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171. Oktoberfest: Ansturm auf die Wiesn

In einem der größten Trachtenumzüge der Welt sind am Sonntag in München rund 8.300 Trachtler, Schützen und Musikanten in farbenprächtigen Gewändern zum Oktoberfest gezogen.

Bei strahlendem Sonnenschein erreichte der Zug mit blumengeschmückten Kutschen, Kapellen, Sport- und Gebirgsschützen, Jagdhornbläsern, Spielmannszügen und Fahnenschwingern die Festwiese auf der Theresienwiese. Zehntausende Schaulustige warteten an den Straßen, um Fuhrwerken und Trachtengruppen zuzuwinken. Das Münchner Kindl zu Pferde führte den sieben Kilometer langen Zug an.

Stoiber und Ude im Dauereinsatz

Aus einer mit weiß-blauen Gladiolen geschmückten Ehrenkutsche winkte Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) mit seiner Ehefrau Karin den Zuschauern zu. In einer weiteren, mit Sonnenblumen geschmückten Kutsche saß Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) in knallroter Weste und weißem Hemd mit seiner Frau Edith.

Unter den Trachten waren bürgerliche Gewänder aus der Biedermeierzeit, Artillerie-, Husaren-, Landsknechts- und Patrizierkluften. Auch eine echte Kanone, entliehen aus einem Museum, wurde mitgezogen. Jäger, begleitet von Jagdhunden, trugen eine erlegte Wildsau mit sich, die sie mit den Beinen nach oben an einen Stock gebunden hatten. Auch Schäfer mit ihren Schafen liefen mit. Kräftige, bunt geschmückte Rösser zogen die Gespanne der Münchner Brauereien, die mit girlandenumkränzten Bierfässern beladen waren. Der Trachten- und Schützenzug zum Oktoberfest geht auf das Jahr 1835 zurück. Damals wurde er zu Ehren der Silberhochzeit von König Ludwig I. und seiner Frau Therese von Bayern abgehalten. Seit 1950 findet der Zug regelmäßig am ersten Wiesn-Sonntag statt.

Ansturm auf "Stilles Örtchen"

Der ungeregelte Ansturm auf eine Toilette hat zu den ersten Notrufen auf dem diesjährigen Oktoberfest geführt. Wegen der baulichen Gegebenheiten konnten die bereits "Erleichterten" das Stille Örtchen nicht verlassen, wie die Polizei am Sonntag berichtete. Diejenigen, die dringend hinein wollten, blockierten die Zugänge. Aus dem Gedränge seien bei der Wiesn-Wache die ersten Notrufe eingegangen. Die Beamten konnten die Situation entschärfen, indem sie eine Einbahnregelung einrichteten.

Eine Panne an einer Achterbahn auf dem Oktoberfest in München hat die Behörden auf den Plan gerufen. Beim Auslaufen war an einem Wagen der Achterbahn eine Achse gebrochen, wie die Polizei am Sonntag mitteilte. Verletzt wurde niemand. Das Fahrgeschäft wurde von TÜV und Lokalbaukommission zeitweise geschlossen, konnte jedoch nach umfangreichen technischen Kontrollen wieder frei gegeben werden.

Kripo warnt vor großen Euro-Scheinen

Die Kriminalpolizei warnt vor Falschgeld-Banden auf dem Münchner Oktoberfest. Erfahrungsgemäß kämen sie aus Südosteuropa und Italien zur Wiesn-Zeit nach München, um die Blüten unterzubringen, sagte Eduard Liedgens, der Leiter der Falschgeldabteilung beim Bayerischen Landeskriminalamt (LKA). Er riet Besuchern, sich mit dem nötigen Kleingeld für einen Wiesn-Besuch einzudecken. Geschäftsleute sollten vor allem bei großen Scheinen besonders aufmerksam sein. "Einfach genau hinschauen und vielleicht einen Vergleichsschein bereit halten", rät die Polizei.Die neu aufgetauchten, sehr gut gefälschten 200-Euro-Scheine seien am Papier zu "ergreifen". Liedgens: "Das Papier ist dicker, wachsiger. Wenn man das Geld im Griff hat, fällt das schon auf." Zusätzlich sollte auf der Rückseite rechts unten der bei einem echten Schein deutliche Farbumschlag bei der Ziffer "200" geprüft werden. Gefälsche 50-Euro- und 100-Euro-Scheine könne man am Hologramm erkennen, das in der Regel bei Fälschungen nur durch eine Folie ersetzt und zu erkennen sei.

Keine Blütenschwemme erwartet

"Eine Blütenschwemme ist für das diesjährige Oktoberfest aber nicht zu erwarten", sagte der LKA-Experte. Die Wahrscheinlichkeit, auf der Wiesn Falschgeld angedreht zu bekommen, sei gering. Trotzdem gelte es, bei Banknoten aufzupassen und nicht arglos mit Bargeld umzugehen, sagte Liedgens. Etwaige Vorfälle sollten umgehend der Wiesn-Wache gemeldet werden, die das Landeskriminalamt auch nachts in Minutenschnelle einschalten könne. "Wir sind rund um die Uhr erreichbar."

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