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Nachfolge von Bundespräsident Köhler: Von der Leyen? Yes, she can!

Kann sie's? Ist sie nicht zu jung? Mitnichten. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen ist die beste Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten. Sie ist sicher cooler als Horst Köhler - und könnte dennoch einen Aufbruch verkörpern.

"Zensursula' als Bundespräsidentin, als oberste Vertreterin des Staates? Seid ihr wahnsinnig? ", werden die Netzpolitiker im Internet zetern. "Noch eine Frau, jetzt auch noch in Bellevue!", werden die alten Herrenriegen schimpfen. "Wir brauchen keine zweite Mutti! Reicht Euch nicht die eine?"

Nein. Die eine reicht nicht: Ursula von der Leyen, 51, vormals Familien-, jetzt Arbeitsministerin, wäre eine gute, die beste Köhler-Nachfolgerin im Amt des Bundespräsidenten. Denn von der Leyen ist erfahren und politisch genug, um nicht den Köhler zu machen. Sie wäre kein zweites Experiment mit einem Seiteneinsteiger im Labor Bellevue, sondern wäre als kritikgegerbte Politikerin mit reichlich ministerieller Erfahrung berechenbar. Gerade in der Vielfachkrise, in der sich das Land befindet, ist diese Stabilität wichtig. Gleichzeitig ist von der Leyen, die siebenfache Mutter, aber auch frisch genug, um noch so etwas wie Aufbruch zu verkörpern. Sie hat die Energie und die Leidenschaft, um glaubwürdig Anstöße für einen Ruck im herzogschen Sinne zu geben. Für gesellschaftliche Konflikte aus der Lebenswirklichkeit der Bürger hat sie ein besseres Gespür als sämtliche Herren der Kandidatenriege. Klar ist vieles Image, klar ist vieles Polit-PR. Aber im Kern macht von der Leyen eine moderne Politik, sie steht für eine gesellschaftliche Debatte über die Zukunft, steht sogar für einen Schuss Glamour, wenn auch einen biederen. Das unterscheidet sie maßgeblich von Wolfgang Schäuble, dessen Eignung und Kompetenz zwar niemand bezweifeln kann, dessen Welt aber kulturell immer noch nach der Ära Kohl riecht, nach dem Gestern.

Taktische Argumente sprechen für von der Leyen

Freilich, auch von der Leyen hat Schwächen. Als Familienministerin hat sie in der Debatte über Internetsperren populistischen Aktionismus betrieben, in Teilen ignorant. Ähnlich schwach präsentierte sie sich beim Streit um die Förderung von Programmen gegen Rechtsextremismus. Und in diesem Februar wurde sie, da schon als Arbeitsministerin, von Roland Koch regelrecht platt gemacht, als es um die von ihr ausgeschlossene Grundgesetzänderung zur Beibehaltung der gemeinsamen Jobcenter von Arbeitsagenturen und Kommunen ging, die am Ende doch beschlossen wurde.

Zudem mag man ihr vorhalten, dass sie politisch ein Ziehkind von Angela "Mutti" Merkel ist. Die weichgespülte christsozialdemokratische Haltung, die sie zur Konsenskandidatin macht, kann gleichzeitig als Profillosigkeit gedeutet werden - wie bei Merkel. Es darf also zumindest bezweifelt werden, dass sie den Mumm hat, als mahnender Widerpart der Kanzlerin aufzutreten, als kritische Beobachterin des politischen Tagesgeschäfts. Offen ist auch, ob von der Leyen nicht eigentlich ein viel zu junges politisches Talent ist, ein viel zu großes Pfund für die Union, um jetzt schon aufs Altenteil ins Präsidialamt geschickt zu werden.

Aus Merkels Sicht dürften auch taktische Argumente für von der Leyen sprechen. Insofern verwundert es nicht, dass Nachrichtenagenturen sie schon jetzt als Merkels Favoritin handeln. Wird sie Bundespräsidentin, kann Jürgen "Robin" Rüttgers, der gestolperte Arbeiterführer von Rhein und Ruhr, Arbeitsminister in Berlin werden, das wäre ein gesichtswahrender Abgang aus Düsseldorf. Dort könnten die Parteifreunde dann entspannter auf große Koalition machen. Aus diesem Grund dürften Rüttgers Hintersassen von der Leyens Kandidatur auch befeuern.

Daran, dass Ursula von der Leyen die beste Wahl für das Amt des Bundespräsidenten wäre, ändert aber selbst das nichts.

Sie sind völlig anderer Meinung? Unser Redakteur Hans-Peter Schütz auch. Hier können Sie seine Meinung nachlesen.

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