VG-Wort Pixel

Prozess wegen PKK-Bericht Türkei wirft Journalistin Terror-Propaganda vor


Weil eine niederländische Journalistin über die kurdische Arbeiterpartei PKK berichtete, steht sie in der Türkei wegen Terrorhilfe vor Gericht. Nun nahm der Prozess eine überraschende Wende.

In der Türkei hat am Mittwoch der Prozess gegen eine niederländische Journalistin begonnen, der Verbreitung von Terror-Propaganda vorgeworfen wird. Sie hoffe auf Freispruch, teilte die Korrespondentin Frederike Geerdink per Twitter aus dem Gericht im südostanatolischen Diyarbakir mit. Die Staatsanwaltschaft hatte Geerdink vorgeworfen, Propaganda für die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) betrieben zu haben. Ihr drohten bis zu fünf Jahre Haft. Gleich zu Beginn des Verfahrens habe aber die Anklage selbst auf Freispruch plädiert, erklärte Geerdink.

Ihren Angaben zufolge sei keine Entscheidung verkündet worden, da der zuständige Richter bei der Verhandlung nicht anwesend war. Die Niederländerin, die in Diyarbakir arbeitet, war im Januar von der dortigen Anti-Terror-Polizei vorübergehend festgenommen und verhört worden. Sie soll PKK-freundliche Botschaften und Embleme der Kurdenrebellen wie deren Fahne über soziale Netzwerke verbreitet haben. Die Festnahme der Journalistin löste internationale Proteste aus.

Angeklagte rechnet mit Freispruch

Kurz nach Prozessesbeginn schrieb die Angeklagte auf Twitter: "Der Vorsitzende Richter ist heute nicht da. Der heutige Richter ist nicht authorisiert, mich freizusprechen. Montag wird es wohl offiziell sein." Und fügte einen grinsenden Smiley hinzu.

Geerdinks Anwalt Ramazan Demir forderte einen Freispruch. "Sie hat niemanden dazu ermutigt, sich der PKK anzuschließen", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Sie habe lediglich offen über den Konflikt berichtet. Im Januar hatte eine Anti-Terror-Einheit Geerdinks Haus durchsucht und sie wegen des Vorwurfs der Terror-Propaganda verhört. Geerdink ist nach eigenen Angaben die einzige ausländische Journalistin, die in Diyarbakir lebt.

Einschränkung der Pressefreiheit

Kritiker werfen der islamisch-konservativen Regierung in Ankara vor, Journalisten unter Druck zu setzen und die Pressefreiheit immer weiter einzuschränken. Nach einer Zählung des Komitees zum Schutz von Journalisten (CPJ) in New York waren 2012 und 2013 in der Türkei mehr Journalisten inhaftiert als in jedem anderen Land der Welt. Ausländische Reporter werden jedoch nur relativ selten von den Behörden bedrängt.

lie/AFP/DPA DPA

Wissenscommunity


Newsticker