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Studierendenförderung 50 Jahre Bafög: Versprochen war ein einfaches, schnelles Verfahren, herausgekommen ist ein Bürokratie-Ungetüm

Zwei Studentinnen schauen in Briefumschläge, eine freut sich, eine nicht
Die Freude über einen positiven Bafög-Bescheid kann groß sein – oder im negativen Fall Existenzen bedrohen (Symbolbild)
© Peter Summers / Getty Images
50 Jahre Bafög – fröhliches Jubiläum, liebe Studierendenförderung! So sehr jede einzelne geförderte Person jeden Cent verdient hat: Das ist nicht nur ein Grund zum Feiern.

Seit 1971, also seit 50 Jahren, gibt es das Bafög, das sogenannte Bundesausbildungsförderungsgesetz. Grundsätzlich ist das eine wunderbare Sache – es hat Studierenden wie mir das Studium ermöglicht, die von ihren Eltern kaum bis gar nicht unterstützt werden konnten. Doch trotz einer großen Reform vor zwei Jahren hapert es an allen Ecken und Enden.

Das vielfach versprochene "einfache, schnelle und sichere Verfahren" ist ein einziges Bürokratie-Ungetüm, das selbst im Verwaltungswunderland Deutschland seinesgleichen sucht. Man muss das eigene Einkommen und seinen vollständigen Besitz angeben, was richtig und sinnvoll ist. Aber Bafög ist im Jahr 2021 immer noch an die Eltern gebunden, ein Mangel, der eigentlich seit Jahren behoben werden sollte – und nach wie vor nicht wird.

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19-Jährige sollen bitte in jeglicher Hinsicht selbstständig sein, erwachsen werden, können einen Bausparvertrag abschließen, aber ihre Studienfinanzierung soll vollkommen abhängig von ihren Eltern sein? Das ist schon lange nicht mehr zeitgemäß. Manchmal stimmt das Verhältnis nicht, oder Eltern sind knapp über der Grenze und können ihre Kinder nur marginal unterstützen – das reicht schon, damit es keinen Cent mehr vom Staat gibt.

Ein Witz unter Bafög-Empfänger:innen: Kein Geld bei Pizza mit Käserand

Der zweite Kritikpunkt: Bei den meisten reicht die monatliche Unterstützung nicht, also muss man nebenher arbeiten. Doch wer mehr als 450 Euro verdient, muss Abzüge in Kauf nehmen – und das, während man teils Monate auf die Bearbeitung des Bafög-Antrags wartet, in denen man nicht mal weiß, ob man die Bewilligung überhaupt bekommt. Mit 450 Euro kommt aber kein Mensch über die Runden. Im besten Fall darf man dann nach monatelangem Warten auch noch Geld zurückzahlen, weil man in der Zwischenzeit zu viel verdient hat. Nicht umsonst lautet ein leicht ironischer Spruch unter Bafög-Empfänger:innen: "Du hast letzten Monat eine Pizza mit Käserand bestellt? Heute gibt es leider kein Bafög für dich!"

Und das eigentliche Problem: Bafög erreicht inzwischen kaum noch die Menschen, die es am dringendsten benötigen. Die sogenannte Mittelschicht, Menschen, die aus Arbeiterfamilien kommen, vor dem Studium vielleicht eine Ausbildung gemacht haben oder in Teilzeit studieren, weil sie sich um Familienangehörige kümmern. Diese Leute fallen einfach durchs Raster.

Nur noch zwölf Prozent der Studierenden wird unterstützt

In den 1970er-Jahren wurde fast die Hälfte der Studierenden gefördert, im Jahr 2019 waren es nur noch unter 12 Prozent. Währenddessen überweist unsere Bildungsministerin, Anja Karliczek (CDU), 360 Millionen Euro wieder zurück an den Bund, weil zu wenig Gelder abgerufen wurden – während viel zu viele Studierende in prekären Verhältnissen leben oder gar nicht studieren können – weil der Bafög-Antrag abgelehnt wurde. Warum, weiß meistens kein Mensch. Denn die Berechnung ist derart intransparent, dass man sich auch als Mensch mit Uni-Abschluss fragt, warum zum Teufel man jetzt eigentlich 200 oder doch 500 Euro bekommt. Oder eben auch mal keinen Cent.

Fast alle Parteien machen Vorschläge, diese eigentlich gute Idee zu reformieren – wer und vor allem was sich am Ende durchsetzt, wird man erst nach der Bundestagswahl sehen. Nur bitte, liebe Parteien, tut was. Denn die aktuelle "Förderung" lässt viele Studierende im Stich.

Quellen: Statistisches Bundesamt / "zwd Politikmagazin" / Bundesministerium für Bildung und Forschung


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