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Und jetzt ... Django Asül Schäuble, der letzte Konservative der CDU


Wolfgang Schäuble ist der beliebteste Politiker. Ihm trauen die Deutschen am ehesten zu, die drei großen Feinde der deutschen Zukunft zu bekämpfen: Merkel, Effizienz und die Ratingagenturen.
Eine satirische Abrechnung von Django Asül

Eigentlich ist es ein logischer Dreisatz: Wenn Obercharismatiker wie Steinmeier und Harmoniebolzen wie Steinbrück beliebter sind als Merkel und gleichzeitig Schäuble der allerbeliebteste Politiker ist, müsste Merkel ihre Gedankenspiele zur Kandidatur 2013 aufgeben. Demoskopisch ist die Sache mehr oder weniger gelaufen. Obwohl Merkel seit Jahren der Demoskopie hinterherläuft. Politik und Realität müssen sich also nicht automatisch magisch anziehen. Das sorgt im Volk wiederum für eine angemessene Verstimmung und/oder Verunsicherung. Was wiederum die Tendenz zu Schäuble greifbar und begreifbar macht. Und irgendwie auch eine Art historische Gerechtigkeit darstellt. War doch Schäuble schon 1998 mental zum Kanzlertum bereit, hätte Kohl seinerzeit nicht auf seinen untrüglichen Instinkt gesetzt und seine Chance zur finalen Erosion genutzt.

Manch ein Unionist hatte damals schon ein ungutes Gefühl im Saumagen und fühlte sich nach dem Debakel bestätigt. Es hätte auch alles ganz anders laufen können für Schäuble. Mit ihm als Kanzlerkandidaten wäre die Wahl sehr wahrscheinlich auch in den Sand gesetzt worden. Aber die Wahrscheinlichkeit sinkt umso schneller, je weiter 1998 zurückliegt.

Die drei Feinde der deutschen Zukunft

Dieses Paradoxon ist die einzig vernünftige Erklärung für die große Wählerempathie für Schäuble. Wenn man x andere Gründe ignorieren würde. Aber der deutsche Wähler ist nun mal umsichtig und will von der Politik keine paralysierte Zappelphilipperei à la Merkel, sondern Verlässlichkeit. Genau dafür steht Schäuble. Deshalb traut Gesamtdeutschland es ihm am ehesten zu, den Kampf gegen die drei großen Feinde der deutschen Zukunft erfolgreich zu gestalten: Merkel, Effizienz und die Ratingagenturen.

Schäubles Liste an Alleinstellungsmerkmalen wird langsam unheimlich. Er ist der einzige Finanzminister Europas, der eine perverse Neuverschuldung als Erfolg verkaufen kann, weil andere Länder noch mehr schlampen. Und er ist der letzte Konservative in der CDU, weil er seinen Prinzipien treu bleibt und damit ein bisschen von der christsozialen Prinzipienlosigkeit von Schröder bis Merkel souverän ablenkt. Somit gibt er natürlich auch den Haltlosen in seiner Partei Halt. Gibt ja genug CDUler, denen vor jeder kanzlerischen Äußerung graust.

Der neueste Vorstoß von Merkel beispielsweise sorgt zwar für angenehmes Kopfschütteln im Volk, kann aber einen Schäuble nicht erschüttern. Steuersenkungen kündigt die Kanzlerin an und lässt aber Details und den Zeitpunkt lieber mal außen vor. Ihr Finanzminister könnte jetzt zu recht aufschreien und jegliche Steuersenkungsphantasien lauthals beerdigen. Aber Schäuble kann es sich locker verkneifen, die Chefin zu düpieren, weil er seine Stärken kennt. Und er weiß, dass er Merkel nie und nimmer so beschädigen könnte, wie sie es selbst vermag. Und so reicht es Schäuble völlig, wenn er für sich alleine weiß, dass Steuersenkungen bis in alle Ewigkeit ein Frevel sind. Denn er ist sich sicher: Der Staat sind alle Deutschen. Und wenn es allen Deutschen gut gehen soll, darf der Staat auf keinen Fall auf irgendwelche Einnahmen verzichten.

Der Staat muss dem Bürger das Denken abnehmen

Schäuble kann deshalb auch mit Reformen nichts anfangen. Reformen würden einen schlanken Staat bedeuten. Und damit auch einen effizienteren Staat. Ein mächtiger Staat sieht in Schäubles Denkschema wahrlich anders aus. Ein mächtiger Staat muss aber sein, weil immer mehr Menschen offenkundig nicht in der Lage sind, emotionell und materiell für sich zu sorgen. Also braucht es einen überbordenden Staat, der dem Bürger das Denken, Handeln und vor allem das Geldausgeben abnimmt. Ein innovativer Geist wie Professor Kirchhof ist für Schäuble darum auch kein Steuerfachmann, sondern bestenfalls ein Steuersenkungsamokläufer mit leichtem Hang zur Staatsschänderei. Mit der FDP will sich Schäuble erst gar nicht abgeben, weil er den Liberalen jeglichen moralischen wie fiskalischen Kompass abspricht.

Damit verkörpert er das Idealbild des Politikers tief drinnen im Herzen der Deutschen: Ein Homo politicus soll sich auf das Wesentliche konzentrieren und jeglichen Mumpitz ignorieren. Wenn Schäuble nun irgendetwas entdeckt, was die Stabilität gefährden könnte, wird er ekelhaft und kampflustig. Daraus speist sich auch seine Energie im Kampf gegen den neuen Feind der Stabilität. Damit meint Schäuble nicht seine Amtskollegen in den europäischen Peripheriestaaten, sondern die Ratingagenturen. Diese neunmalklugen und selbstherrlichen Pseudoanalysten sind es, die Europa in den Untergang treiben. Was EHEC-Viren im Gemüse, sind Ratingagenturen in der Finanzwelt. Sie sind es, die mit ihren unbedachten Äußerungen massiven Schaden anrichten.

Das Wohl ist wichtiger als die Wahrheit

Das Schäuble'sche Europaprinzip wäre so einfach: Solange alle die Klappe halten, kann sich jeder gerne übernehmen, weil sich irgendwann immer irgendwer finden lässt, der jeden Staat rettet. Denn Staaten sind per se immer rettenswert. Weil ja laut Schäuble der Staat auch für das Heil zuständig ist. Das Wohl Europas ist selbstverständlich wichtiger als die Wahrheit über Europa. Letzten Endes geht es ja um ein schönes Miteinander. Und dafür braucht man nun wirklich keine Ratingagenturen, die ungefragt mit der Wahrheit rausrücken. Im fiskalischen Bereich ist es nicht anders als in der Familie: Selbst wenn man weiß, dass der Cousin unfähig ist und eine schiefe Nase hat, muss man es ihm nicht unbedingt auf ebendiese binden. Darum tut Deutschland gut daran, sein Vertrauen in Schäuble exponentiell hochzufahren. Die Geschichte hat nämlich eindrucksvoll bewiesen: Egal wer oder was unter-, über- oder vor die Hunde geht: Ein Schäuble überlebt alle und alles. Und der Bürger weiß: Wo Schäuble draufsteht, ist auch etwas drin. Und wo Merkel drin ist, kommt selten etwas raus.

Mit jeder Pleite der Demoskopin Merkel gewinnt der Staatoskop Schäuble. Er ist der lebende Beweis, dass Zukunft auch in der Gegenwart beruhigend sein kann.


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