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Boeings Prestigeflieger: "Dreamliner" mit dritter Panne in drei Tagen

Die Pannen-Posse um den "Dreamliner" geht weiter: Feuer, ausgetretener Sprit, jetzt noch defekte Bremsen - wie sicher ist Boeings Vorzeigeflieger?

Bei Boeings Vorzeigeflieger Jet 787 Dreamliner ist es zu einer dritten Panne in drei Tagen gekommen. Nachdem am Montag bei einer Maschine von Japan Airlines ein Feuer ausgebrochen war, hatte am Dienstag ein weiteres Flugzeug der Gesellschaft am Boden Treibstoff verloren. Mit mehreren Stunden Verspätung startete der Langstreckenjet schließlich von Boston nach Tokio.

Wegen eines Problems an der Bremse einer Boeing 787 musste am Mittwoch schließlich in Japan ein Inlandsflug annulliert werden. Der Flug ANA 698 vom westjapanischen Yamaguchi nach Tokio musste abgesagt werden, weil Bremsteile am hinteren linken Fahrwerk ausgetauscht werden mussten, die notwendigen Ersatzteile jedoch nicht vorrätig waren, wie ein Flughafensprecher mitteilte. "Im Cockpit der Maschine wurde ein Fehler am Bremssystem angezeigt", sagte eine Sprecherin der Fluggesellschaft All Nippon Airways (ANA). Die Ursache für die Fehlermeldung sei zunächst noch unklar gewesen. Die 98 Passagiere wurden auf eine andere Maschine umgebucht.

Falsch montierte Kupplungsstücke

Die US-Luftfahrtbehörde FAA hatte im Dezember vor möglicherweise undichten Treibstoffleitungen beim "Dreamliner" gewarnt und angeordnet, dass die bislang ausgelieferten Maschinen auf falsch montierte Kupplungsstücke hin überprüft werden.

Auch das Feuer hatte sich auf dem Flughafen von Boston abgespielt bei einer Maschine, die aus Tokio gekommen war. Die Passagiere waren bereits ausgestiegen, als eine Reinigungsmannschaft Rauch in der Kabine bemerkte. Die Flughafen-Feuerwehr rückte an. Als Brandherd wird die Batterie einer Hilfsturbine im Bauch des Fliegers vermutet. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB hat mittlerweile drei Ermittler entsandt, wie sie erklärte.

Schon in der Entwicklung massive Probleme

Die Strecke Boston - Tokio gehört zu den wenigen Routen, auf denen der "Dreamliner" verkehrt. Bis Ende vergangenen Jahres hatte Boeing erst 49 Stück ausgeliefert, rund 800 weitere Maschinen sind bestellt. Zu der jüngsten Pannenserie hält sich das Unternehmen bedeckt. Zusammen mit Luftaufsichtsbehörden und Fluggesellschaften wird nach den Ursachen geforscht.

Bei der Kontrolle der "Dreamliner" von United Airlines ist nach Informationen des "Wall Street Journal" bei einer Maschine eine falsche Verkabelung entdeckt worden genau an der Stelle, wo bei der Japan-Airlines-Maschine wohl das Feuer ausgebrochen war. Die Zeitung berief sich dabei am Dienstag auf eine Person, die mit der Überprüfung vertraut ist.

Schon in der Entwicklung hatte der "Dreamliner" massive Probleme bereitet. In dem Modell werden großflächig leichte Verbundwerkstoffe verbaut, wohingegen Flugzeuge üblicherweise aus Aluminium bestehen. Auch im laufenden Betrieb häuften sich die Pannen. Die neuerliche Negativmeldung schickte die Boeing-Aktie um 3 Prozent in den Keller, nachdem sie am Montag bereits 2 Prozent an Wert eingebüßt hatte.

Ist der "Dreamliner" sicher?

Auch wenn bei den "Dreamliner"-Pannen bislang niemand ernsthaft verletzte wurde, wird nun in den amerikanischen Medien die Frage nach der Sicherheit des hochgezüchteten Jets gestellt. "Es gibt eine feine Linie zwischen einem neuen Flugzeug mit ein paar Fehlern und einem neuen Flugzeug mit richtigen Problemen", sagte Luftfahrt-Analyst Henry Harteveldt der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg. "Und ich habe die Sorge, dass die 787 die Linie in Richtung Probleme überschreitet."

Schon vor der jüngsten Pannenserie hatte es mehrfach technische Probleme mit dem Dreamliner gegeben. Im Juli 2012 schickte ANA fünf ihrer neuen Boeing 787 Dreamliner wegen eines Korrosionsproblems an den Getrieben zur Reparatur. Im Februar meldete Boeing, bei rund 55 Dreamlinern könne es Probleme mit dem Rumpf geben.

Das Prestigeobjekt von Boeing

Der Dreamliner war 2011 mit dreijähriger Verspätung an den ersten Kunden - All Nippon Airways - ausgeliefert worden. Die ersten Flüge starteten im Oktober 2011. All Nippon Airways und Japan Airlines gehören zu den wichtigsten Kunden von Boeing, ANA hat bislang insgesamt 66 Dreamliner bestellt. Der Dreamliner ist das Prestigeobjekt von Boeing und der Konkurrent des A380 des europäischen Flugzeugbauers Airbus. Die Boeing 787 mit Platz für 330 Passagiere ist überwiegend aus Leichtmaterial gebaut und verbraucht nach Angaben des Herstellers 20 Prozent weniger Treibstoff als vergleichbare Maschinen.

ins/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters

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