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EM-Gastgeberland Polen Alles Wichtige für Fußballfans


Nur noch wenige Wochen sind es bis zum Anpfiff der EM. Allein Polen erwartet fast eine Million Besucher. Damit Fußballfans nicht im Abseits stehen, beantwortet stern.de die wichtigsten Fragen.
Von Till Bartels

Kein Nachbarland liegt gefühlt so weit weg wie Polen. Zwar sind es keine 100 Kilometer von Berlin bis zur polnischen Grenze, aber im Bewusstsein markiert der Oderfluss eine scharfe Trennlinie. Gerade für Bewohner der westdeutschen Bundesländer kommt die Reise in ein osteuropäisches Land einem abenteuerlichen Ausflug in ein Terra incognita gleich.

Aber mit der Fußball-Europameisterschaft, die im Sommer in Polen und in der Ukraine ausgetragen wird, ergibt sich die Möglichkeit, traditionelle Hemmschwellen abzubauen und die Reiseländer im Osten näher kennenzulernen. Gerade Polen hat für Touristen einen großen Vorteil: Die vier Gastgeberstädte nehmen das sportliche Großereignis zum Anlass, nicht nur die Fußballstadien, sondern ihre gesamte Infrastruktur für Touristen enorm zu verbessern. stern.de gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen für Polen-Reisende.

Welches sind die polnischen EM-Städte?

Für die EM putzen sich die Orte Warschau, Danzig, Breslau und Posen heraus. Zu den Spielen zwischen dem 8. Juni und 1. Juli werden knapp eine Million Besucher in Polen erwartet. Zwar tritt die deutsche Nationalmannschaft (Gruppe B) in der Vorrunde zu Begegnungen in den ukrainischen Städten Lemberg und Charkiw an, doch schon die Viertelfinalspiele der Gruppe B sind für Danzig und Warschau terminiert.

Kann ich in Polen mit dem Euro bezahlen?

Nein, zwar gehört Polen seit 2004 zur EU, nicht aber zur Währungsunion. Daher müssen Euroscheine in polnische Zloty getauscht werden. Laut Umtauschkurs gibt es für einen Euro ungefähr 4 Zloty (100 Groszy sind 1 Zloty). Wechelstuben ("kantor") gibt es in allen Städten.Es lohnt sich vorher ein Vergleich der Wechselkurse.

Wie steht es um das Thema Sicherheit?

Die Zahl der Autodiebstähle in Polen hat in den vergangenen zehn Jahren um 75 Prozent abgenommen. Dennoch warnt das Auswärtige Amt, dass es insbesondere auf den vielbefahrenen Strecken Görlitz-Breslau (A 4), Frankfurt/Oder-Warschau sowie in Großstädten zu Diebstahl oder Raub von Fahrzeugen kommen kann. Ratsam ist die Mitgliedschaft in einem Automobilclub oder der Abschluss eines Auslandsschutzbriefes. Noch ein Hinweis: Seit mehreren Jahren besteht die gesetzliche Pflicht, in Polen ganztägig mit Abblendlicht zu fahren.

Wie komme ich am besten nach Polen?

Am preisgünstigsten mit den Bussen der Deutschen Touring oder der Gesellschaft Polskibus sowie mit der Bahn. Fast alle Wege führen über Berlin: Viermal täglich fahren Züge ab Berlin nach Warschau, keine drei Stunden benötigt der Berlin-Warschau-Express bis Posen. Von Hamburg gibt es durchgehende Züge nach Breslau (Fahrzeit 8 Stunden), nach Danzig heißt es stets umsteigen in Posen.

Schneller und bequemer geht es mit dem

Flugzeug

, zumal alle vier Flughäfen ausgebaut wurden, insbesondere der Chopin-Flughafen in Warschau. Ab Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München fliegen Lot und Lufthansa nach Warschau. Von Berlin bietet Lot außerdem Direktflüge nach Warschau an, und Air Berlin fliegt von Berlin nach Danzig. Lufthansa hat ab Frankfurt und München auch Nonstopflüge nach Danzig, Breslau und Posen im Flugplan.

Mit dem

Auto

ist die A2 jetzt von Frankfurt/Oder bis Lodz befahrbar, aber die letzten 90 Kilometer bis Warschau fehlen noch. Dagegen existiert in Südpolen die A4 über Breslau bis Krakau. Ursprünglich sollte die A4 weiter bis nach Lemberg in die Ukraine führen, nur ist die Verlängerung nicht rechtszeitig zur EM fertig gestellt.

