HOME

"SS United States" : Hier verrostet der einst schnellste und luxuriöseste Ozeanriese der Welt

Die "SS United States" verkehrte bis in die 60er Jahre zwischen New York und Europa. Seit 20 Jahren verrostet das Flaggschiff der Supermacht USA im Hafen von Philadelphia. Jetzt droht  dem Transatlantikliner das Ende.

Der Luxusliner am Kai in Philadelphia

Der einstige Stolz Amerikas: Die "SS United States" brach auf ihrer Jungfernfahrt am 3. Juli 1952 den Rekord für die schnellste Atlantiküberquerung. Nur drei Tage, zehn Stunden und 40 Minuten brauchte das Schiff von New York ins englische Southampton - die Bestmarke steht bis heute. 

"Es war das schönste Schiff der Welt", sagt der 82-jährige Joe Rota, der auf der "SS United States" als Liftjunge und als Fotograf einst arbeitete. "Was für ein amerikanisches Symbol." Statt nahe der Freiheitsstatue liegt die nun in Sichtweite einer Ikea-Filiale in Philadelphia.

Der schnellste Dampfer auf der Transatlantikroute wurde 1951 mit Unterstützung der US-Regierung, die den Ozeanriesen im Kriegsfall als Truppentransporter einsetzen wollte, in Newport, Virgina, gebaut. Das Dampfturbinenschiff bot Platz für 2000 Passagiere und 1000 Besatzungsmitglieder. An Bord befanden sich drei Orchester, ein Ballsaal, zwei Kinos, 20 Aufzüge und ein Schwimmbad. "Die Technologie, der Komfort, die Geschwindigkeit, das Essen, alles war so perfekt", erinnert sich Rota. "Wir hatten nie einen Ausfall, wir waren niemals verspätet."

Alles, was in der Nachkriegszeit Rang und Namen hatte, reiste mit der "SS United States". Sogar Leonardo da Vincis "Mona Lisa" kehrte auf dem Schiff von einer Sonderausstellung in der National Gallery in Washington in den Louvre nach Paris zurück. Das Kunstwerk hatte seine eigene Kabine, vor der Schuhe der Größe 48 abgestellt wurden. Offenbar sollten die Passagiere glauben, dass ein sehr großer und kräftiger Mann zum Schutz des Gemäldes in der Kabine sei.

Bald wählten aber immer mehr Reisende das Flugzeug, um den Atlantik zu überqueren. Der Betrieb der "SS United States" lohnte sich nicht mehr. Der ausgemusterte Ozeanriese wechselte mehrfach den Besitzer, Pläne wie die Umwandlung in ein Kasino oder ein Kreuzfahrtschiff wurden aber verworfen. Im Jahr 1984 wurden die Möbel und die Innenausstattung versteigert. Seit 2011 befindet sich das Schiff im Besitz einer Bürgerinitiative, die für eine Erhaltung des legendären Dampfers kämpft.

tib/AFP

Wissenscommunity