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Nahost-Konflikt: Israel greift Gaza-Stadt an

Die Situation im Gaza-Streifen eskaliert: Die israelische Armee hat Sicherheitseinrichtungen der Hamas bombardiert. Nach Angaben der radikalislamischen Palästinenserorganisation seien bei den Angriffen mindestens 155 Menschen getötet worden. Während die EU einen sofortigen Waffenstillstand fordert, schwört die Hamas für dieses "Blutbad" Rache.

Israel hat Augenzeugenberichten zufolgen seinen Ankündigungen Taten folgen lassen und Einrichtungen im Gazastreifen beschossen. Bei einer Serie israelischer Luftangriffe auf Sicherheitseinrichtungen der Hamas im Gazastreifen sind möglicherweise 120 Menschen getötet worden, darunter auch der Polizeichef Gazas, Taufik Dschaber. Ein Einwohner von Gaza sagte: "Wir sind in großer Gefahr." Überall steige Rauch auf. Bei den getroffenen Gebäuden soll es sich um Polizeistationen und Sicherheitseinrichtungen der Hamas handeln. Weil das Mobiltelefonnetz zusammenbrach, gab es Schwierigkeiten, ärztliche Hilfe zu holen. Die Explosionsserien in den meist im Wohngebieten gelegenen Einrichtungen hätten in Gaza Panik in der Bevölkerung ausgelöst. In einer der Sicherheitseinrichtungen lagen nach einem der Angriffe mehr als ein Dutzend uniformierter Männer tot auf dem Boden. Es gab zunächst kein Anzeichen für eine zusätzliche israelische Bodenoffensive.

Der Angriff kam für die Bewohner völlig überraschend, weil nach israelischen Medienberichten das Sicherheitskabinett erst am Sonntag über einen Militärschlag entscheiden wollte.

"Die Kinder schreien. Wir wissen nicht, was wir tun sollen. Sollen wir zu Hause bleiben oder auf die Straße gehen. Wo ist es sicher? Um uns herum ist überall Rauch. Wir haben keinen Strom, wir wissen nicht, was wir tun sollen", sagte eine verzweifelte Mutter von fünf Kindern.

Trotz des fortwährenden Beschusses durch militante Palästinenser, hatte Israel am Freitag erstmals seit zehn Tagen wieder humanitäre Hilfsgüter für den Gazastreifen passieren lassen. Zugleich stellte die israelische Regierung der radikal-islamischen Hamas ein Ultimatum von 48 Stunden, um die Raketenangriffe auf israelische Grenzgemeinden einzustellen. Israel hatte den militanten Palästinensergruppen mit einem Militärschlag gedroht, falls sie den Raketenbeschuss von israelischen Grenzgemeinden nicht einstellen sollten. Am Samstagmorgen war wieder eine selbst gebaute Rakete im Kibbuz Schaar Hanegev eingeschlagen und hatte ein Verwaltungsgebäude beschädigt.

Das israelische Sicherheitskabinett will nach Medienberichten am Sonntag über einen Einsatz der Armee im Gazastreifen entscheiden. Bereits am Donnerstag hatte der scheidende israelische Ministerpräsident Ehud Olmert der Hamas offen mit einem Militäreinsatz gedroht und die Welt auf hohe Opferzahlen vorbereitet. "Hört auf, hört auf (...). Wir sind stärker", appellierte Olmert über den arabischen Fernsehsender Al-Arabija an die Palästinensergruppen. "Ich bin nicht gekommen, um den Krieg zu erklären", sagte Olmert. Zugleich drohte er mit der großen Zerstörungskraft der israelischen Armee und warnte: "Ich denke an die zehntausenden Kinder und Unschuldigen, die als Ergebnis der Hamas-Aktivitäten gefährdet werden".

DPA/AP / AP / DPA
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