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Pro & Contra Deutsche Bahn: Kann man sich auf die Bahn verlassen?

Die Deutsche Bahn ist ein Reizwort. Aber woran liegt das? An der Beschwerdelust der Deutschen oder an der Unzuverlässigkeit der Bahn? stern.de-Redakteur Markus Gatzke und stern.de-Autorin Katharina Finke sind nicht einer Meinung.

Dann fahrt doch Auto!

Ja, ich gestehe, ich fahre gerne mit der Deutschen Bahn. Ich bin auch einer von denen, dessen Züge meistens pünktlich kommen. Von dieser Sorte Mensch scheint es in Deutschland nur wenige zu geben. Zumindest wenn man die große Menge derjenigen sieht, die schon bei kleinen Verspätungen Zeter und Mordio schreien und den armen Mitarbeiter am Service-Point niederbrüllen.

Ich kaufe meine Fahrkarten sogar am Automaten und ich behaupte: Wer ein Handy bedienen kann, kann auch am Automaten erfolgreich Fahrkarten kaufen. Ansonsten gibt es ja noch die netten Mitarbeiter an den Schaltern. Mangelnde oder schlechte Kunden-Betreuung? Habe ich bislang noch nicht erlebt. Dass mir die Bahn bei einer Verspätung meines Zuges nicht sofort sagen kann, ob ich alle meine Anschlüsse bekomme, müsste jedem bei dem komplexen System einleuchten. Eine Zugverspätung löst oft eine Kettenreaktion im Bahn-Verkehr aus. Trotzdem wurde ich bislang immer gut informiert. Und manchmal hilft eine einfache Tugend: Geduld.

Natürlich ist es ärgerlich, wenn der Zug eine halbe Stunde oder vielleicht sogar eine ganze Stunde Verspätung hat. Aber wie oft kommt das vor? Und: Ich möchte denjenigen sehen, der in Hamburg ins Auto steigt und mir auf die Minute sagen kann, wann er in München ankommt. Auch beim Flugzeug sind massive Verspätungen nicht gerade selten.

Die großen Pannen, wie ein liegengebliebener ICE zwischen Berlin und Frankfurt, müssen an den Stammtischen herhalten, damit der deutsche Michel die Bahn als Ganzes schlecht und madig machen kann. Bis vor kurzem konnte man das auch noch Deutschlands Feindbild Nummer 1 in die Schuhe schieben: Hartmut Mehdorn. Die Deutschen meckern halt gerne und ausgiebig. Vergessen wird dabei, dass die Deutsche Bahn allein im ersten Halbjahr 2009 insgesamt 958 Millionen Fahrgäste transportiert hat. Der größte Teil kam pünktlich an sein Ziel.

Deutschland hat eines der besten Bahn-Systeme in Europa. Schon mal in England Bahn gefahren? Die Züge in Deutschland sind schnell, meistens pünktlich und komfortabel. Über die Bahn zu reden, ist wie ein Gespräch über das Wetter zu führen, irgendwer hat immer etwas zu mosern. Darum: Schluss! Aus! Fahrt doch einfach Auto!

P.S.: Nein, ich wurde nicht von der Bahn dafür bezahlt, diesen Kommentar zu schreiben

DB steht für Dauerbeschwerden!

Auf die Deutsche Bahn ist kein Verlass und langsam reicht's. Diese deutsche Manie sich zu beschweren gefällt mir nicht, aber die Bahn hat es nicht anders verdient. Meistens beginnt der Ärger schon bevor ich überhaupt losfahre. Denn die Mehrheit der Züge ist dann bereits verspätet. Der Service der Bahn reicht zwar so weit, dass ich von zuhause aus gucken kann, ob mein Zug pünktlich abfährt. Das hilft mir aber nur wenig, wenn sich der Zug während meiner Anreise zum Bahnhof noch weiter verspätet. Aus fünf Minuten werden gerne 15 oder auch mal 30.

Auch am Bahnhof erlebe ich alles andere als Service. Gleisänderungen sind an der Tagesordnung, die Wege zwischen den Gleisen sind lang und mit viel Gepäck nicht gerade einfach zu bewältigen. Aber immerhin hält die Bahn damit ein Versprechen: Sie macht mobil.

Ein weiteres Dauerproblem der Bahn: Die Änderung der Wagenfolge. Sokann man, wenn auch ungewollt, den kompletten Zug inspizieren. Auch in punkto Reservierungen ist auf die Bahn kein Verlass. Oft bekomme ich trotz einer Reservierung für vier Euro keinen Sitzplatz, weil entweder die Reservierungsanzeige ausgefallen ist und jemand auf meinem Platz sitzt. Oder der Wagen, in dem ich reserviert habe, gar nicht an den Zug angehängt wurde.

Leider bin ich mit meiner Beschwerdeliste noch nicht fertig. Denn auch die Freundlichkeit der Bahnangestellten lässt sehr zu wünschen übrig. Nicht nur die Zugbegleiter, sondern auch das Personal an den Service-Points hat 330 schlechte Tage im Jahr. Ich erwarte ja gar nicht, dass die Bahnangestellten mich ständig anlächeln und mir jeden Wunsch von den Lippen ablesen. Aber sie könnten mich wenigstens respektvoll nach meiner Fahrkarte fragen. In Skandinavien würden die Angestellten bei solcher Unfreundlichkeit ihren Job verlieren. Deswegen kaufe ich mir meine Fahrscheine auch bevorzugt am Automaten. Oft sind die freundlicher als die Bahnmitarbeiter.

Eines dürfte überraschen: Ja, ich habe eine Bahncard, obwohl ich mit der Bahn unzufrieden bin. Dafür gibt es einen plausiblen Grund: Bei dem Tarif-Wirrwarr und dem begrenztem Kontingent an Spartickets bin ich lieber auf der sicheren Seite. Und: Ohne Bahncard ist Bahnfahren zu teuer.

Warum ich überhaupt mit der Bahn fahre? Ganz einfach. Wegen der Umwelt.

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