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Kinderarmut: Von der Leyen will Kindergeld reformieren

Traurige Nachricht: Mehr als jedes sechste Kind in Deutschland lebt in Armut, heißt es in einem Bericht für das Bundesfamilienministerium. Um ihnen zu helfen, will Ressortchefin Ursula von der Leyen das Kindergeld reformieren.

Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat davor gewarnt, die Armut von Kindern in Deutschland zu unterschätzen. Von der Leyen bezog sich auf einen 60-seitigen Bericht, den das Kinderhilfswerk Unicef erarbeitet hat.

Der Studie zufolge sind Alleinerziehender weit überdurchschnittlich von Armut bedroht. Bis zu 40 Prozent der Ein-Eltern-Familien leben demnach in relativer Armut. In dem Bericht des Kinderhilfwerks zur "Lage der Kinder in Deutschland" heißt es, trotz erheblicher Geldaufwendung erreiche Deutschland bei der Absicherung der Kinder nur Mittelmaß. Die Experten kommen zu dem Ergebnis, dass mehr als jedes sechste Kind in Deutschland in Armut lebt. Gleiches gelte für 30 Prozent der Migrantenkinder sowie fast zwei Drittel der Kinder von Hartz-IV-Empfängern.

Von der Leyen will Kindergeld reformieren

Ministerin von der Leyen kündigte an, dass nach Vorliegen des Existenzminimumberichts im Herbst neue Kindergeldentscheidungen anstünden: "Tatsache ist, dass das Kindergeld für das erste und zweite Kind seit 2001 nicht erhöht worden ist. Aber für das dritte Kind ist es seit 1995 nicht mehr erhöht worden. Man hat völlig das dritte Kind in diesem Land vergessen und damit auch die folgenden Kinder."

Dadurch präge sich ein Bild, dass Kinderreichtum Hand in Hand gehe mit Abrutschen in finanziell prekäre Situationen. Dies sei ihrer Einschätzung nach "grundsätzlich falsch". Nicht Kinder machten arm, sondern Kinder lebten in Armut, "wenn die Eltern keine Arbeit haben und wenn die gezielten finanziellen Hilfen des Staates nicht wirkungsvoll genug sind".

Unicef stellte in seinem Bericht auch fest, dass chronische Krankheiten, Übergewicht und Verhaltensauffälligkeiten insbesondere bei benachteiligten Kindern stark zugenommen hätten.

Kindergeld leistet großen Beitrag zur Armutsbekämpfung

Die Kluft zwischen den Kindern, die gesund, abgesichert und gefördert aufwachsen und solchen, deren Alltag durch Hoffnungslosigkeit, Mangel und Ausgrenzung geprägt ist, reiße immer weiter auf und habe weitreichende Folgen für das ganze Leben. Kindergeld leistet nach Expertenaussagen den größten Beitrag zur Armutsbekämpfung: Gäbe es kein Kindergeld, würden demnach zusätzlich etwa 1,7 Millionen Kinder unter die Armutsgrenze rutschen.

Im nationalen Armutsbericht, dessen Entwurf Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) vor einer Woche vorgestellt hatte, war die Kinderarmut niedriger eingeschätzt worden: Danach ist nur etwa jedes achte Kind in Deutschland von Armut bedroht, während es in dem von der Familienministerin vorgestellten UNICEF-Bericht jedes sechste ist. Von der Leyen sagte, die zu Grunde liegenden Daten seien unterschiedlich gewesen, in der Sache gebe es aber keinen Widerspruch.

DPA/DPA
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