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Rassistischer Angriff in Italien: Dunkelhäutige Ministerin mit Bananen beworfen

Cécile Kyenge ist die erste dunkelhäutige Ministerin Italiens. Seit ihrer Ernennung wird sie Opfer rassistischer Anfeindungen. Nun hat sie ein Unbekannter mit Bananen beworfen. Sie reagierte souverän.

Italiens erste dunkelhäutige Ministerin Cécile Kyenge ist erneut Opfer eines rassistischen Angriffs geworden. Bei einer Veranstaltung ihrer Demokratischen Partei (PD) im norditalienischen Cervia warf ein Unbekannter mit Bananen in Richtung der Integrationsministerin, verfehlte sie aber.

Kyenge bezeichnete den Angriff vom Freitagabend auf Twitter als "Ohrfeige für die Armut" und als "Verschwendung von Lebensmitteln". In der Öffentlichkeit bekam sie viel Unterstützung und Lob für ihre gelassene Reaktion.

Italiens politische Elite reagierte empört auf den Angriff. Umweltminister Andrea Orlando äußerte auf Twitter seine "Empörung angesichts dieses erbärmlichen Aktes". Der ehemalige Römer Bürgermeister Gianni Alemanno sprach von einem erneuten "beschämenden und skandalösen" Vorfall und erklärte seine Solidarität mit der dunkelhäutigen Politikerin. Landwirtschaftsministerin Nunzia De Girolamo lobte hingegen Kyenges Reaktion auf den Vorfall. Sie habe gezeigt, dass "Ironie die beste Waffe gegen idiotische und gewalttätige Akte sei".

Kein Einzelfall

Die aus dem Kongo stammende Augenärztin ist seit April die erste schwarze Ministerin Italiens. Seitdem muss sich Kyenge immer wieder mit rassistischen Anfeindungen auseinandersetzen. Vor wenigen Tagen hatte Senats-Vizepräsident Roberto Calderoli gesagt, beim Anblick Kyenges fühle er sich an einen Orang-Utan erinnert. Sie sollte besser "in ihrem eigenen Land" Ministerin sein. Erst nach einem Sturm der Entrüstung entschuldigte sich der Politiker der fremdenfeindlichen Liga Nord bei der Ministerin.

Mit ihren Plänen, die Einwanderung in Italien zu erleichtern, war Kyenge zuvor vor allem bei rechtsextremen und nationalistischen Kräften auf Widerstand getroffen. Gegen ihre Forderung, dass alle in Italien Geborenen automatisch die italienische Staatsbürgerschaft erhalten sollen, läuft die rechte Bewegung Forza Nuova Sturm. Am Rande der Veranstaltung in Cervia drapierten Anhänger mit Kunstblut beschmierte Schaufensterpuppen. Auf Flugblättern dazu hieß es: "Einwanderung tötet". Die Forza Nuova hatte diesen Slogan auch als Reaktion auf Verbrechen benutzt, die von Einwanderern in Italien verübt wurden.

Den erneuten Angriff verurteilte sogar Lega-Chef Roberto Maroni als "Dummheit". Der Minister für Regionalpolitik, Graziano Delrio, zeigte sich begeistert darüber, wie die Ministerin die Beleidigung konterte. "Großartig Cécile, Italien steht hinter dir", schrieb er. Kyenge werde ihren kulturellen Kampf gewinnen, sagte die Präsidentin des Abgeordnetenhauses, Laura Boldrini. "Ich bin Cécile dankbar, weil sie es uns ermöglicht, hinter den Hass zu blicken."

kgi/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters
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