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Debatte um Alkoholverbot: Bahnfahren nur noch nüchtern

Als der Konkurrent Metronom erstmals ein Alkoholverbot in seinen Zügen ins Auge fasste, hielt die Deutsche Bahn dies noch für abwegig. Jetzt denkt auch sie laut über ein Verbot nach. Der Polizeigewerkschaft geht ein Trinkverbot im Zug noch nicht weit genug.

Wegen Belästigung von Reisenden und Vandalismus betrunkener Fahrgäste zieht die Eisenbahngesellschaft Metronom die Notbremse: Das norddeutsche Unternehmen führt ab dem 15. November ein generelles Alkoholverbot ein. Exzessiver Alkoholkonsum verwandele viele Züge in regelrechte "Katastrophengebiete", erklärte die private Bahngesellschaft.

Als die niedersächsische Bahnkonkurrenz Metronom im August das Thema erstmals ins Gespräch brachte, lehnte die Deutsche Bahn ein Verbot kategorisch ab. Schließlich müsse man dann auch das Glas Wein oder das gepflegte Pils im Speisewagen des ICE verbieten. Nun steht man der Diskussion um ein Alkoholverbot zumindest im Nahverkehr jedoch offen gegenüber. Das Thema sei komplex, neue Regeln müssten mit den Verkehrsverbünden abgestimmt werden. Mit ihnen sei man im Gespräch.

Vor allem bei Groß- und Massenveranstaltungen gebe es Probleme, so eine Sprecherin der Deutschen Bahn. Doch in der "Mehrzahl der Freizeitverkehre" führe Alkoholkonsum nicht zu Schwierigkeiten, daher gibt man sich bei der Bahn unentschlossen - und führt eine etwas abwegige Begründung ins Feld. Bei einem Verbot bestehe die Gefahr, "dass alkoholisierte Personen verstärkt auf den Individualverkehr ausweichen" - also ins Auto steigen. Das könne nicht im Interesse der öffentlichen Sicherheit sein, argumentierte die Bahnsprecherin. Ihr Unternehmen habe im Unterschied zu vielen Wettbewerbern verschiedene Aspekte des öffentlichen Interesses sorgsam abzuwägen.

Polizeigewerkschaft fordert Verbot auf Bahnsteigen

Dem Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, geht ein Alkoholverbot im Zug noch nicht weit genug. Er hat sich für ein teilweises Verkaufsverbot von Alkohol an Bahnhöfen ausgesprochen. "Es muss über ein Verkaufsverbot von Alkohol an Bahnhöfen, wenn zum Beispiel Fußballchaoten zu den Spielen unterwegs sind, nachgedacht werden." Es müsse zudem kontrolliert werden, dass Fahrgäste keinen Alkohol mit in die Bahnen nähmen. Über die Teilverbote werde bereits mit der Deutschen Bahn und dem Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes, Theo Zwanziger, gesprochen. Die Belastungen für die Polizisten während der Fußballspiele habe Dimensionen angenommen, die kaum noch zu ertragen seien. Alkohol sei häufig der Auslöser für Gewalttaten. "Wo Alkohol im Spiel ist, kommt es vor allem bei Jugendlichen immer häufiger zu Sachbeschädigung und Körperverletzung", so Freiberg.

Gewerkschaften wollen mehr Personal statt Verbote

Die Bahngewerkschaften GDBA und GDL fordern statt eines Verbots zusätzliches Personal, um das Problem in den Griff zu bekommen. Es sei schwierig, ein solches Verbot umzusetzen. Das zeige sich derzeit schon in Berlin, wo diese Vorschrift vielen Fahrgästen gar nicht bekannt sei. Darauf verweist die Gewerkschaft Deutscher Bundesbahnbeamten und Anwärter (GDBA), die den Einsatz von mehr Bahnmitarbeitern und Sicherheitspersonal in "Problemzügen" fordert. Probleme gebe es vor allem bei Großveranstaltungen wie Fußballspielen und Volksfesten sowie an Wochenenden, wenn Jugendliche auf dem Weg in die Disco seien. "Darüber haben wir auch schon mit der Bahn gesprochen", sagte GDBA-Sprecher Uwe Reitz.

Alkohol sei aber nicht das einzige Problem. Die Bahnmitarbeiter klagten immer mehr über gewalttätige Ausschreitungen. So terrorisierten randalierende Schüler in Regionalzügen Personal und Fahrgäste. Mitarbeiter würden von Passagieren angerempelt, bedroht, angebrüllt und mitunter auch verprügelt, so der Vorsitzende der Verkehrsgewerkschaft GDBA, Klaus-Dieter Hommel.

Ähnlich äußerte sich die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL). Besonders in einschlägig bekannten Gegenden und in den Abend- und Nachtstunden müsse mehr Personal eingesetzt werden, verlangte die GDL. "Gelingt es uns nicht, die Gewaltspirale herunterzudrehen, werden Busse und Bahnen Kunden verlieren und der Individualverkehr nimmt zu. Das kann keiner wollen", so Gewerkschaftschef Claus Weselsky.

Mehrzahl der Fahrgäste für Verbot

Die Bahngesellschaft Metronom, die täglich 80.000 Fahrgäste aus Niedersachsen, Hamburg und Bremen transportiert, hat festgestellt, dass Pendler Züge zu bestimmten Zeiten bereits meiden. "Ungehemmtes Benehmen, Belästigungen und sogar Bedrohungen von Fahrgästen und Mitarbeitern, Vandalismus und Verunreinigungen der Züge sind Auswüchse, die fast immer in Verbindung mit Alkoholkonsum stehen", erklärte das Uelzener Unternehmen. "Metronom hält es daher für dringend erforderlich, dem Trinken an Bord einen Riegel vorzuschieben." Dabei glaubt das Unternehmen, im Interesse der meisten Kunden zu handeln: "Bei einer Befragung sprach sich eine große Mehrheit der Fahrgäste teilweise nachdrücklich für ein Alkoholkonsumverbot aus."

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