Cowboy-Reise Einmal fühlen wie John Wayne


Der Traum jedes kleinen Jungen wird wahr: Teilnehmer des "Western Trail Ride" dürfen einmal Cowboy sein. Auf den Spuren der großen Viehtriebe geht es im Sattel quer durch die USA.

20 Wagen und mehr als 150 Reiter ziehen gen Norden. Es ist eine Stunde nach Sonnenaufgang und die kleine Landstraße bei der Ortschaft Seymour in Texas glitzert von Raureif. Pferde wiehern und Kälber blöken, Reiter fluchen verhalten, das Geschirr der Gespanne knirscht. Aus dem Osten weht es kühl. Bussarde kreisen hoch in der Luft. Eine Szene aus einem Western? Keineswegs: Hier sind wirklich Reiter unterwegs. Sie folgen einer historischen Spur, und das über eine Stecke von mehr als 1000 Kilometern."Western Trail Ride" heißt das Unternehmen, mit dem an die großen Viehtriebe alter Zeiten erinnert wird. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden Millionen von Rindern aus Texas nach Norden getrieben. In Kansas verlud man die Tiere in Bahnwaggons und transportierte sie zu den riesigen Schlachthöfen Chicagos und des Ostens. Es war die große Zeit der Cowboys, bevor die Bahn selbst Süd- Texas erreichte. Der berühmteste Viehtrieb war der Chisholm Trail, der durch Fort Worth führte. In seinem Schatten wurde 1876 eine weiter westlich gelegene Route eröffnet, die sich als "Western Trail" einen Namen machte.

Gefederte Wagen und bequeme Betten

Die Veranstalter von heute, eine Gruppe Enthusiasten aus der texanischen Stadt Bandera, haben den historischen Wagenzug minutiös geplant. Sie treiben zwar keine Rinderherde, aber in sechseinhalb Wochen müssen 1040 Kilometer bewältigt werden. Es geht über Flüsse hinweg, unter Highways hindurch, durch Dörfer und Städte, über Landstraßen und durch Felder. Immer reiten ein paar Cowboys einige hundert Meter vor dem Zug und auch dahinter, um Autos vorbei zu leiten und für Sicherheit zu sorgen. "Es ist viel Spaß und Kameradschaft hier", sagt ein weißbärtiger Reiter namens Joe. "Aber am Abend ist man schon müde. Und damals hatten sie keine gefederten Wagen und komfortablen Betten wie wir."Der Wagenzug startete am 6. September in Bandera. Auf der Route des "Western Trail" liegen Brady, Coleman, Albany, Seymour, Vernon und weitere Orte in Texas. Dann wird der mächtige Red River überschritten und der Zug führt durch Oklahoma, wo unter anderem in Elk City, Woodward und Fort Supply Station gemacht wird. Dann geht es weiter nach Kansas hinein und am 23. Oktober soll das Ziel in Dodge City erreicht werden.

Chef ist eine Frau

Pro Tag legt der Wagenzug zwischen 15 und 40 Kilometer zurück, je nach Gelände und Programmplanung. In den angefahrenen Orten gibt es Empfänge für die modernen Cowboys, Paraden, Essen und Tanzvergnügen. Übernachtet wird auf Dorfplätzen, Ranches oder in Rodeoarenen, wo immer man Platz findet. Zum Tross gehören Küchen- und Gerätewagen, Campinganhänger, Zelte und sogar portable Toilettenhäuschen. Der harte Kern von Teilnehmern aus Bandera reitet die gesamte Strecke. Unterwegs können Interessierte mit ihren Pferden oder Wagengespannen hinzustoßen und für eine Teilnahme-Gebühr ein paar Tage mitreiten.Der Wagenzug dient einem gemeinnützigen Zweck: Es wird Geld gesammelt, mit dem entlang der Route des "Western Trail" historische Tafeln errichtet werden sollen. Am 23. Oktober ist für die Ankunft in Dodge City in Kansas eine große Party auf dem Rodeogelände der Stadt geplant. Und die Reiter haben dann endlich Zeit, sich auszuruhen. Trail-Boss ist übrigens eine Frau, die 65-jährige Texanerin Suzie Heywood. Ihr Großvater ritt damals als Cowboy auf dem echten "Western Trail".

Jörg Dettmer / DPA DPA

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