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Werdegang: Engagement zahlt sich aus

Der Mythos des kritischen, schreibtalentierten Schülerzeitungsmachers, der es später einmal bis zum SPIEGEL schafft, hält sich trotz der Medienkrise.

Von Dominik Frohnert

Was hat junge Leute vor 20 oder 30 Jahren bewegt Schülerzeitungen zu machen und sich (meistens) kritisch mit seiner Schule auseinanderzusetzen? Wir haben Persönlichkeiten aus Politik, Medien und Gesellschaft befragt und interessante Antworten bekommen, was ihre Schülerzeitungszeit genützt hat.

Dr. Hans-Peter Bartels, MdB:

Als ich Ende der 70er Jahre in Kiel an meiner Schule mit ein paar Gleichgesonnenen aus dem 10., 11. und 12. Jahrgang eine Schülerzeitung gründete, gab es dort schon ein ziemlich unregelmäßig erscheinendes, von uns als Konkurrenz angesehenes Blatt, das sich sehr links und sehr kritisch gab. Wir versuchten es mit links und kritisch. Erscheinen: monatlich. Preis: 20 Pfennige. Nach einem Jahr machten wir eine Stadtschülerzeitung daraus. Unser Drucker willigte ein, auch der "Verleger" zu sein und sich um die nötigen Anzeigen zu kümmern (weil diese Zeitung nun kostenlos verteilt werden sollte). Das mit den Werbeeinnahmen erwies sich dann aber als zu ambitioniert. Der Drucker-Verleger machte kräftige Verluste und nach ein paar Ausgaben war die Stadtschülerzeitung am Ende. Aus beiden Zeitungsprojekten ergaben sich aber ein paar sehr wertvolle und dauerhafte Freundschaften. Einer der Redakteure ist heute ZDF-Korrespondent in Washington, ein anderer Forschungsingenieur bei DaimlerChrysler, ein dritter Chef des Job-Centers in Kiel.

Gelernt Verantwortung zu übernehmen

Was wir alle bei diesem frühen Zeitungsengagement gelernt haben, ist eine Sache zu planen und durchzuhalten, Verantwortung zu übernehmen, uns "inhaltlich" (um nicht zu sagen: politisch) mit einer Meinung festzulegen, sie selbstbewusst zur Diskussion zu stellen. Kritik auszuhalten, aus Fehlern zu lernen. Und es hat sehr viel Spaß gemacht. Damals, um 1978, wurden Schülerzeitungen noch mit der Schreibmaschine getippt, die Seiten mit Schere und Prittstift gelayoutet.

Ich bin dann kurz vorm Abitur auf einer turbulenten Mitgliederversammlung zum Vorsitzenden der Jungen Presse Schleswig-Holstein gewählt worden, dem Dachverband der Schüler- und Jugendzeitungen. Der Posten war heiß umkämpft, es gab vier Kandidaten von unterschiedlicher politischer Radikalität und drei Wahlgänge.

Neben dem Politikwissenschaftsstudium habe ich später frei für eine der damals aufkommenden alternativen Wochenzeitungen, die Kieler Rundschau, gearbeitet, in den letzten Monaten vor ihrem finalen (vierten) Konkurs auch als Festangestellter Redakteur. Beim Journalismus bin ich schließlich nicht geblieben, sondern nach der Promotion in Björn Engholms Kieler Staatskanzlei angeheuert worden. Zehn Jahre später, 1998, wurde ich für den Wahlkreis Kiel in den Deutschen Bundestag gewählt, 2002 und 2005 wieder. Dort gebe ich mit ein paar sozialdemokratischen Kollegen eine politische Zweimonatszeitschrift heraus, die Berliner Republik.

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