der schlimmste Albtraum"

"Unsere Welt ist zusammen gebrochen, die Welt hat einen guten Jungen verloren", sagte der verzweifelte Vater Stephen Jones vor der Presse. Es sei "der schlimmste Albtraum". "Unser Sohn war erst elf, unser Baby. Das darf nicht sein, das darf nicht weitergehen, bitte helfen Sie uns", sagte die Mutter Melanie und betonte, ihr Sohn sei nie Mitglied einer Jugendbande gewesen.

Die Bluttat setzt eine seit Monaten andauernde Serie von Morden an Teenagern in Großbritannien fort, die meist durch brutale Jugendbanden verübt wurden. Die britische Regierung versprach nach der grausamen Tat, verstärkt gegen die Gewalt vorzugehen. Premierminister Gordon Brown sprach von einem "abscheulichen Verbrechen", das das gesamte Land erschüttert.

Entsetzen nach Ermordung des Elfjährigen in

Der britische Premierminister Gordon Brown sprach am Donnerstag von einem "abscheulichen Verbrechen, das das ganze Land schockiert hat". Allein in London sind seit Februar nach Angaben der britischen Nachrichtenagentur PA sechs Teenager erschossen worden. Ob die Tat vom Mittwoch von einem Jungen allein ausgeführt wurde, war zunächst weiter unklar. Auch über das Motiv war nichts bekannt.

Fünf Schulfreunde des Ermordeten legten am Ort des Unglücks Blumen nieder. "Er hat immer gelacht. Er war nie traurig. Er war ein großartiger Kumpel", sagte der Schulkamerad Daniel O'Brien PA zufolge. Auf einen Strauß roter Rosen schrieb einer der Schulkameraden: "Gute Nacht. Gott segne Dich. Schlaf gut. Wir werden Dich vermissen. Dein Freund Joe." Daniels Mutter Donna O'Brien sagte laut PA, es sei schrecklich gewesen, ihrem Sohn am Morgen zu erklären, dass sein Freund tot sei. Ein anderer Schulfreund sagte, er habe das Opfer in der Schule nie in einen Streit verwickelt gesehen. Der Elfjährige sei gerade erst aus mit seiner Familie aus den Ferien zurückgekommen.

Politische Debatte über jugendliche Gewalt

Die Gewalttat heizte die politische Debatte um Waffenbesitz Jugendlicher weiter an. Die Zahl der wegen illegalen Waffenbesitzes strafrechtlich verfolgten Jugendlichen ist PA zufolge in den vergangenen fünf Jahren um 20 Prozent gestiegen. Oppositionsführer David Cameron forderte, die Briten "müssen uns fragen, was in diesem Land falsch läuft". Ähnlich äußerte sich der Bischof von Liverpool, James Jones, der an den Tatort eilte: "Wir müssen uns fragen: Was für eine Gesellschaft schaffen wir hier?" Im Februar hatte der damalige Premierminister Tony Blair unter anderem die Möglichkeit ins Gespräch gebracht, bereits 17-Jährige wegen Waffenbesitzes ins Gefängnis zu sperren.

Dee Edwards von der Organisation Mütter gegen Mord und Gewalt (MAMAA) kritisierte, es fehle nicht an Plänen, sondern an Taten. "Mittlerweile bringen Kinder fast täglich andere Kinder um. Die Leute haben sich daran gewöhnt." Es sei eine Tragödie, wie sehr die Gangkriminalität unter Jugendlichen um sich greife, sagte Edwards der Nachrichtenagentur

DPA/AP AP DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker