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Dominikanische Republik: Alles exklusiv!

Domrep, das war dank "saubilliger" All-inclusive-Angebote lange Zeit gleichbedeutend mit Schnäppchen und Schnäpschen. Die Dominikanische Republik hat sich inzwischen vom Ruf des karibischen Ballermanns befreit. Nun ist es edler, aber auch teurer.

Von Wolfgang Röhl

Hamburg, Mitte Januar. Beim Friseur. - Bitte recht kurz schneiden, die Haare. Es geht in die Wärme. Dominikanische Republik, beruflich. - In die Domrep?! Sie Armer! Oh weh. Wenn die eigene Friseurin so was sagt, dann ahnt man: Da ist ein Land, das hat ein Imageproblem. Das hat einen Ruf wie Donnerhall: als karibischer Ballermann, wo sich stumpfsinnige Grillwürstchen in All-inclusive-Ghettos rund um die Uhr volllaufen lassen. Selbst manchem, der dort Urlaub gemacht hat, ist das ein bisschen peinlich. "War in der Karibik", sagt er hilfsweise. Dominikanische Republik, 24 Stunden später. Auf der Terrasse des Hotels Gran Bahía Príncipe. Beim Frühstück im Schatten des Holzdachs geht der Blick auf die stahlblaue Bucht von Samaná und die Insel Cayo Levantado. Auf der wurde angeblich der bekannte Barcardi-Werbespot gedreht, der trunkene junge Menschen zeigt. Das Büfett bietet sechs Sorten Käse, frischen Lachs, Eier, knusprige Croissants, französischen Toast, exotische Früchte, frisch gepresste Säfte und vieles mehr. Aufmerksame Kellnerinnen schenken Kaffee und Tee nach, räumen leere Teller ab.

Das im viktorianischen Stil gebaute Fünf-Sterne-Haus der Bahía-Príncipe-Kette - 110 Zimmer, zwei Spezialitätenrestaurants, mit viel Marmor veredelter Empfangsbereich, Fitnessräume, Wassersportzentrum - erhebt sich wie eine rosaweiße Burg über der Felsenküste. Es zieht vor allem Kanadier, Amerikaner und Deutsche an. Ausnahmslos alle sind Allinclusive- Gäste, selbstredend. Die meisten Ferienhotels in der Dominikanischen Republik funktionieren ja nach diesem Prinzip. Der Gast zahlt einen Pauschalpreis und darf dafür in Bars und Restaurants beliebig zulangen. Genau genommen wurde All-inclusive (AI) hier erfunden, um hernach seinen Siegeszug durch die Ferienwelten anzutreten. Die Geissel der frühen AI-Tage, bezechte Gäste mit grauenhaften Klamotten und schlechten Manieren, sie fehlt im Gran Bahía gänzlich. Für ein Wochenpaket mit Flug verlangt das Reisebüro immerhin 1500 Euro. Das Sol-Meliá-Hotel Paradisus am Bávaro-Strand von Punta Cana ist ebenfalls ein AI-Haus. Ballermänner gehen dort erst recht nicht um, dafür sorgen die happigeren Preise. Das Hotel punktet mit einer elegant gestylten Lobby und durchdachten Details wie der Unterbringung von Familien und Singles/Paaren in weit auseinanderliegenden Flügeln.

Karibik für Arme

Die Säulen- und Arkadenseligkeit wirkt etwas dick aufgetragen, kommt aber bei vielen Gästen an. Das 2006 eröffnete Resort, Mitglied der Gilde "The Leading Hotels of the World", erschlägt den Erstbesucher mit der schieren Quantität seiner Fazilitäten: fünf À-la-carte-Restaurants, acht Bars, drei Swimmingpools, lagunenartiger Hauptpool, Spielkasino. Standardzimmer sind 540 Juniorsuiten mit Jacuzzi. Wer nicht über einen Pauschalreiseveranstalter, sondern individuell bucht, wird mit rund 400 Dollar pro Tag zur Kasse gebeten. Gegen 70 Dollar Aufpreis pro Tag und Nase gibt es ein Upgrade: abgetrenntes Areal zum Sonnenbaden, Vorrang bei Tischreservierungen, einen Butler. Wirklich, wer zuletzt vor 10 oder 15 Jahren Alles-drin-Urlaub in der Domrep gemacht hat, erkennt die Szene nicht wieder. Damals wurde die Insel, auf der Kolumbus 1492 den ersten Stopp seiner vermeintlichen Indienreise machte, von deutschen Veranstaltern mit Schnäppchenjägern überschwemmt. Manche von ihnen zahlten weniger als 400 Euro für einen zweiwöchigen AI-Urlaub. Dumping-König war der Veranstalter FTI, der damals an den britischen Konzern My Travel verkauft worden war, bevor ihn schließ­lich 2003 Gründer Dietmar Gunz wieder zurückerwarb.

