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Hotelbewertungen: Was in den Sternen steht

Das Vier-Sterne-Hotel in der Türkei war eine herbe Enttäuschung. Die Pension im Harz, mit nur zwei Sternen, dafür ein Volltreffer. Wie und von wem werden die Urlaubsunterkünfte ausgezeichnet? Und was kann man von den Kategorien erwarten? Eine kleine Sternenkunde.

Von Swantje Dake

Das einst so noble Kempinski Hotel Atlantic an der Hamburger Alster verlor vor wenigen Monaten seine fünf Sterne. Kein einziger glänzt mehr auf der Messingtafel am Eingang. Das Prädikat "Luxus" traf offensichtlich auf das pompöse Haus nicht mehr zu. Doch wer entscheidet über den Sternenglanz?

Der Deutsche Gaststätten- und Hotelverband, kurz Dehoga, verteilt die Sterne seit 13 Jahren. Seitdem gibt es ein einheitliches System für alle deutschen Hotels. "Der Verband will damit Transparenz für Reisende schaffen", erklärt Stephanie Heckel, Sprecherin der Dehoga. Zuvor arbeiteten verschiedene Bundesländer mit unterschiedlichen Bewertungsmodellen. Wer Sterne an der Haustür haben und damit werben möchte, muss sich vom Verband beurteilen lassen. Alle können, keiner muss, lautet das Prinzip. Zwischen 300 und 800 Euro kostet den Hausherren eine sogenannte Klassifizierung, gültig ist das Resultat für drei Jahre.

Abgehakt, nicht ausgetestet

Wer als Hotel bewertet werden will, holt sich die Bereisungskommission ins Haus, eine Gruppe Kontrolleure. Die kommt nicht überraschend oder getarnt als Gast, sondern mit Termin. "Klar, kann sich der Hotelier so vorbereiten. Daraus zieht er aber keine Vorteile", so Heckel. Denn geprüft werden keine mehr oder weniger subjektiven Eindrücke wie die Freundlichkeit des Personals oder die Sauberkeit unterm Bett, sondern harte Fakten: Wie groß sind die Zimmer? Gibt es einen Wagenmeister? Hat der Gast die Wahl zwischen verschiedenen Kopfkissen? Gibt es nur Frühstück, ein Buffet, Roomservice oder ein Á-la-carte-Restaurant. 280 Kriterien, die alle paar Jahre überarbeitet werden, werden abgehakt. Am Ende gibt es Punkte, eine Auflistung im Hotelführer und die Messingtafel mit Sternen. 7600 Hotels, der insgesamt 21.000 Hotels in Deutschland, sind derzeit mit Sternen ausgezeichnet, die meisten Häuser im Drei-Sterne-Segment.

Diese "Komfort"-Kategorie muss Doppelzimmer mit mindestens 18 Quadratmetern, Getränke, Internetanschluss und Telefon auf dem Zimmer, einen Fön und einen Ankleidespiegel haben. Die "Tourist"-Kategorie mit nur einem Stern kommt mit zwölf Quadratmeter großen Doppelzimmern aus, ein Telefon muss nicht im Zimmer sein. "Ein Ein-Sterne-Hotel heißt nicht, dass es schlecht ist. Es ist lediglich auf das Wesentliche konzentriert, gereinigt und zweckmäßig", so Heckel. In der Luxus-Kategorie mit fünf Sternen müssen die Doppelzimmer 26 Quadratmeter groß sein, Duschgel und Shampoo sollen in Einzelflacons im Bad stehen, nicht im Spender an der Duschwand hängen. Das Licht muss vom Bett aus zu bedienen sein, die Hosen innerhalb einer Stunde gebügelt und die Rezeption 24 Stunden besetzt. Und: Der Kosmetikspiegel im Bad ist selbstverständlich beweglich - sonst wird es nichts mit dem fünften Stern. Sollte es ganz brillant in Sachen Dienstleistung laufen, erhält das Hotel zu seiner Kategorie noch den Zusatz "Superior".

Pensionen und Gasthöfe im Sternenglanz

Es gibt in Deutschland auch eine G-Klassifizierung für Gästehäuser, Gasthöfe und Pensionen von der Dehoga zusammen mit dem Deutschen Tourismusverband (DTV). Ebenso werden Ferienwohnungen, Privatzimmer und Campingplätze in Kategorien eingeteilt. Das Prinzip ist für alle Klassen gleich: Je mehr Sterne, desto mehr Kriterien werden erfüllt.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Hotelsterne in anderen Ländern vergeben werden

International werden Sterne anders gedeutet

Während ein Drei-Sterne-Haus an der Nordsee somit die gleichen Erwartungen erfüllen muss wie ein Drei-Stern-Haus im Bayerischen Wald, lassen sich die Kategorien nicht unbedingt auf das Ausland übertragen. Der Standard in einem Drei-Sterne-Hotel in Griechenland oder der Türkei liegt in der Regel unter dem eines deutschen Hauses. Und wer einen Urlaubskatalog für Ägypten in den Händen hält, sollte ruhig hinterfragen, warum alle Hotels das Prädikat "Fünf Sterne" angeben, aber unverschämt günstig sind.

Nicht selten erhalten Hotels in den Katalogen daher den Zusatz "Fünf Sterne in der Landeskategorie". Wobei es in Spanien sogar regionale Unterschiede gibt. Autonomieregionen wie das Baskenland, Katalonien oder auf den Balearen vergeben ihre eigenen Sterne. Ein einheitliches System aus Madrid würde sich nicht durchsetzen.

Sonnen statt Sterne

Oftmals arbeiten Reiseveranstalter zusätzlich noch mit eigenen Emblemen, beispielsweise Sonnen oder Herzen. Ein international einheitliches System mache wenig Sinn, so der Standpunkt des Dehoga. "Wir müssten uns auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen", so Heckel. Denn: Andere Länder, andere Sitten und anderes Klima. So sei eine Klimaanlage in Sizilien schon in niedrigen Kategorien erforderlich, in Skandinavien nicht. In Österreich ist der Umfang der Weinkarte ein wichtiges Kriterium. In Frankreich muss unbedingt ein Bidet im Bad stehen. Mit den Verbänden in Österreich und der Schweiz verhandle man derzeit über einheitliche Kriterien.

Im Fall des Hamburger Kempinski Atlanic war bekannt, dass umfangreiche Renovierungsarbeiten überfällig waren. Die Dehoga wollte das Haus daher neuklassifizieren. Ob die Hotelführung dies gar nicht erst beauftragte oder aber das Ergebnis zu schlecht war, um es anzunehmen, blieb im Unklaren. Angeblich sollten 22 Millionen Euro für die Sanierung in die Hand genommen werden. Die Renovierungsarbeiten verzögern sich, das Haus steht immer noch sternenlos da. Und wurde unlängst aus der Gruppe "The Leading Hotels of the World" herauskomplimentiert. Die steht nicht allen offen, sondern nur den Luxushäusern dieser Welt. Eine Mitgliedschaft ist an hohe Maßstäbe gebunden und schlägt mit einem Vielfachen von dem zu Buche, was eine Sternendeutung durch die Dehoga kostet. Allerdings werden bei den "Leading Hotels" auch 800 Kriterien überprüft.

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