Podcast "Die Lage – International" Eine Atombombe für Deutschland? "Technisch ist das relativ banal"

Hat US-Präsident Donald Trump das transatlantische Verhältnis irreparabel beschädigt?
Hat US-Präsident Donald Trump das transatlantische Verhältnis irreparabel beschädigt?
© Evan Vucci / DPA
Trump scheint im Grönland-Streit einzulenken. Doch das Vertrauen in die USA ist erschüttert. Könnte eine deutsche Atom-Bombe helfen, Europa sicherer zu machen?

Bei seinem Besuch des Weltwirtschaftsforums im schweizerischen Davos hat US-Präsident Donald Trump ein Einlenken im Streit um Grönland angedeutet. Nach Ansicht von Sicherheitsexperte Christian Mölling wird die Achterbahnfahrt im Verhältnis zur Trump-Regierung für Europa trotzdem weitergehen. "Nach außen versuchen Europas Regierungen zwar immer noch zu signalisieren, sie hätten das im Griff", so Mölling, Senior Advisor beim Brüsseler Think Tank "European Policy Center" in der neuesten Ausgabe des stern-Podcasts "Die Lage – International". "Aber die Zuversicht ist unbegründet. Die Europäer können Donald Trump nicht kontrollieren. Sie wissen auch nicht, wie viel Einfluss sie auf diese Entscheidung von Donald Trump gehabt haben."

Nach Möllings Ansicht steht Europa angesichts der Frage, wie es mit der Trump-Regierung umgeht, vor einer Zerreißprobe. Es gebe einerseits Stimmen, die weitreichende Konsequenzen forderten, etwa, US-Militärbasen in Europa zur Disposition zu stellen. Andere, wie Ungarn, seien aber seien der Ansicht, im Fahrwasser der Großmächte besser aufgehoben zu sein. "Die Frage wird sein, inwieweit Mittelmächte wie Deutschland in der Lage sein werden, solchen Abweichlern Grenzen aufzuzeigen," sagt Mölling.

Bau einer Atombombe: "Deutschland hat die Fähigkeiten"

Angesichts der Erschütterungen im transatlantischen Verhältnis erwartet Mölling eine neue Diskussion über die Frage, ob Deutschland eigene Atomwaffen anschaffen sollte. Technisch wäre Deutschland nach Möllings Ansicht in der Lage, binnen weniger Jahre eine Nuklearwaffe samt Trägersystemen zu bauen. "Wir haben sowohl die Ingenieursfähigkeiten, als auch die Möglichkeit, Uran oder Plutonium anzureichern", so Mölling. "Technisch ist das relativ banal."

Trotzdem mahnt der Sicherheitsexperte: "Wenn es um den Nuklearbereich geht, geht man am Besten ganz vorsichtig und ganz langsam vor." Zentral sei einerseits die bisher völlig ungeklärte Frage, ob eine deutsche Atombombe nur der Abschreckung oder auch der eigenen Macht-Projektion dienen solle. Andererseits sei die Kommunikation der eigenen Absichten nach außen entscheidend – "und zwar nicht nur Russland gegenüber". Auch Nachbarländer wie Polen oder Frankreich würde eine deutsche Atombombe vor schwierige Fragen stellen, etwa: "Was passiert damit eigentlich, wenn die AfD an die Macht kommt?"

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