Horst Köhler "Offen will ich sein"


Diese Ankündigung kann Horst Köhler nun wahr machen: Am Donnerstag wurde er als neunter Bundespräsident vereidigt, der offizielle Beginn seiner fünfjährigen Amtszeit.

"Ich liebe unser Land", hatte der 61-Jährige unmittelbar nach seiner Wahl am 23. Mai 2004 erklärt. Der Kandidat von Union und FDP schaffte es schon im ersten Wahlgang, mit der knappen Mehrheit von 604 der 1.204 abgegebenen Stimmen. "Deutschland soll ein Land der Ideen werden", erklärte er in seiner Antrittsrede.

"Geduld ist nicht meine Stärke"

Köhler gilt als unbequemer Mahner, als ungeduldig, kritisch und zuweilen aufbrausend. "Es ist nicht gerade meine Stärke, sehr geduldig zu sein", sagt er über sich. Doch schätzen Wegbegleiter vor allem seinen nüchternen Sachverstand und seine Analysefähigkeit. "Köhler wird kein gemütlicher Präsident, sondern ein drängender", meinte Exfinanzminister Theo Waigel über seinen einstigen Staatssekretär.

Als Herr der Zahlen gab Köhler selten Persönliches preis. Das änderte sich nach seiner Nominierung. Oft wurde er zu Terminen von seiner Frau Eva begleitet, die er schon aus Ludwigsburger Schulzeiten kennt. Wenn man in ein öffentliches Amt gewählt werde, dann bleibe wenig geheim. "Deshalb habe ich auch nach meiner Nominierung ganz offen über meinen unehelichen Enkel und über die Erblindung unserer Tochter gesprochen."

Sieben Geschwister

"Ich weiß, wo ich herkomme", sagte Köhler, angesprochen auf seine schwere Kindheit. Er wurde 1943 in Polen geboren. Dahin war seine aus Rumänien stammende Familie in den Wirren des Zweiten Weltkrieges geflohen. Später suchte die Familie bei Leipzig Zuflucht und siedelte nach dem Krieg nach Baden-Württemberg über. Köhler stammt aus einer Großfamilie mit acht Kindern. Er ist das einzige Kind, das studiert hat.

Seit Ende der 60er Jahre nahm der promovierte Volkswirt seinen Aufstieg durch zahlreiche Funktionen im Regierungsapparat. Unter dem CDU-Finanzminister Gerhard Stoltenberg war er in den 80er und 90er Jahren Abteilungsleiter und Staatssekretär. 1993 kehrte Köhler der Regierungsbürokratie den Rücken und wurde für fünf Jahre Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands. Ausschlaggebend für diesen Schritt waren familiäre Gründe. Seine Tochter war unheilbar erkrankt und begann, das Augenlicht zu verlieren.

Kritik an Irak-Politik der USA

Einen Vorgeschmack auf seine unbequeme Art lieferte er kurz nach seiner Nominierung. So fand er deutliche Worte für die Irak-Politik der Vereinigten Staaten. Den Amerikanern hielt er unverblümt vor, kein Konzept für die Zeit nach dem Irak-Krieg zu haben. Auch bekundete Köhler öffentlich seine Sympathie für Angela Merkel und sprach sich für die CDU-Chefin als "hoffentlich" nächste Bundeskanzlerin aus.

Respekt zollte er der Agenda 2010, die er allerdings für nicht ausreichend hält. Bundeskanzler Gerhard Schröder gab er mit auf den Weg, es hapere an der Umsetzung. Die Empörung der Gewerkschaften zog der Kandidat auf sich, als er längere Arbeitszeiten für notwendig erklärte.

Susann Kreutzmann/AP AP DPA

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