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Corona-Krise und Tourismus: Reisebranche: "Wir stellen eine zunehmende Verunsicherung bei Kunden fest"

Die deutsche Touristik stellt sich angesichts des neuartigen Coronavirus auf ein herausforderndes Jahr ein. Doch das Virus ist nicht das einzige Problem, mit dem die Branche zu kämpfen hat.

In den Reisebüros läuft das Geschäft für den Sommerurlauib 2020 nur schleppend an

In den Reisebüros läuft das Geschäft für den Sommerurlauib 2020 nur schleppend an

Kurz vor der größten Reisemesse, der Internationalen Tourismusbörse Berlin 2020 nächste Woche in der deutschen Hauptstadt, hat der Deutsche Reiseverband (DRV) die jüngsten Zahlen der Branche veröffentlicht.

"Je länger die Krise anhält, desto stärker wird die Reisebranche aber betroffen sein", sagte Norbert Fiebig, der Präsident des Branchenverbandes DRV am Donnerstag in Frankfurt. Prognosen zur Entwicklung von Umsatz und Buchungen seien derzeit nicht möglich. Bislang sei das Sommergeschäft nur zögerlich angelaufen.

Insbesondere bei Trips nach Asien gebe es eine "gewisse Buchungszurückhaltung". Die Branche hofft, dass die Buchungen später mit einem starken Last-Minute-Geschäft nachgeholt werden.

Der Leiter des RKI, Prof. Dr. Lothar H. Wieler

Buchungen unter Vorjahrsniveau

Die Buchungen für die traditionell umsatzstarke Sommersaison lagen bis einschließlich Januar zusammengerechnet um drei Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. "Die Lücke, die Thomas Cook im Markt gerissen hat, ist noch nicht vollständig ausgefüllt“, so Fiebig.

Damit spielt Fiebig auf die deutsche Thomas Cook an. Der Reiseveranstalter aus Oberursel hatte nach der britischen Mutter Ende September 2019 mit seinen Marken Insolvenz anmelden müssen. Zehntausende Urlauber waren betroffen.

Die gute Nachricht aus der Branche

Aber die Ausgabebereitschaft der Deutschen für Urlaub steigt. "Durchschnittlich geben deutsche Urlauber für ihre pauschal oder in Bausteinen organisierte Flugurlaubsreise 1012 Euro pro Person aus – im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von drei Prozent.“

Die Ausgaben für Urlaubs- und Privatreisen, die vor Reiseantritt vorab in Deutschland gebucht wurden, kamen mit 69,5 Milliarden Euro und einem Plus von 3,6 Prozent ebenfalls auf ein neues Rekordhoch. Diese Informationen stammen aus den Auswertungen des Marktforschungsunternehmens GfK für den Deutschen Reiseverband.

Bei insgesamt gestiegenen Reiseausgaben haben sich im vergangenen Jahr die Ausgaben für selbstorganisierte Reisen überproportional erhöht. Dabei buchen Urlauber keine Komplett-Pakete bei Veranstaltern, sondern einzelne Reisebestandteile von Fluggesellschaften, Bahn-, Hotels und Mietwagenanbietern sowie auf Produktportalen.

Eine wachsende Nachfrage verzeichnen auch die Kreuzfahrten-Reedereien. "Die Kreuzfahrt ist im vergangenen Jahr mit einem Umsatzplus von 7 Prozent erneut stärker als der Markt gewachsen", sagte Fiebig. Damit liegt der Anteil der Kreuzfahrt am organisierten Reisemarkt im Touristikjahr 2018/19 bei fast 17 Prozent.

Die Nummer 1 im deutschen Urlaubsmarkt

Das meistgebuchte Sommerziel der Deutschen bei den Veranstalterreisen ist in diesem Jahr wieder Griechenland, gefolgt von der Türkei. Auf den Rängen drei und vier folgen die Balearen und die Kanaren, auf fünf Ägypten. Spanien – Balearen, Kanaren und Festland zusammengenommen – bleibt wie seit Jahren die unangefochtene Nummer 1 im deutschen Urlaubsmarkt – trotz der Rückgänge, die sich für die kommende Sommersaison zum aktuellen Buchungsstand noch auf ein Minus summieren.

Der Gewinner bei den Urlaubsbuchungen für den Sommer ist zum jetzigen Zeitpunkt Ägypten mit einem Umsatzplus von 14 Prozent. Auch die Türkei, die bereits in den vergangenen beiden Jahren starke Zuwächse zu verzeichnen hatte, wächst mit 2 Prozent leicht. Deutschland, traditionell eher selbstorganisiert, zeigt ein Umsatzwachstum bei den Veranstalterreisen von 7 Prozent.

Quellewww.drv.de

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