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Spontaner Fluglotsenstreik Chaos im spanischen Flugverkehr


Dutzende Fluglotsen meldeten sich am Freitag in Madrid und auf den Balearen gleichzeitig krank, um gegen die Erhöhung ihrer Arbeitszeit zu protestieren. Die Folge: Hunderttausend Reisende saßen fest. Air Berlin und Lufthansa strichen Flüge. Die spanische Regierung droht mit dem Militär.

Ein wilder Streik von Fluglotsen hat den Luftverkehr in Spanien am Freitag praktisch zusammenbrechen lassen. Die Flughäfen von Madrid, Barcelona, Mallorca, Menorca, Ibiza und auf den Kanarischen Inseln wurden geschlossen. Weite Teile des spanischen Luftraums mussten gesperrt werden. Die Flughafenbehörde AENA rief Passagiere, die noch am Freitag in Spanien eine Flugreise antreten wollten, dazu auf, daheimzubleiben.

Die Lufthansa strich nach eigenen Angaben zunächst sechs Flüge nach Spanien. Andere Maschinen verspäteten sich. Auch Flüge der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft Air Berlin waren stark betroffen. Man beginne, die Fluggäste in Hotels unterzubringen, sagte ein Sprecher. Er sagte, der Ausstand solle bis Mitternacht dauern.

Nach Angaben der Fluggesellschaft Iberia saßen 200 000 Reisende fest. Das Madrider Verkehrsministerium berief ein Krisenkomitee, um das Chaos unter Kontrolle zu bekommen. Auf den Flughäfen bildeten sich an den Abfertigungsschaltern lange Warteschlangen.

Die spanische Regierung versuchte, die Fluglotsen per Dekret zu ihrem Dienst zu verpflichten und forderte die Streikenden "ultimativ" auf, zu ihren Arbeitsplätzen zurückzukehren. Andernfalls würde das Militär formal die Kontrolle über die Tower übernehmen und damit die Fluglotsen militärischem Kommando unterstellen. Sich dem Militär zu verweigern, hätte eine schwerwiegendere Strafe zur Folge.

Laut staatlichem Rundfunk RNE durften noch einige wenige Flugzeuge landen, die sich bei Beginn der Protestaktion bereits in der Luft befunden hatten. Reisende, die auf den Flughäfen auf ihre Maschinen warteten, wurden dazu aufgerufen, die Abfertigungshallen zu verlassen.

Auf dem Flughafen auf Mallorca protestierten Tausende von festsitzenden Passagieren gegen das Chaos. Die spanischen Fluggesellschaften bezeichneten die Lage als sehr kritisch. Sie äußerten die Erwartung, dass das Chaos wenigstens bis um 1 Uhr in der Nacht zum Samstag andauern würde.

Streik fällt in langes Wochenende

Nach Angaben von AENA hatten etwa 70 Prozent der Lotsen ohne vorherige Ankündigung ihre Arbeitsplätze verlassen. Die Behörde setzte sich mit Eurocontrol in Verbindung, um zu verhindern, dass Flugzeuge aus anderen europäischen Ländern spanische Flughäfen anflogen. Sie beschuldigte die Lotsen, die Fluggäste als Geiseln genommen zu haben. Die Protestaktion sei ein strafbares Vergehen und können zur Entlassung führen.

Die Fluglotsen, die ohne vorherige Streikankündigung den Dienst beendeten, reagierten damit offenbar auf einen Beschluss der spanischen Regierung, die eine neue Regelung für die Dienstzeiten der Lotsen eingeführt hatte. Die spanischen Fluglotsen stehen seit Monaten mit dem Verkehrsministerium und der Flughafenbehörde in einem Tarifkonflikt.

Das Chaos wurde dadurch vergrößert, dass am Freitag Tausende von Spaniern in ein langes Wochenende aufbrechen wollten. Der kommende Montag und Mittwoch ist für die meisten Spanier arbeitsfrei.

swd/DPA DPA

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