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Russisches Flugzeug: Sukhoi Superjet 100: Der Albtraumjet der Russen

Der am Sonntag bei Moskau abgestürzte Suchoi Superjet kommt auch bei westlichen Fluggesellschaften zum Einsatz. Doch die Airlines trennen sich von dem Flugzeugtyp, weil es ein ungelöstes Problem mit dem modernen Russen-Jet gibt.

Von 2017 bis 2018 flogen einige Exemplare des Sukhoi Superjets 100 mit irischer Zulasung für Brussels Airlines auf Europastrecken.

Von 2017 bis 2018 flogen einige Exemplare des Sukhoi Superjets 100 mit irischer Zulasung für Brussels Airlines auf Europastrecken.

Der Sukhoi Superjet 100 ist das Modernste, was die russische Luftfahrtindustrie zivilen Airlines zu bieten hat. Die Neuentwicklung aus diesem Jahrtausend zielt auf ein Marktsegment für Flugzeuge mit knapp 100 Sitzplätzen und zwei Triebwerken, in dem es weltweit nur wenige Anbieter gibt: Embraer in Brasilien mit den kleineren Maschinen der E-Serie und Bombardier in Kanada mit dem Canadair Regionaljet.

Daher hatten die Russen große Hoffnungen auf den zweistrahligen Regionaljet gesetzt. Er sollte zum Exportschlager werden. Doch von den bisher 186 produzierten Sukhoi Superjet 100 fliegen die meisten nur für russische Fluggesellschaften und Airlines in den GUS-Staaten. Ausnahmen sind die mexikanische Interjet und Cityjet in Irland. Zu den Flotten beider Fluggesellschaften gehören mehrere Exemplare des Superjets, die allerdings nicht so häufig abheben wie geplant.

Sukhoi: Alles andere als super

Als eine der wenigen westlichen Gesellschaften hatte Cityjet 2015 insgesamt 15 Suchoi Superjets bestellt und die erste Maschine im Mai 2016 erhalten. Das Geschäftsmodell sieht vor, dass Cityjet im Auftrag für andere Airlines fliegt oder ihre Flugzeuge an andere vermietet. Letztes geschah 2017 mit Brussels Airlines. Die Tochter der Lufthansa suchte Ersatz für ihre betagten Avro RJ 100 und mietete drei Superjets von Cityjet, später sogar drei weitere an.

Bei den Passagieren kam der russische Jet angeblich gut an. Weniger bei der Airline. schon nach kurzer Zeit wurde die Läsion beendet. "Es ist ein neues Flugzeug. Es gibt noch wenig Erfahrung mit ihm", zitierte der "Aerotelegraph" einen Mitarbeiter von Brussels. "Wenn ein Problem auftaucht, muss man den Superjet länger stilllegen, bis es gelöst ist."

Dahinter steht die Ersatzteilproblematik. Reparaturen dauern im Gegensatz zu Flugzeugen anderer Hersteller bei dem Superjet länger. Dadurch sinkt die Einsatzbereitschaft des Regionaljets erheblich. Schon vor zwei Jahren berichtete die russische Zeitung "Wedomosti", dass die Sukhoi Superjets in Russland nur 3 bis 3,7 Stunden pro Tag eingesetzt werden können. In der Regel gelten neun Stunden als effektiv. Bei Billigfluggesellschaften sind die Maschinen bis zu 13 Stunden in der Luft.

Brussels Airlines verlängerte den Vertrag mit Cityjet nicht. Im November 2018 hieß es, dass mehrere Sukhoi-Jets im Streckennetzt von Adria Airways ab 2019 zum Einsatz kommen sollen. Doch die Fluggesellschaft aus Slowenien hat gerade ihr Streckennetz erheblich zusammenstreichen müssen und wird wegen ihrer finanziellen Lage von den slowenischen Behörden überprüft. Anfang April wurde nun das Leasing-Geschäft mit den Superjets ad acta gelegt.

Wartungsintensive Superjets

Die Versorgung mit Ersatzteilen erfolgt auch schleppend, zumal nicht alle Komponenten "made in Russia" sind. Ungefähr zehn Prozent der Bauteile wie zum Beispiel das Fahrwerk, die Hilfsgasturbine, die Bordelektronik oder das Feuerlöschsystem werden von Firmen in den Vereinigten Staaten eingekauft. Die restriktive Sanktionspolitik der US-Regierung hat damit auch Einfluss auf den Verkaufserfolg des Russenjets: Die iranischen Fluggesellschaften Iran Airtour und Iran Aseman Airlines hatten je 20 Maschinen bestellt.

Der schlechte Support von Sukhoi hat bei der mexikanischen Airline Interjet zu bitteren Konsequenzen geführt. Der erst 2005 gegründete Billigflieger hatte einst 22 Jets im Einsatz. Jetzt kann sie nur noch mit einem Drittel fliegen. Zu viele Exemplare stehen am Boden und warten auf Ersatzteile. Zwei neuwertige Jets werden bereits ausgeschlachtet: Sie dienen den Technikern als Ersatzteillager.

Für Aeroflot ist der Superjet dennoch ein Geschäft: Die russische Fluggesellschaft sicherte sich laut einem Bericht der Zeitung "vedomosti.ru" vertragliche Kompensationszahlungen: Die Airline kassiert von Sukhoi pro Tag und ausgefallener Maschine 12.000 US-Dollar. "In der Tat ist es für Aeroflot rentabler, aufgrund eines Ausfalls nicht zu fliegen", sagte ein Insider der Zeitung.

Quelle: Vedomusti.ru

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