Streik Ganz New York ist auf den Beinen


Erstmals seit 25 Jahren sind in New York die Mitarbeiter der öffentlichen Nahverkehrsbetriebe in den Streik getreten. Sieben Millionen Menschen waren von der Arbeitsniederlegung betroffen. Die Protestaktion soll die Stadt pro Tag bis zu 400 Millionen Dollar kosten. Wie lange der Streik dauern wird, steht noch nicht fest.

Erstmals seit 25 Jahren sind in der US-Metropole New York die Mitarbeiter der öffentlichen Nahverkehrsbetriebe in den Streik getreten. Millionen Menschen, die alltäglich auf die U-Bahnen und Busse der Stadt angewiesen sind, hingen daraufhin fest oder mussten auf Alternativen wie Fahrgemeinschaften ausweichen. Betroffen waren kurz vor dem Weihnachtsfest vor allem Berufspendler und Schüler, aber auch Touristen. Viele behalfen sich mit Fahrgemeinschaften und nutzten Taxis. Bürgermeister Michael Bloomberg verurteilte den Streik aufs Schärfste. Den streikenden Fahrern von Bussen und U-Bahnen könnten nun Bußgelder drohen, da es ihnen als Angestellten im öffentlichen Dienst die Arbeitsniederlegung nicht erlaubt ist. Es wird befürchtet, dass die Protestaktion die Stadt pro Tag bis zu 400 Millionen Dollar kostet. Täglich nutzen rund sieben Millionen Fahrgäste die U-Bahnen und Busse in New York.

"Man sollte sie alle ins Gefängnis stecken"

"Man sollte sie alle ins Gefängnis stecken", sagte ein 53-jähriger Mann voller Wut mit Blick auf die Streikenden. Er stand vor der Station Times Square, die mit rotem Klebeband abgeriegelt war. "Sie hätten einfach ihre Arbeit machen sollen. Das hier macht nur alle Leute unglücklich." Am Morgen war das gesamte Bus- und U-Bahnsystem zunächst lahm gelegt. Die Polizei richtete umgehend Kontrollpunkte ein, um Fahrzeuge mit weniger als vier Insassen gar nicht erst ins Zentrum vorzulassen. Das erwartete Verkehrschaos in der Innenstadt blieb daher weitgehend aus. Taxis und Autos mussten indes bis zu 40 Minuten warten, um an den Kontrollpunkten vorbei in die Straßen Manhattans zu kommen. Viele Pendlerbusse, Vorstadtzüge und Fähren fuhren noch. Einige große Unternehmen hatten individuellen Pendelverkehr eingerichtet und holten ihre Arbeitnehmer von zentralen Stellen in der Stadt ab.

Scheitern der Tarifverhandlungen als Auslöser

Grund für den Streik war das Scheitern von Tarifverhandlungen zwischen der staatlichen Transportbehörde MTA und der zuständigen Gewerkschaft TWU. "Die Beschäftigten der Verkehrsbetriebe sind es leid, gering geschätzt und missachtet zu werden", sagte TWU-Chef Roger Toussaint. Der Widerstand der TWU - die rund 34.000 Angestellte repräsentiert - richtet sich unter anderem gegen Pläne der Arbeitgeber, das Renten-Alter für neue Mitarbeiter anzuheben und diese für einen Teil ihrer Altersversorgung selbst aufkommen zu lassen.

Der letzte Streik dauerte elf Tage

Die Streikenden verteidigten ihren Protest. Ein 57-jähriger Busreiniger sagte, er verstehe den Ärger der Leute, die auf den Nahverkehr angewiesen seien. "Aber wir müssen für unsere Anliegen kämpfen." Bürgermeister Bloomberg bezeichnete den Streik hingegen als "illegal und moralisch verwerflich". Die Aktion verursache beträchtlichen Schaden für die Wirtschaft. Anwälte der MTA und der Stadt bemühten sich vor Gericht, den Streikenden Einhalt zu gebieten und Bußgelder durchzusetzen, fügte Bloomberg hinzu.

Der bislang letzte Streik im New Yorker öffentlichen Nahverkehr legte die Stadt 1980 lahm und dauerte elf Tage.

Christine Kearney und Ellen Wulfhorst / Reuters Reuters

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