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Parteitag der US-Republikaner: "Brüste gegen Bush"

Glücklich vereint in ihrem Hass auf den Präsidenten zeigt sich zurzeit New York, die Stadt, die sich die Republikaner für ihren Parteitag ausgesucht haben. Immerhin hat es Bush geschafft, dass sich Sechsjährige für Politik interessieren.

Von Jan-Christoph Wiechmann

Soviel wie in diesen schwülen Tagen gab es im eventhungrigen New York schon lang nicht zu erleben. Man kann mit Croquet spielenden Milliardären im Central Park gegen Bush demonstrieren oder mit halbnackten Frauen in Fischnetzen. Man kann sich die Performance "Republic in Ruins" anschauen oder die Guerilla-Komödie "I'm gonna kill the President" oder ein Wet-T-Shirt-Event mit dem Titel "Brüste gegen Bush". Langweilig wird es nie rund um den Nominierungsparteitag der Republikaner im Madison Square Garden von Manhattan.

Man könnte sich jetzt natürlich fragen, warum sich die Republikaner ausgerechnet die Kapitale des Bush-Hasses für ihre Krönungszeremonie aussuchen mussten. Zyniker behaupten, sie könnten so ihre Anhänger in Texas besser mobilisieren, wenn diese die "unpatriotischen Chaoten" aus dem "ultraliberalen" Nordosten erst im Fernsehen sehen. Als sich Bushs Wahlkampfstrategen vor zwei Jahren für New York entschieden, dachten sie noch, in der Stadt der Terrorattacken würde man dem Präsidenten in ewiger Dankbarkeit zujubeln für seine Kriege gegen den Terror.

Heute jedoch gibt es keinen in der Stadt, der Bush noch mag außer Bürgermeister Bloomberg, der ihn mögen muss, weil er die Millioneneinnahmen dringend braucht und den ehemaligen Bürgermeister Giuliani, der ihn mögen muss, weil er selbst noch Präsident werden will und den ehemaligen Bürgermeister Ed Koch, der ihn mögen muss, weil ihn, den altersdebilen Keiferer, sonst keiner mehr beachten würde.

T-Shirts und Slogans

Die Stadt, die so heterogen ist wie keine zweite auf der Welt, ist glücklich vereint in ihrem Hass auf den Präsidenten. Auf den Straßen tragen die Menschen T-Shirts mit Slogans wie: "Schickt Bush zum Mars und Cheney zum Uranus." Oder: "Als Säufer war Bush besser". Oder: "Tötet alle Ausländer, dann gibt es keine ausländischen Terroristen mehr." Oder auch: "Ein Dorf in Texas vermisst seinen Idioten." Sie tragen diese Shirts selbst auf der noblen Fifth Avenue. Sogar alte weiße Damen, die von jungen schwarzen Pflegerinnen im Rollstuhl ausgefahren werden, tragen sie. Und Pfarrer. Und kleine Kinder.

Mein Sohn ist erst sechs und trägt auch solch ein T-Shirt. Auf ihm ist Bushs Konterfei in Form eines Halteverbotszeichens abgebildet. Mein Sohn wollte es unbedingt. Er war nicht davon abzubringen. Er wollte es mehr als alles andere in der Welt. Er hat es sich gekauft, als am Sonntag 500.000 New Yorker gegen Bush demonstrierten auf der größten Demo seit Jahrzehnten. Auch andere Kinder trugen es. Unser Nachbarjunge hat ihn gleich gefragt, wo es das T-Shirt zu kaufen gibt. In seiner Schulklasse im tiefen Brooklyn ist es in etwa so begehrt wie das des Rappers P. Diddy. Bush mag leidenschaftlich gehasst werden in dieser Stadt, aber er hat es immerhin geschafft, dass sich Sechsjährige für Politik interessieren und abends vor dem Einschlafen Fragen stellen wie: Warum belügt Bush die Menschen so? Wann kommt Kerry endlich zum Retten? Warum spricht Bush so schlecht Englisch?

"Gute Arbeit"

Heute lief mein Sohn mit seinem neuen T-Shirt durch den Central Park. Die Passanten erhoben die Finger zum Siegesszeichen und riefen: "Super T-Shirt" und "Gute Arbeit". Er fühlte sich so cool wie bei seinen Rap-Auftritten vor dem Spiegel zu Hause. Selbst Polizisten, die letzten, die Bush in dieser Stadt angeblich noch unterstützen, feuerten ihn an. Als wir zu einem Restaurant an einem See im Central Park gehen wollten, stellte sich ein Polizist in den Weg und sagte: "Tut mir Leid. Das Restaurant ist heute gesperrt für eine Party der Republikaner." Mein Sohn war schwer enttäuscht, bis der Polizist hinzufügte: "Cooles T-Shirt. Ich trage es auch unter meiner Uniform."

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