Afghanistan-Geisel "Bitte helft uns"


Von dem in Afghanistan entführten deutschen Ingenieur Rudolf B. ist ein neues Video aufgetaucht. In einem eindringlichen Appell bittet er die Bundesregierung um Hilfe. Bald sei die Zeit abgelaufen, dann würde er getötet.

Der vor mehr als einem Monat in Afghanistan entführte deutsche Ingenieur Rudolf B. ist nach eigenen Angaben in sehr schlechter Verfassung. Das erklärte er in der deutschen Aufzeichnung eines neuen Videos. Bereits am Mittwochabend hatte der Fernsehsender RTL, dem das Video zugespielt wurde, darüber berichtet. Am Donnerstag wurde es vom privaten afghanischen Fernsehsender Tolo TV ausgestrahlt.

Das Video zeigt B., wie er auf einem Laken am Boden sitzt und sich die Brust hält, während er von einem Hustenanfall geschüttelt wird. Seine Medikamente reichten nur noch drei Tage, und die Zeit laufe aus.

Intensive Bemühungen um Freilassung

Auf Englisch beschreibt der 62-Jährige die Lebensumstände mit den Taliban, die sehr schlecht seien. "Ich lebe mit den Taliban 3000 Meter hoch in den Bergen", sagt er. "Die Taliban versuchen, mit der afghanischen Regierung zu verhandeln, aber die redet nicht mit den Taliban. Und die Taliban haben versucht, Verbindung mit der Botschaft aufzunehmen, um uns freizulassen. Aber wenn die Zeit vorbei ist, wollen sie uns töten." "Bitte helft uns", appelliert der 62-jährige.

Der Krisenstab des Auswärtigen Amts in Berlin wertet das neue Video aus. Das sagte eine Ministeriumssprecherin am Donnerstagmorgen auf Anfrage. Zu Einzelheiten wollte sie sich aber nicht näher äußern. Der Krisenstab bemühe sich weiter intensiv um die Freilassung des 62-Jährigen, sagte die Sprecherin.

Telefonischer Kontakt mit der Geisel

Zwei Wochen nach der Entführung des Ingenieurs war das erste Video mit Aufnahmen der Geisel aufgetaucht. Der arabische Sender al Dschasira strahlte am 31. Juli den Film aus, der den Deutschen in einer Bergregion zeigt, umgeben von mehreren maskierten Taliban-Kämpfern.

Vergangenen Sonntag berichteten ARD-Reporter in Afghanistan, sie hätten telefonischen Kontakt zu Blechschmidt gehabt. Er habe über eine Verschlechterung seines Gesundheitszustands gesprochen und die deutsche Botschaft in Kabul aufgefordert, mehr Druck auf die Entführer auszuüben. Er frage sich, warum nicht endlich Lösegeld gezahlt werde, sagte er laut ARD.

Der Ingenieur war zusammen mit dem Kollegen Rüdiger D. am 18. Juli in der Provinz Wardak verschleppt worden. Diedrich hatte später in der Gefangenschaft einen Schwächeanfall erlitten und war erschossen worden. Am 19. Juli entführten die Taliban 23 Südkoreaner. Zwei von ihnen wurden später erschossen, zwei wurden freigelassen. Der Rest wird immer noch festgehalten.

AP/DPA/Reuters AP DPA Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker