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Podcast "heute wichtig" Plastikmüll im Meer: "Wir können die Entwicklungsländer nicht alleine lassen"

Plastikmüll heute wichtig
Was tun gegen die Umweltpest Plastikmüll?
© Fabio Filzi / Getty Images
Immer wieder behaupten Start-Ups, die Lösung gefunden zu haben, um Plastikmüll aus dem Meer herauszufischen. Nur – das ist eigentlich gar nicht möglich, sagt Jens Hamprecht, der Mitgründer der indonesischen "No-Trash-Triangle"-Initiative.

Während die Regierungschef:innen der 20 führenden Industrienationen auf Bali über die Krisen der Welt debattierten, waren sie umgeben von traumhaften Stränden – an denen sich Tonnen von Plastikflaschen, Bechern und Verpackungen türmen. Indonesien gilt als zweitgrößter Verursacher der Plastikkrise in den Weltmeeren. "Wir haben circa acht Millionen Tonnen Kunststoffabfälle pro Jahr, die ins Meer gelangen und die bekannte Prognose, dass es mehr Kunststoffabfälle als Fische geben wird im Jahr 2050", sagt Jens Hamprecht in der 406. Folge "heute wichtig". 

200 Tonnen Müll pro Jahr

Es war ein Artikel im stern, der Jens Hamprecht zu seinem Engagement für die Weltmeere gebracht hat. Dort stieß er auf ein Projekt, das sich zum Ziel gesetzt hatte, Plastik in Indonesien zu sammeln und zu recyclen. Als er sich entschied, das Konzept des deutschen Ingenieurs Dirk Lindenau zu unterstützen, musste Jens Hamprecht feststellen: "Es blieb nur wenig Zeit, denn wenige Wochen nach unserem ersten Treffen stellte sich heraus, dass er schwer an Krebs erkrankt war." Dirk Lindenau starb an seiner Erkrankung und Jens Hamprecht führte danach das Projekt fort. Heute sammelt die "No-Trash-Triangle"-Initiative, bis zu 200 Tonnen jährlich aus dem Meer.

Was aber wirklich notwendig ist, ist ein Ausbau der Abfallinfrastruktur, sagt Hamprecht im Podcast. Die kritische Frage ist die Finanzierung: "Wir können die Entwicklungsländer hier nicht alleine lassen." Seiner Meinung nach braucht es ein Konzept wie den "Grünen Punkt" in Deutschland. Das heißt, dass die Hersteller der Produkte eine Abgabe zahlen, um die Abfallsammlung und das Recycling zu finanzieren. "Wir müssen die Recyclingquoten deutlich hochfahren", fordert er. Das gilt nicht nur für Länder wie Indonesien, auch in Deutschland brauche es einen Investitionsschub in diese Richtung: "Wir waren mal Vorreiter mit dem Konzept des Grünen Punktes, aber wir sind es heute nicht mehr."  

Plastikmüll einfach aus dem Meer fischen? 

Politisch helfen Investitionen in neue Technologien und Strafzölle auf Kunststoffabfälle, die nicht recycelt werden. Und trotzdem müsse man immer wieder die Frage stellen, wo Einwegkunststoffe wirklich gebraucht werden, sagt Hamprecht. Denn die wären das größte Problem und man müsse an der Quelle ansetzen. Das bereits im Meer schwimmende Plastik einfach wieder herauszufischen, was Start-Ups wie "The Ocean Cleanup" propagieren, hält Jens Hamprecht für einen Irrweg: "Schon rein physikalisch ist das nicht möglich. Nach spätestens drei Monaten sinkt der Großteil auf den Meeresboden ab." Eine Fluss-Barriere sei seiner Auffassung nach deutlich sinnvoller als das Sammeln im freien Ozean, das Sammeln in den Haushalten noch sinnvoller als die Fluss-Barriere: "Wenn in der Badewanne das Wasser überläuft, ist doch auch das Erste, was Sie machen, zur Quelle zu gehen." 

Michel Abdollahi
© TVNOW / Andreas Friese

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Klar, meinungsstark, auf die 12: "heute wichtig" ist nicht nur ein Nachrichten-Podcast. Wir setzen Themen und stoßen Debatten an – mit Haltung und auch mal unbequem. Dafür sprechen Host Michel Abdollahi und sein Team aus stern- und RTL-Reporter:innen mit den spannendsten Menschen aus Politik, Gesellschaft und Unterhaltung. Sie lassen alle Stimmen zu Wort kommen, die leisen und die lauten. Wer "heute wichtig" hört, startet informiert in den Tag und kann fundiert mitreden.

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