HOME

Fall Lea-Sophie: Schweriner wählen Bürgermeister ab

Wegen seines Krisenmanagements im Fall der verhungerten Lea-Sophie stand der Oberbürgermeister von Schwerin schon lange in der Kritik. Nun muss Norbert Claussen (CDU) persönliche Konsequenzen aus dem Fall tragen.

Der nach dem Hungertod der kleinen Lea-Sophie in die Kritik geratene Schweriner Oberbürgermeister Norbert Claussen (CDU) muss sein Amt vorzeitig räumen. In einem Bürgerentscheid votierten am Sonntag nach vorläufigem Ergebnis 29.149 Bürger für die Abwahl des Verwaltungschefs. Mindestens 26.772 Stimmen waren dafür notwendig. Damit ist Claussen der erste Politiker in Schwerin, für den der Fall Lea-Sophie persönliche Konsequenzen zur Folge hat.

Die Fünfjährige war im November 2007 verhungert, obwohl dem städtischen Jugendamt Hinweise auf eine mögliche Gefährdung des Kindswohls vorlagen. Untersuchungen hatten erhebliche Defizite in der Arbeit der Behörde offenbart. Die 24 Jahre alte Mutter und der 26 Jahre alte Vater sind wegen gemeinschaftlichen Mordes und Misshandlung Schutzbefohlener vor dem Landgericht Schwerin angeklagt.

"Ein guter Tag für Schwerin"

Die Beteiligung an dem Bürgerentscheid lag mit 44 Prozent deutlich höher als bei den derzeit laufenden Landratswahlen. "Diese hohe Beteiligung zeigt, dass wir mit dem Abwahlantrag den Nerv der Bürger getroffen haben", sagte Angelika Gramkow von der Linksfraktion in der Stadtvertretung. Die Landtagsabgeordnete gilt als mögliche Kandidatin für die nun innerhalb von vier Monaten abzuhaltende Neuwahl des Oberbürgermeisters. SPD-Fraktionschefin Manuela Schwesig sprach von einem "guten Tag für Schwerin und für die Demokratie".

Etwa 83 Prozent der Wähler hatten gegen Claussen gestimmt, dessen Amtszeit eigentlich bis 2010 ging. "Am Ende ein klares Ergebnis, das zu akzeptieren ist", sagte der 50-Jährige. Die Auseinandersetzung vor dem Wahlgang sei von seinen Kritikern "weit unterhalb der Gürtellinie geführt worden". Claussen war nicht nur für sein Krisenmanagement im Fall Lea-Sophie in die Kritik geraten. Ihm wurden auch mangelnde Kompetenz und fehlender Entscheidungswille nachgesagt. Für seine Äußerung, Schwerin habe mit dem Fall des verhungerten Kindes "Pech gehabt", hatte Claussen bundesweit Entrüstung ausgelöst. Er entschuldigte sich später.

Ein Abwahlantrag für den verantwortlichen früheren Sozialdezernenten Hermann Junghans (CDU) war Ende Februar in der Stadtvertretung überraschend gescheitert. Junghans ist weiterhin Dezernent, wurde aber mit anderen Aufgaben betraut.

DPA / DPA