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Brasilien Wegen leerer Strände: Fast 100 vom Aussterben bedrohte Schildkrötenbabys geschlüpft

Verschmutzung des Meeres führt zu Schildkrötensterben
Tierärzte stellen fest, dass eine der Schildkröten sich in Lebensgefahr befindet. Schuld ist der viele Müll im Meer.
Im Wasser treibende Plastiktüten zum Beispiel sehen Quallen so ähnlich, dass Schildkröten sie fressen. So auch in diesem Fall: Der Verzehr von Plastikabfällen führte zu einer Infektion und Blockade der Atemwege. In einer einstündigen Operation entfernen die Ärzte den verhärteten Schleim aus der Nase. Anschließend gehen sie sicher, dass sie nichts übersehen haben.  Drei Monate lang wird die Schildkröte mit Antibiotika wieder hochgepäppelt. Dann wird sie, gemeinsam mit ihrem Artgenossen, wieder in die Freiheit entlassen. 
Ohne das Eingreifen der Meeresschützer wäre sie entweder qualvoll an der Infektion verendet oder verhungert, da sie aufgrund der verstopften Atemwege nicht mehr tauchen – und somit Nahrung suchen - konnte. Kein Einzelfall. Laut der "Mundo Marino Foundation" haben 97 Prozent der zu ihnen gebrachten Tiere Plastikmüll im Körper. 
Ungeheure Zahlen, die das Ausmaß der vom Menschen gemachten Meeresverschmutzung deutlich machen.
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Ein bisschen was Gutes müssen die Ausgangssperren weltweit doch haben: In Brasilien schlüpften nun 97 Jungtiere der vom Aussterben bedrohten Art der Echten Karettschildkröte.

Wenn die Meeresschildkrötenbabys geboren werden, stehen sie von Anfang an vor einer schwierigen Aufgabe. Da das Muttertier die Eier am Strand legt, müssen sie zunächst einmal den körnigen Weg ins Wasser zurücklegen und sind dabei nicht nur zahlreichen Vögeln, sondern auch unaufmerksamen Strandspaziergängern, deren Hunden und zahlreichen anderen Gefahren ausgesetzt.

Dadurch, dass auch in Brasilien derzeit umfangreiche Ausgangssperren gelten, wurden zumindest am Strand der Stadt Paulista ein paar dieser Gefahren ausgeräumt – zum Vorteil für die vom Aussterben bedrohte Art der Echten Karettschildkröten.

97 Schildkrötenbabys brachten den Weg über den Strand hinter sich

Laut Medienberichten verkündete das Rathaus von Paulista, dass am 22. März fast 100 Jungtiere weitestgehend ungestört den Weg vom Strand ins Wasser hinter sich bringen konnten. Seit dem 21. März gilt in der Großsstadt im Osten Brasiliens eine teilweise Ausgangssperre, die auch für die Strände der Stadt gilt.

Gegenüber der britischen Zeitung "The Guardian", sagte der Gouverneur des Bundesstaates Pernambuco, Paulo Câmara, die Maßnahmen seien unbedingt nötig, wenn man vermeiden wolle, dass die Krise ähnliche Ausmaße wie in Europa annehme: "Nur Isolation wird die Kurve davon abhalten, so rapide anzusteigen, wie sie es anderorts bereits getan hat."

Der "Guardian" zitiert außerdem den Umweltminister Paulistas, Roberto Couto. So würden die Meeresschildkrötenweibchen ihre Eier für gewöhnlich im Januar legen und die Jungtiere dann im April oder Mai schlüpfen: "Es ist wirklich schön, weil man den genauen Moment beobachten kann, in dem sie aus den Eiern schlüpfen und ihren kleinen Marsch über den Strand beginnen. […] Es ist ein wundervolles, außergewöhnliches Gefühl." Dieses Mal habe man wegen des Coronavirus nicht einmal die Bevölkerung informieren können.

Es ist doch aber irgendwie schön zu wissen, dass die Krise zumindest auch ein bisschen was Gutes an sich hat. Und nicht nur in Brasilien: Am anderen Ende der Welt, in Wales, hat sich beispielsweise vor Kurzem eine Herde Ziegen die ungewöhnliche Menschenleere zu Nutzen gemacht und das Dorf Llandudno übernommen.

Quelle: "The Guardian"

jgs

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