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Liberalen-Dreikönigstreffen: "Westerwelles Rede wird völlig überschätzt"

Kürzlich bezeichnete er Guido Westerwelle als "Klotz am Bein", nun legt er nach: Vor dem mit Spannung erwarteten Dreikönigstreffen seiner Partei sagt der Pfälzer FDP-Spitzenkandidat Herbert Mertin im stern.de-Interview, warum die Entertainment-Politik des Außenministers nicht hilft.

Von David Bedürftig

Herr Mertin, aus FDP-Kreisen ist zu hören, Sie hätten Guido Westerwelle doch für Ihren Landtags-Wahlkampf eingeladen.
Darüber ist mir nichts bekannt. Selbstverständlich ist es möglich, dass Kreisverbände Herr Westerwelle auf Eigeninitiative einladen. Wenn die Verbände dazu auch mich einladen, dann erscheine ich natürlich auch. Der Landesverband ist noch in der Planung und hat dazu noch keine Beschlüsse gefasst.

Wie schätzen Sie Ihre Chancen höher ein, in den Landtag einzuziehen - mit oder ohne Westerwelle an Ihrer Seite?
Herr Westerwelle ist Parteivorsitzender und er wird es bleiben, aber er macht keine Landespolitik. Natürlich färbt die negative Stimmung, die aus dem Bund kommt, auf die Landespolitik ab. Das will ich so weit irgend möglich vermeiden. Ich hoffe nicht auf prallen Rückenwind aus Berlin, ich möchte nur von unnötigen Querschlägern, wie der Büroleiter-Affäre oder "Spätrömischer Dekadenz"-Parolen, in Zukunft verschont werden.

Wie muss sich die FDP künftig positionieren, damit es wieder bergauf geht?
Inhaltlich müssen wir uns nicht neu erfinden. Unser Programm muss sich aber stärker in der Regierungsarbeit wiederfinden, und die Erfolge der FDP müssen für die Bürger auch wahrnehmbar sein. Das war etwa bei den steuerlichen Entlastungen zu Beginn des vergangenen Jahres oder bei der Aussetzung der Wehrpflicht nicht der Fall. Die Bürger müssen das Vertrauen in die FDP zurückgewinnen.

Wie soll das geschehen?
Es bedarf konsequenter Arbeit von allen, die Verantwortung tragen. Generalsekretär Christian Lindner sollte die Stimmungslage im Land ernster nehmen. Westerwelle hat über die Jahre sein PR-Talent immer wieder bewiesen. Er ist halt wie er ist. Entertainment ist jedoch kein Selbstzweck, sondern sollte dazu dienen, die liberalen Inhalte und die Erfolge der FDP zu transportieren. Dies ist erkennbar seit der Bundestagswahl nicht mehr gelungen.

Herr Mertin, es heißt, am Donnerstag hält Guido Westerwelle seine wichtigste Rede seit Jahren, selbst die Zukunft der FDP hänge von ihr ab. Was erwarten Sie von der Dreikönigs-Ansprache?
Diese Rede wird völlig überschätzt. Die Parole "eine Rede und alles wird wieder gut" ist mehr als optimistisch. Ich erwarte dennoch ein klares Signal für den Neuanfang. Der kann auch von Guido Westerwelle an der Spitze gestaltet werden, er muss aber deutlich machen, wie er das tun will. Wir müssen den Leuten klar machen, dass wir jetzt wieder in die Offensive gehen. Es geht darum, dass wir und unsere Politik auf lange Sicht wieder positiv von den Menschen wahrgenommen werden. Das kann nicht alleine nur mit einer guten Rede gelingen, sondern muss sich im Alltag Tag für Tag beweisen.