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TERRORISMUS: Porträt: Top-Manager mit politischer Erfahrung

Detlev Karsten Rohwedder war einer der wenigen Spitzenmanager der deutschen Industrie, der sich auf dem glatten Parkett der Politik bestens auskannte.

Detlev Karsten Rohwedder war einer der wenigen Spitzenmanager der deutschen Industrie, der sich auf dem glatten Parkett der Politik bestens auskannte. Jurist, Staatssekretär, erfolgreicher Unternehmenssanierer und schließlich Chef der einstigen Berliner Treuhandanstalt - diese Stationen hatten dem am 16. Oktober 1932 als Sohn eines Buchhändlers in Gotha (Thüringen) geborenen Manager den Ruf eingebracht, ausgesprochen flexibel zu sein.

Nach dem Abitur 1953 in Rüsselsheim studierte Rohwedder Rechts- und Wirtschaftswissenschaften in Mainz und Hamburg. Der Jurist arbeitete nach seiner Promotion 1961 als Rechtsanwalt und Steuerberater in Düsseldorf. 1969 folgte er dem Ruf des damaligen Wirtschaftsministers Karl Schiller als beamteter Staatssekretär nach Bonn. Mittlerweile in die SPD eingetreten, blieb er auch unter Hans Friderichs und Otto Graf Lambsdorff (beide FDP) bis Ende 1978 auf diesem Posten.

Als Rohwedder 1979 den Job als stellvertretender Vorsitzender bei der Hoesch AG (Dortmund) antrat, waren seine Erfahrungen in der Industrie gering. Nur ein Jahr später zum Vorstandschef bestellt, führte er den schwer angeschlagenen Hoesch-Konzern aus der Krise und verpasste dem Traditionsunternehmen ein modernes Konzept.

Am 4. Juli 1990 stieg er auf Vorschlag des damaligen DDR-Ministerpräsidenten Lothar de Maiziere (CDU) als Verwaltungsratsvorsitzender in die Treuhandanstalt ein. Damit hatte er den wohl schwierigsten Job angenommen, der in der Wirtschaft zu vergeben war: die Sanierung der maroden ostdeutschen Wirtschaft und die Lösung der Eigentumsverhältnisse an Grund und Boden.