Wie reise ich am besten durchs Land?

Sehr schnell geht es mit den sternförmigen Inlandsflügen der Lot ab Warschau in alle drei EM-Städte.

Bei der

Polnischen Staatsbahn

lassen sich über die mehrsprachige Webseite PKP Intercity die schnellsten Verbindungen wie Express-Intercity- (EIC) und Expresszüge (Ex) abfragen und buchen - jedoch erfolgt die Zahlung nicht über gesicherte Seiten. Für Zugfahrten ab Warschau nach Breslau sind ungefähr sechs Stunden und nach Danzig dank neuer Trassen nur noch vier Stunden einzuplanen. Empfehlenswert ist der Polish Pass, der für Fahrten an drei (70 Euro), sieben (96 Euro) oder 27 Tagen (228 Euro) in IC-Zügen gültig ist.

Per Auto existiert neben den unter Anreise genannten Verbindungen nur ein kurzes Autobahnstück zwischen Danzig und Warschau, der Rest der Fern- und Europastraßen ist in Polen meist nur einspurig pro Richtung befahrbar.

Gibt es genügend Hotelzimmer?

Ja, denn Polen hat seine Bettenkapazität in den letzten fünf Jahren um 40 Prozent auf 2100 Hotels erhöht. Nach Angaben des Polnischen Fremdenverkehrsamtes stehen 400.000 Übernachtungsplätze an den vier Austragungsorten und in deren näherer Umgebung zur Verfügung. Dazu gehören auch Fancamps mit 4000 Plätzen in Warschau und jeweils 3000 in den anderen drei polnischen EM-Städten.

Sind die Hotelpreise überzogen?

Viele Hoteliers haben die Preise wie zu Messezeiten erhöht, weil sie auf das schnelle Geld hoffen. Wenn sich aber abzeichnet, dass die Zimmer leer bleiben, reguliert sich der Markt: Die Zimmerpreise fallen. Über die Hotelsuche des Polish Pass lassen sich Zimmer reservieren. Außerdem bieten die Fancamps günstige Übernachtungsmöglichkeiten ab 38 Euro.

Wo wohnt die deutsche Nationalmannschaft?

Joachim Löw bezieht mit seinen Jungs während des gesamten EM-Turniers in Polen ein Quartier: Die deutsche Elf steigt in der Nähe von Danzig im Fünf-Sterne-Hotel Olivenhof ab.

Wo finde ich weitere Informationen?

Die wichtigste Anlaufstelle für alle Reisende zur EM 2012 ist der Polish Guide. Hier werden Fragen wie der Weg zum Stadion, nach Fahrkarten und Unterkünften beantwortet. Wer sich einmal registriert und ein Profil hinterlegt hat, kann den Polish Pass erwerben, der gleichzeitig als Reiseticket und Eintrittskarte dient. Dieser Service ist als App für Smartphones angekündigt, jedoch stand der digitale "Fremdenführer" 45 Tage vor dem Anpfiff noch nicht als Download bereit.

Das Polnische Fremdenverkehrsamt informiert unter www.polen.travel über Reisen nach Polen, ebenso die Homepage der Uefa unter http://de.uefa.com.

Tickets für die Spiele gibt es in Kombination auch mit Tagespauschalreisen zur den Vorrundenspielen und zur Finalrunde über den Reiseveranstalter www.dertour.de.

An wen kann ich mich bei einem Notfall wenden?

Für Reisende gibt es beim Verlust ihres Ausweises, bei Gesundheitsproblemen oder in Gefahrensituationen eine Notrufnummer, die in Polen gebührenfrei aus dem Festnetnetz unter Tel. 0800-200 300 und vom Handy unter Tel. 0048-608 599 999 erreichbar ist. Während der EM wurden die Zeiten der auch deutschsprachigen Notrufzentrale auf täglich von 10 Uhr bis 2 Uhr nachts erweitert.

Hilfe gibt es in Polen auch unter folgenden Notrufnummern: 997 (Polizei), 998 (Feuerwehr), 999 (Rettungsdienst/Notarzt). Vom Handy wählt man mit der Nummer 112 den allgemeinen Notruf.


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