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Schlag 12 - der Mittagskommentar aus Berlin: Weg mit den Frauenparkplätzen!

Moderne Großgaragen sind hell, übersichtlich und keine Gefahr für Leib und Leben. Auf Stellplätze für weibliche Autofahrer kann zumindest dort also verzichtet werden. Oder?

Von Werner Mathes

Heute brauchen wir keine Frauenstellplätze mehr. Vor allem nicht in den modernen, übersichtlichen und ausgeleuchteten Parkhäusern unserer Einkaufszentren, findet unser Autor

Heute brauchen wir keine Frauenstellplätze mehr. Vor allem nicht in den modernen, übersichtlichen und ausgeleuchteten Parkhäusern unserer Einkaufszentren, findet unser Autor

Hat wohl jeder Mann schon mal gemacht, wenn beim Wochenendeinkauf im Parkhaus Auto neben Auto steht: auf einem freien Stellplatz für Frauen parken. Ich hab's erst am Samstag wieder getan, auf dem unbedachten Oberdeck eines Berliner Kaufhauses. Ich stieg gerade aus, als eine mittelalte Dame auf den Hinweis über mir deutete. "Hier dürfen Sie nicht parken, der ist nur für Frauen." Weil ich ihr nicht lang und breit erklären wollte, dass am helllichten Tag auf einer überschaubaren Fläche ohne Dach kein Mensch Angst vor sexuellen Nachstellungen irgendwelcher Dunkelmänner haben müsse, schwindelte ich, dass das Auto nachher von meiner Frau abgeholt würde - und die sei hier schon einmal übelst belästigt worden.

Frauenparkplätze sind in den 90er Jahren vor allem in Tiefgaragen eingerichtet worden, um das Sicherheitsgefühl von Frauen zu erhöhen. Die Garagenverordnungen einiger Bundesländer schreiben vor, dass diese markierten Stellplätze in der Nähe von Zufahrten oder Eingängen liegen sollen, durch den Garagenwart oder Videoüberwachung einsehbar und mit Alarmmeldern in der Nähe ausgerüstet sein müssen. Die brandenburgische Verordnung verlangt zum Beispiel, dass Großgaragen einen Frauenplatz-Anteil von 30 Prozent haben müssen, in Baden-Württemberg sind's dagegen nur mindestens zehn Prozent. Dass sie breiter sind als normale Buchten, stimmt nicht, breiter sind nur Behinderten- und Eltern-Kind-Plätze, auf denen der Rollstuhl oder der Kinderwagen ausgeladen werden muss, ohne Blechschäden zu verursachen.

Schweizer Städte machen's vor

Heute brauchen wir keine Frauenstellplätze mehr. Vor allem nicht in den modernen, übersichtlichen und ausgeleuchteten Parkhäusern unserer Einkaufszentren. In einigen Schweizer Städten wie Zürich oder Luzern sind sie vor Jahren schon abgeschafft worden, weil die Parkdecks insgesamt heller seien und besser überwacht würden als früher; eine Unterscheidung mache deshalb keinen Sinn mehr. Ausnahmen sollten natürlich noch möglich sein. In nur schummrig beleuchteten Katakomben, die es leider immer noch gibt, wird man(n) einen ausgewiesenen Frauenparkplatz mit Sicherheit respektieren - auch wenn sich Kriminologen einig sind, dass es eher selten die typischen Angst-Orte sind, an denen Frauen gewaltsame Übergriffe erleben.

In den modernen Großgaragen regt sich fast niemand mehr auf, wenn Frauenstellplätze von Männern beparkt werden. Was soll auch schon passieren? Zwar kann sich ein privater Garagen-Betreiber auf sein Hausrecht berufen, aber sanktionieren kann er männliches "Falschparken" kaum - dazu müsste er den Nachweis erbringen, dass ein Auto hinterher auch tatsächlich wieder von einem Kerl und nicht von dessen Frau hinausgefahren wird. Vollends absurd wird es, wenn an der Einfahrt das Schild "Hier gilt die StVO" hängt. Für die Straßenverkehrsordnung ist die Ausweisung eines Frauenparkplatzes nämlich nichtig - das heißt, dass dieses Bundesrecht die lokale Garagenverordnung außer Kraft setzt. Die Straßenverkehrsordnung gilt grundsätzlich überall dort, wo öffentlicher Verkehr stattfindet, also auch in öffentlich genutzten Parkhäusern.

Zwei Männerparkplätze in ganz Deutschland

Eine Bemerkung noch zum Schluss: Es gibt natürlich auch entsprechend gekennzeichnete Männerparkplätze in Deutschland, genau genommen aber nur zwei, und zwar in einem kommunalen Parkhaus in Triberg im Schwarzwald. Warum? Weil es wohl einiges Geschick braucht, um in die beiden Buchten zu rangieren - nämlich nur seit- oder rückwärts. Das ist genauso diskriminierend wie ein Frauenparkplatz in einer hell erleuchteten und übersichtlichen Großgarage. Also: Weg damit!

Werner Mathes, Reporter im Berliner stern-Büro, hält sich gern an Spielregeln - wenn sie vernünftig und sinnvoll sind. Wenn nicht, parkt er auch mal auf einem Frauenstellplatz. Oder auf Twitter unter @wernermathes

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