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Berghotel-Empfehlungen von Geo Saison: Über alle Berge

Für die aktuelle Ausgabe hat Geo-Saison zehn außergewöhnliche Berghotels mit besonderem Alpen-Flair besucht - vom rustikalen Bergstüberl bis zur britisch-bayrischen Stilhochburg.

Von Georg Weindl

Wo die Gipfel ans Himmelszelt stoßen, sind die Niederungen des Alltags fern, ein Urlaub in den Alpen kann sich anfühlen wie ein Geschenk von ganz oben. Für die aktuelle Ausgabe hat ein Team von Geo Saison Seen und Täler wie aus dem Bilderbuch entdeckt, hat Traumrouten zum Wandern aufgespürt und zehn außergewöhnliche Berghotels besucht. stern.de stellt diese besonderen Herbergen in einer zweiteiligen Serie vor.

Hirschbraten im Frau-Holle-Haus - Schwaigerlehen, Salzburger Land.

Resi Bacher aus Stuhlfelden im Salzburger Land hat keine Sterne, keine Hauben und keine Kochlöffel errungen. Und doch wallfahren Gäste aus dem In- und Ausland zum mehr als 500 Jahre alten Hof in dem ursprünglichen Bauerndorf – normale Urlauber wie Prominente. Sie alle lockt die museale Atmosphäre von Bauernhof und Gasthaus, wo Resi, die gar nicht anders heißen könnte, in der "Rauchkuchl" über offenem Feuer kocht. Zwischen rußgeschwärzten Wänden bereitet die Wirtin ihre Hirschbraten, Waldpilze und Kräuterforellen in der Schmalzpfanne zu, obendrein gibt es Käse und Speck vom eigenen Hof.

Anschließend fällt der Gast glücklich ins frauhollige Federbett in einer der vier Schlafkammern im Obergeschoss oder auf dem Dachboden. Die alten Bettgestelle bestehen aus Holz, wie die getäfelten Wände, an denen Heiligenbilder hängen. Dass Dusche und Toiletten auf dem Flur sind, versteht sich fast von selbst. Wenn die Kammern ausgebucht sind, quartiert Resi ihre Gäste im einstigen Hühnerstall ein, einem kleinen Schlafraum mit Stockbetten. Die Hühner haben auf der Wiese hinter dem Haus ihr Plätzchen gefunden. Stress haben sie nur, wenn nebenan mal der Hubschrauber eines betuchten und eiligen Gastes landet.

Bayerisch-britische Stilhochburg - Das Kranzbach, Zugspitz-Region. Ein typisch britisches Landhaus in urbayerischer Bergwelt vor Karwendel und Wettersteingebirge, wo Lüftlmalereien und überbordende Geranienblumenstöcke den Stil bestimmen? Yes, indeed. Das Kranzbach ist ein Hotel mit bemerkenswerter Geschichte. Sie begann 1913, als sich Mary Isabel Portman, eine Adelige von der Insel, hier in Oberbayern ein Domizil bauen ließ, das sie wegen des Ersten Weltkriegs allerdings nie zu Gesicht bekam.

Schade für die Lady, denn eine romantischere Lage gibt’s nimmer: auf einer weiten Bergwiese mitten im Werdenfelser Land zwischen Garmisch und Mittenwald. Zugspitze, Alpspitze und die Gipfel des Karwendel liegen vor der Tür. Der englische Landsitz mit seinen gezackten Giebeln und dem schweren Portal wurde erst jüngst renoviert und um einen Gartenflügel mit Restaurant sowie ein Badehaus erweitert.

Das architektonische Arrangement von trutzigem Bauwerk und mit viel Glas und Holz filigran geratenem Anbau wirkt angenehm eigenwillig, wenn man sich dem einsam gelegenen Hotel im Elmautal auf der langen Zufahrtsstraße nähert. Auch innen herrscht anregende Spannung: Im historischen Teil wurden die Salons aufgefrischt und mit modernen Polstergarnituren ausgestattet. Und doch lebt britische Nostalgie in den verwinkelten Räumen im Erdgeschoss und in den Gästezimmern unverkennbar fort. Die einsam-romantische Lage, die architektonischen Gegensätze, der aufmerksame Service – Lady Portman wäre sicherlich delighted.

Kunst am Berg - Zirmerhof, Südtirol. Die Gäste liegen am Pool unter Sonnenschirmen, am Horizont glänzen die schneebedeckten Gipfel des Ortlers und der Brentagruppe im ruhigen Südosten Südtirols, hinter dem Haus grasen zottelige Galloway-Rinder – Alltag auf dem "Zirmerhof". Hier, majestätisch auf einem Berghang in gut 1600 Meter Höhe südlich von Bozen gelegen, stören kein Verkehr und keine lauten Nachbarn. 400 Jahre ist das Haus alt und beherbergt seit 1890 Urlaubsgäste, darunter so prominente wie den Nobelpreisträger Max Planck und den Chirurgen Professor Sauerbruch, die hier seinerzeit vor allem Ruhe in der Natur und gutes Essen suchten.

