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Mallorca: Lebensgefährliche Mutproben im Alkoholrausch

Lebensgefährliche Mutproben im Alkoholrausch: Viele Jugendliche auf den spanischen Urlaubsinseln versuchen vom Balkon direkt ins Schwimmbad zu springen - und landen auch mal daneben.

"Wetten, dass Ihr es nicht wagt, vom Balkon ins Schwimmbad zu springen!" Ein junger Mann aus der Runde fröhlicher Zecher fordert seine Trinkkumpane in einem Hotelzimmer auf der spanischen Ferieninsel Mallorca zu einer gefährlichen Mutprobe heraus. Die jungen Leute waren zuvor durch die Kneipen ihrer Feriensiedlung gezogen und setzen ihren nächtlichen Umtrunk in einem Hotelzimmer im fünften Stock fort. Die Stimmung ist ausgelassen. Schließlich wagt einer aus der angeheiterten Runde den Sprung vom Balkon - und stirbt unten auf dem Pflaster neben dem Pool.

Hohe Dunkelziffer vermutet

Solche Szenen wiederholen sich mit steter Regelmäßigkeit auf den spanischen Ferieninseln Mallorca und Ibiza. Pro Jahr kommen auf den Inseln etwa zwölf Urlauber bei Stürzen vom Hotelbalkon ums Leben. Die Zahl derjenigen, die solche Unglücke verletzt überleben, kennt niemand. Sie dürfte ungleich höher sein.

"Nun hat der Sommer begonnen"

Die Öffentlichkeit auf den Balearen nimmt von den Balkonstürzen kaum noch Notiz. Sie scheint diese unheimliche Serie als etwas Unabwendbares hingenommen zu haben. "Wenn der erste Urlauber im Jahr vom Balkon gefallen ist, wissen wir: Nun hat der Sommer begonnen", sagt ein Polizist auf Mallorca sarkastisch.

Beliebte Mutprobe

Die Szenerie ist fast immer die gleiche. Junge Leute sitzen angetrunken im Hotelzimmer zusammen und fordern sich zu abstrusen Mutproben heraus. Mal geht es um einen Sprung in den Pool, mal um einen Balanceakt auf dem Balkongeländer oder um eine Kletterpartie zum Nachbarbalkon. Auch die Opfer gleichen sich. Die Zeitung "El Mundo" beschreibt das typische Opfer so: "Junger Tourist vornehmlich aus Großbritannien, aufgeputscht mit Alkohol oder Ecstasy-Tabletten, mit einer Überdosis an Leichtsinn ausgestattet." In manchen Fällen spielen auch selbstmörderische Motive eine Rolle. Aber dies sind Ausnahmen.

Hilflosigkeit bei Hotelbesitzern

Die Hotelbesitzer sind ratlos. "Wir haben alles getan, was in unserer Macht steht, um die Sicherheit zu verbessern", sagte Ignasi Esteve, Vizepräsident des mallorquinischen Hotelierverbands, der Zeitung "El Mundo". "Aber einige Hotelgäste sind schwer zu kontrollieren." In Zentren des Massentourismus wie Magaluf und Palmanova auf Mallorca oder in Sant Antoni auf Ibiza warnen manche Hoteliers junge Leute gleich bei der Ankunft vor den Gefahren leichtsinniger Klettereien. "Aber wenn jemand sein Leben aufs Spiel setzen will, können wir ihn kaum abhalten", meint Esteve.

Hubert Kahl / DPA

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