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Nachfolge im Vatikan: Die geheime Wahl des neuen Papstes

Papst Benedikt XVI. hat seinen Rücktritt angekündigt, noch vor Ostern soll sein Nachfolger gefunden sein. Für die Wahl eines Papstes gibt es exakte Regeln, die zum Teil seit Jahrhunderten gelten.

Nach der Rücktrittserklärung von Papst Benedikt XVI. hat der Vatikan angekündigt, dass das neue Kirchenoberhaupt noch vor Ostern gewählt sein soll. Gewählt wird der neue Papst von den Kardinälen, die sich dazu zu einem sogenannten Konklave im Vatikan versammeln. Für die Wahl gelten präzise Regeln, die im Laufe der Jahrhunderte immer wieder modifiziert wurden.

Wie sieht der Zeitplan für die Wahl aus?

Benedikt XVI. hat seinen Rücktritt für den 28. Februar angekündigt. Die Regeln sehen vor, dass das Konklave frühestens 15 Tage, spätestens aber 20 Tage nach Tod oder Rücktritt des Kirchenoberhauptes zusammentreten muss. Der Ostersonntag fällt in diesem Jahr auf den 31. März. Soll das neue Kirchenoberhaupt also - wie angekündigt - bis Ostern gewählt sein, haben die Kardinäle bis zu etwa zwei Wochen Zeit für ihre Entscheidung.

Was ist das Konklave?

Das Wort leitet sich vom lateinischen "cum clavis" ("mit Schlüsseln") ab. Der Terminus bezeichnet zum einen die Zusammenkunft der Kardinäle, die den neuen Papst wählen. Zum anderen ist damit der von der Außenwelt abgeriegelte Bereich im Vatikan gemeint, in dem die Kardinäle ihre Entscheidung treffen. Konkret findet die Papstwahl in der wegen der Deckengemälde Michelangelos weltberühmtem Sixtinischen Kapelle statt. Das Eingeschlossensein soll die Kardinäle vor Einflussnahme von Außen schützen und eine möglichst schnelle Einigung ermöglichen. Wahlberechtigt sind alle Kardinäle unter 80 Jahren. Sie verpflichten sich zu Beginn der Versammlung zu absoluter Geheimhaltung - automatische Strafe für den Bruch des Eids ist die Exkommunikation.

Wie läuft die Wahl ab?

Das Konklave wird mit einer Messe und Gebeten eröffnet. Jeder Kardinal erhält wenigstens zwei oder drei Stimmzettel. Auf diesen stehen bereits die Worte "Eligo in Summum Pontificem" (Zum Papst wähle ich ...). Die Kardinäle stimmen in geheimer Wahl ab; eine Enthaltung ist nicht erlaubt. Nötig ist eine Zweidrittelmehrheit. Nach einer von Benedikt XVI. erlassenen Regeländerung ist die Zweidrittelmehrheit zwingend - egal, wieviele Wahlgänge dafür angesetzt werden müssen. Die früheren Regeln sahen vor, dass sich die Kardinäle nach mehreren erfolglosen Wahlgängen darauf einigen konnten, statt der Zweidrittel- nur noch die absolute Mehrheit als Grenze anzusetzen.

Welche deutschen Kardinäle dürfen mitwählen?

Wahlberechtigt, weil noch nicht 80 Jahre alt, sind voraussichtlich 117 Kardinäle, unter ihnen sechs Deutsche: Joachim Meisner, Karl Lehmann, Paul Josef Cordes, Reinhard Marx, Rainer Maria Woelki und Walter Kasper. Stichtag für die Altersgrenze ist der Tag vor Beginn der Sedisvakanz, nach der Rücktrittsankündigung Benedikts also der 28. Februar.

Was ist die Sedisvakanz?

Mit dem Ende des Pontifikats von Papst Benedikt XVI. beginnt am 28. Februar um 20 Uhr die Zeit der Sedisvakanz. Das ist die Zeit, in der das Amt des Papstes nicht besetzt ist - normalerweise vom Tod des Kirchenoberhaupts bis zur Wahl seines Nachfolgers. Der Begriff kommt aus dem Lateinischen und heißt wörtlich übersetzt "leerer Stuhl". Während der Sedisvakanz werden im Vatikanstaat spezielle Münzen und Medaillen geprägt.

Welche Voraussetzungen muss der neue Papst erfüllen?

Ein zukünftiger Papst muss seine Fähigkeiten in drei Bereichen unter Beweis gestellt haben: als Seelsorger, Theologe und Diplomat. Außerdem muss er Italienisch sprechen, die Sprache des Vatikans. Der Gewählte muss nach Kirchenrecht weder Bischof noch Kardinal sein, nicht einmal Priester, sondern nur ein männlicher, gläubiger und unverheirateter Katholik bei klarem Verstand. Tatsächlich wählen die Kardinäle aber seit Jahrhunderten einen Vertreter aus ihrem Kreis. Für das höchste Amt der katholischen Kirche kann sich niemand selbst bewerben. Die Kardinäle entscheiden völlig selbstständig, wen sie aus ihren Reihen wählen. Im Übrigen ist es ihnen verboten, im Voraus Absprachen zu treffen oder Zusagen zur Wahl einer bestimmten Person zu machen.

Was passiert nach der Wahl des Papstes?

Der Kardinaldekan fragt den Gewählten, ob er das Amt annimmt und welchen Papst-Namen er tragen möchte. Die Kardinäle schwören ihm ihre Treue. Anschließend wird die Öffentlichkeit unterrichtet.

Wie erfährt die Öffentlichtkeit, dass ein neuer Papst gewählt ist?

Solange sich die Kardinäle nicht auf einen Papst einigen können, werden die Stimmzettel aus jedem Wahlgang zusammen mit einem chemischen Zusatz verbrannt, so dass schwarzer Rauch aus einem Rohr der Kapelle emporsteigt. Ist dagegen ein neuer Papst gewählt, steigt weißer Rauch auf, außerdem läuten die Glocken des Petersdoms. Der Kardinaldekan tritt dann auf den Hauptbalkon des Petersdoms und verkündet der Welt: "Habemus Papam!" ("Wir haben einen Papst!") Anschließend tritt der neue Papst auf den Balkon und spricht den Segen "Urbi et Orbi" ("Der Stadt und dem Erdkreis").

AFP/DPA / DPA