Das bietet der "Zirmerhof" bis heute – wie auch Gästezimmer und Suiten aus Zirbenholz, eine kleine holzgetäfelte Bibliothek aus dem 16. Jahrhundert und den großen Speisesaal mit Ignaz Stolz’ martialischen Wandmalereien zur Sage des Riesen Grimm. Als der Großvater des heutigen Gastgebers Sepp Perwanger den Saal dekorieren ließ, erregten sich etliche Gäste: Froschbeinige Pferde waren nicht jedermanns Geschmack. Die heutigen Innovationen sind deutlich verträglicher: der Spa- und Beauty-Bereich zum Beispiel, der direkt in den Hang gebaut wurde, der kleine Hofladen, wo man sich mit Speck, Schüttelbrot und Gewürztraminer vom eigenen Weinberg eindecken kann, oder die Almhütten am Waldrand, die Perwanger als romantische Dependancen ausbauen ließ. Eigentlich aber ist es am "Zirmerhof" wie zu Zeiten von Planck und Sauerbruch – nur weitaus komfortabler.

Sommersitz im Bauhausstil, Looshaus am Kreuzberg, Niederösterreich. Der Semmering war die klassische Sommerfrische der Wiener. Auch der Feinkostindustrielle Paul Khuner ließ sich 1929 auf den waldreichen Hügeln südlich der Stadt ein Wochenendhaus bauen – von keinem Geringeren als dem Architekten Adolf Loos, einem Pionier der Bauhaus-Epoche, dessen "American Bar" in Wien bis heute Wallfahrtstätte von Design-Interessierten ist. Meist bleiben solche kunsthistorischen Prachtstücke in Privatbesitz. Das "Looshaus am Kreuzberg" bei Payerbach hingegen verwandelte sich in eine aufregende Mischung aus Landhotel und Architekturmuseum.

Über eine Treppe erklimmt man das steinerne Fundament und betritt ein Restaurant (früher das Wohnzimmer), das über zwei Etagen reicht und dessen riesige Fenster den Blick auf die Gipfel von Schneeberg und Rax gewähren. Die Zimmer sind noch genau so, wie sie von Loos gestaltet wurden: Hier finden sich die originalen Einbauschränke, Wascharmaturen, Lampen, Kleiderhaken und Türgriffe. Ein Luxushotel aber ist das "Looshaus" dennoch nicht, manchen Zimmern fehlen bis heute Dusche und WC. Zum unprätenziösen Charakter passt perfekt die Küche der Wirtin Hanna Sehn, die regionale Spezialitäten von Eierschwammerln übers Rehgulasch bis zu Mohnpalatschinken auftischt – auch fast schon Klassiker, Meisterwerke allemal.

Ferien mit Familienanschluss - Gasthof Krone, Südtirol. Gleich neben der Kirche steht im Bergdorf Aldein die "Krone" –ein stattliches Haus mit einem riesigen, schmiedeeisernen Wirtshausschild über dem Eingang. Wenigstens 400 Jahre alt ist der Gasthof am Berg oberhalb von Neumarkt, über dessen mit Ornamenten verzierten Steinboden man in holzgetäfelte Bauernstuben und einen Biedermeiersalon mit einem kolossalen Ofen gelangt. Aus der Küche weht feiner Bratenduft herein. Auf einer Eckbank sitzt Alberta Franzelin, die Seniorchefin, mit straff nach hinten gebundenem weißem Haar und erzählt aus der Geschichte der Wirtsfamilie, die bis 1720 zurückreicht.

Von der einst großen Landwirtschaft ist nur noch ein kleiner Betrieb geblieben, der das Gasthaus bis heute mit Fleisch, Speck, Eiern und Käse versorgt – genug für eine herzhafte Südtiroler Küche mit Knödeln, Bauerngröstl und Schlutzkrapfen. Einen dezenten Kontrast zur Behaglichkeit im Erdgeschoss Vermitteln die Zimmer und Suiten der beiden oberen Etagen: Klassisch-moderne Elemente sind hier geschmackvoll mit handgeschnitzten alten Betten und Kommoden kombiniert. Die Mischung aus historischem Ambiente und familiärer Gastlichkeit macht die "Krone" selbst unter den vielen guten Gasthäusern in Südtirol zu einer Entdeckung.

Verfolgen Sie am Freitag den zweiten Teil der Berghotel-Empfehlungen von Geo Saison. Dann mit einem "geflügelten Schlosshotel" und einem himmlischen Palazzo in der Schweiz. Alle Kontakt- und Service-Informationen finden Sie in der anhängenden Fotostrecke.

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