Berliner Charité Töten aus Mitleid


Die Ermittlungen im Fall der unter Mordverdacht stehenden Krankenschwester weiten sich aus. Mittlerweile hat sie erklärt, Patienten aus Mitleid getötet zu haben. Die Staatsanwaltschaft bezweifelt dieses Motiv.

Die unter Mordverdacht stehende Krankenschwester der Berliner Charité hat nach eigenen Angaben aus Mitleid getötet. Das habe sie in einem Verhör angegeben, sagte Staatsanwalt Frank Thiel am Montag der AP in Berlin und bestätigte damit entsprechende Medienberichte. Die Staatsanwaltschaft stehe dem jedoch skeptisch gegenüber und geht von niedrigen Beweggründen aus. Die Möglichkeit, Herr über Leben und Tod zu sein, könnte eine Rolle gespielt haben, sagte Thiel. Es sei jedoch erst ein vorläufiges Motiv.

Gegen die Krankenschwester war am Donnerstag Haftbefehl wegen zweifachen Mordes erlassen worden. Die 54-Jährige hatte gestanden, zwei schwer kranke Patienten auf der kardiologischen Intensivstation mit einer Medikamenten-Überdosis getötet zu haben. In einem dritten Verdachtsfall hat die Staatsanwaltschaft eine Obduktion angeordnet, deren Ergebnisse noch nicht vorliegen. Darüber hinaus werden 15 weitere Todesfälle seit Sommer 2004 untersucht.

Exhumierungen und Obduktionen möglich

Die Akten stammen von Patienten, die während des Dienstes der Krankenschwester gestorben sind. Sie werden laut Thiel im Hinblick auf Auffälligkeiten, wie ein zu früher Tod, geprüft. Gegebenenfalls könne es dann auch zur Exhumierung und Obduktion weiterer Leichen kommen. Nach weiteren Todesfällen aus der Zeit vor Juni 2004 wird Charité-Sprecherin Kerstin Endele zufolge derzeit nicht gesucht. "Das wäre sehr viel aufwändiger, weil das noch richtige Papierakten sind", sagte Endele. Sollte die Staatsanwaltschaft aber den Wunsch nach einer weiteren Untersuchung äußern, werde das Klinikum dem nachkommen. Der Direktor des Zentrums für Innere Medizin, Gert Baumann, will die Krankenschwester im Gefängnis besuchen. Ein entsprechender Antrag sei am Freitag eingereicht worden, sagte Endele. Thiel kündigte an, diesen zu genehmigen.

AP AP

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