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Ostermärsche: "Krieg ist Scheiße"

Zehntausende Menschen haben während der Ostertage gegen einen drohenden Krieg im Iran demonstriert. Nach offiziellen Angaben fanden etwa 80 Veranstaltungen statt, eine leichte Zunahme im Vergleich zum Vorjahr.

Zum Abschluss der traditionellen Ostermärsche der Friedensbewegung gingen heute mehrere tausend Demonstranten auf die Straße. Allein in Frankfurt und Hamburg verzeichneten die Kundgebungen nach Angaben der Veranstalter zusammen etwa 3.500 Teilnehmer. Bei der größten Veranstaltung demonstrierten am Sonntag in Nordbrandenburg bis zu 12.000 Menschen für eine zivile Nutzung des Bombenabwurfplatzes in der Wittstocker Heide. Im Mittelpunkt von bundesweit mehreren Dutzend Veranstaltungen über Ostern stand die Forderung nach einer politischen Lösung im Streit über das iranische Atomprogramm. Weiteres großes Thema war der Sozialabbau. Nach Angaben des Ostermarschbüros in Frankfurt fanden etwa 80 Veranstaltungen statt. Die Beteiligung habe im Vergleich zum vorigen Jahr leicht zugenommen.

Den größten Zulauf hatte eine Kundgebung für die zivile Nutzung des Bombenabwurfplatzes bei Fretzdorf in Brandenburg. Die Bundeswehr will das so genannte Bombodrom, das zu DDR-Zeiten von der sowjetischen Armee genutzt wurde, als Übungsgelände nutzen. Dagegen richten sich seit Jahren Proteste.

Erwartungen zumeist weit übertroffen

An einem Demonstrationszug in Berlin vom Brandenburger Tor zum Anhalter Bahnhof beteiligten sich am Montag anfangs nach Polizeiangaben etwa 650 Menschen. Das Netzwerk Friedenskooperative in Bonn zog eine positive Bilanz der Ostermärsche. Die Beteiligung habe die Erwartungen der Veranstalter zumeist weit übertroffen. Zudem hätten sich neben vielen langjährigen Friedensaktivisten auch viele junge Menschen an den Kundgebungen beteiligt.

Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul plädierte für eine weltweite atomare Abrüstung. "So lange Atomwaffenstaaten immer noch ganz selbstverständlich Nuklearwaffen lagern, sogar neu entwickeln, werden aufstrebende Staaten immer wieder Überlegungen anstellen, welche Nuklearpolitik ihre Verhandlungsmacht stärkt", erklärte die SPD-Politikerin. Im Atomstreit mit dem Iran sei es das Ziel der internationalen Gemeinschaft, den islamischen Staat an der Entwicklung von Atomwaffen zu hindern. Dabei müsse jedoch jegliche militärische Option ausgeschlossen werden.

Bei den Ostermärschen in den 80-er Jahren hatten sich Hunderttausende an den Demonstrationen gegen die Nachrüstung der Nato beteiligt. Mit dem Ende des Kalten Krieges ließ das Interesse an den Kundgebungen jedoch nach.

Reuters / Reuters