"Queen Mary 2" Audienz bei der Königin


Das größte Kreuzfahrtschiff der Welt ist zu Besuch in Hamburg. Menschenmassen säumen die Elbufer, Hunderte fahren dem Schiff mit Booten entgegen. Die "Queen Mary 2" verdreht einer ganzen Stadt den Kopf.
Von Thomas Krause

Zwei Stunden vor Sonnenaufgang. Auf einem Fähranleger an der Elbe bewegen sich dunkle Schatten. An einem hölzernen Wartehäuschen drängen sich Menschen zusammen und suchen Schutz vor dem böigen Wind. Ab und zu wirft ein schwarzhaariger Mann einen Blick auf die Uhr. Wo sie nur bleibt? Dass ein Schiff in den Hamburger Hafen einläuft, ist Alltag. Doch heute kommt ein Schiff, dass selbst verwöhnte Hamburger beeindruckt: Es ist die "Queen Mary 2", das größte Passagierschiff der Welt, 72 Meter hoch, mit 345 Meter 76 Meter länger als die "Titanic". Das billigste Ticket kostet knapp 1400 Euro. Mehrere zehntausend Menschen säumen die Flussufer und erwarten mit Hochspannung die Ankunft der Gigantin.

Auf dem Wasser ist es nicht viel leerer als an Land. Alle, die dem Schiff noch näher kommen wollen, haben die Fahrgastschiffe bestiegen. Kein Platz ist mehr frei. Alle wollen der "Königin der Meere" entgegen fahren. Glücklich sind diejenigen, die einen Sportboot-Führerschein und ein eigenes Schiff haben. Mehrere hundert Privatboote bilden mit den Barkassen eine kleine Flotte. Die ganze Armada macht sich von den Landungsbrücken aus auf den Weg, die "Queen Mary 2" zu begrüßen und ihr auf den letzten Kilometern nach Hamburg Geleit zu geben.

Ein königlicher Empfang

Die Wasserschutzpolizei rollt der "Queen" einen roten Teppich aus, indem sie ihr einen Weg durch das Gewusel der Schaulustigen hindurch bahnt. Wie auf Kommando drehen nach dem Rendezvous mit dem Giganten alle kleineren Schiffe und Boote um und folgen der Königin gehorsam. Es sind so viele, dass am Dock 11 der Werft Blohm & Voss ein Stau entsteht, weil sich das Fahrwasser verengt. Viele Boote drehen unfreiwillig mehrere Ehrenrunden, eh sie sich wieder in das Gefolge einordnen können. Vom Reißverschluss-Prinzip hat noch niemand etwas gehört.

Mehrfach lässt die "Queen Mary" zwischen Hamburg-Blankenese und den Landungsbrücken ihr Nebelhorn ertönen. Und das in einer Lautstärke die noch in 18 Kilometer Entfernung zu hören ist. Sie zeigt sich so für die Aufmerksamkeit und den Empfang erkenntlich. In den grau aufdämmernden Morgen hinein nähert sich der ganze Geleitzug dem Kreuzfahrtterminal am Hamburger Grasbrook-Hafen: die "Queen Mary 2 " vorne weg und in respektvollem Abstand das Gefolge.

Alle Zufahrten zum Terminal gesperrt

Am Liegeplatz sind inzwischen die Schaulustigen eingetroffen, die das Anlegemanöver des Schiffes beobachten wollen. Aus Sicherheitsgründen hat die Polizei die Zufahrten zum Terminal abgesperrt und lässt nur Autofahrer durch, die in der Umgebung des Liegeplatzes arbeiten. Diejenigen, die dem Schiff schon applaudiert haben, strömen nun über eine Fußgängerbrücke dem Kreuzfahrtterminal entgegen. Kurz vor Sonnenaufgang ist es endlich soweit: Die "Queen Mary 2" macht die Leinen fest. Um 5.15 Uhr beginnt die Audienz.Am Mittag wird die Königen gedreht, eine Stunde dauert das Manöver bei Windstärke 5. An den Ufern von der Hafencity über die Landesbrücken bis nach Altona und Blankenese haben sich mittlerweile fast eine halbe Million Menschen eingefunden. Bis Mitternacht wird ihre Pilgerreise dauern. Dann wird die Königin standesgemäß verabschiedet.


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