Unter den Briten wollte FTI den dominikanischen Markt auf Teufel komm raus aufrollen und verramschte Reisen oft unter den Entstehungskosten. Man karrte massenhaft Gäste in eng bestuhlten Maschinen der berüchtigten Britannia Airways heran. Lud sie in schäbigen Hotelanlagen ab, wo strömender Rum den kulinarischen Höhepunkt darstellte, und schuf sich so eine prollige Stammkundschaft. Obwohl das Land schon damals hochwertige Ferienzentren besaß - etwa die amerikanische Promi-Oase Casa de Campo bei La Romana -, klebte an ihm alsbald das Etikett "Karibik für Arme". "Von dem, was manche Veranstalter ihr angetan haben, hat sich die Domrep zehn Jahre lang nicht erholt", sagt Dorothea Hohn, Geschäftsführerin der Frankfurter PR-Agentur C & C, die das Image der Insel im deutschen Markt liften soll. Der Umsatz bei Reisen aus Deutschland im Winter 2007/08 sank um neun Prozent, meldete das Fachblatt "Touristik Report". Noch hat sich hierzulande nicht herumgesprochen, dass in der Domrep ein frischer Wind weht. Die bisher chaotisch wuchernde Tourismusindustrie wird seit drei, vier Jahren sanft gesteuert. Nach der Devise des Tourismusministers Félix Jiménez "Qualität statt billig" verordnete sich die Insel einen Umbauplan. Dafür wurden neue Straßen, Abwässersysteme, Promenaden gebaut und verdreckte Strände wie der Long Beach von Puerto Plata saniert.

Tourismusentwicklung planen

Auch die Kreuzfahrtterminals in Santo Domingo und La Romana wurden aufgehübscht. Um den Tourismus in Samaná zu fördern, wo einige der schönsten Landschaften und Strände liegen, wurde am Eingang zur Halbinsel der internationale Flughafen El Catey gebaut. Bis Ende 2008 sollen 190 Millionen Dollar in den Ausbau der Infrastruktur fließen. "Zum ersten Mal in der Geschichte unseres Landes wird die Tourismusentwicklung geplant", freut sich Petra Cruz, Direktorin des Dominikanischen Fremdenverkehrsamtes in Frankfurt. Vollmundige Absichtserklärungen stoßen allerdings schnell an Grenzen, die eine chronisch leere Staatskasse, marode Verwaltungen und flächendeckende Korruption setzen. Auch ist nicht klar, ob die Qualitätsoffensive anhalten wird. Im Mai finden Präsidentenwahlen statt, die Prioritäten verändern könnten. Dennoch, die bisherigen Erfolge sind nicht zu übersehen. An touristischen Hotspots wie Punta Cana werden jetzt nicht mehr nur Hotels und Golfplätze gebaut, sondern endlich auch Straßen, die den heftig angeschwollenen Verkehr aufnehmen können. Bisher brauchte der Bus von den Strandhotels über Schlaglochpisten 45 Minuten zum nahen Flughafen. Bald soll er das in 20 Minuten schaffen. Das Ausmaß der Buddelei wird erst aus der Luft deutlich. Sogar eine Autobahn wurde in die menschenleere Landschaft hinter den Hotelburgen geklotzt. Durch die Aufwertungen erhofft sich das Tourismusministerium mehr Gäste und einen Anstieg der Einnahmen um 100 Millionen Dollar jährlich.

Realistisch? Zwar scheinen Schmuddelnester wie Sosúa, Boca Chica oder Juan Dolio immun gegen jedwede Veränderung. Doch andernorts hat der Wandel längst begonnen. An den Stränden von Punta Cana und im Norden bei Puerto Plata sind brandneue Urlaubsfabriken entstanden, die auf ein und demselben Areal unterschiedliche Ansprüche bedienen. Etwa der Komplex der mallorquinischen Hotelkette Riu am Strand von Arena Gorda. Fünf Hotels und Bungalowanlagen mit fast 3000 Betten, eine kleine Stadt: Parkanlagen, Tennisplätze, Geschäfte, Pools, Restaurants und Bars. Da gibt es schöne, nicht ganz billige Hotels wie das "Macao" mit Spielkasino, aber auch eine günstige Absteige namens "Naiboa" in einem 08/15-Hochbau. Die legere Bungalowanlage "Bambu" gefällt vor allem Europäern. Und das Flaggschiff, das 2006 eröffnete "Riu Palace Punta Cana", spricht Yankees an, die im Urlaub schräg gestylte Hotelpaläste mit allem Komfort bevorzugen. Die blendend helle, mit Türmchen und Zinnen verzierte Anlage wirkt wie eine Mixtur aus Taj Mahal, Alhambra, Fontainebleau, spanischer Plaza und englischem Schlossgarten. Prunkstück ist die Lobby im Empfangsgebäude.

Kampf gegen Image als Billigreiseziel

Eine Orgie aus Marmorböden, Teppichen, Rüschengardinen, griechischen Säulen, Amphoren, Botticcelli-Gemälden, Stilmöbeln, Pflanzen, Buntglasflächen, Spiegeln, Lüstern, Kandelabern. Und Gold, Gold, Gold! Eine Kathedrale des Massentourismus. Wo das Hotel steht, war vorher nichts außer Sand. Nach 15 Jahren wird man es vielleicht wieder abreißen und durch neuen, zeitgemäßen Kitsch ersetzen. Wer beim "Palace" nach links am Meer entlangspaziert, wird die Zukunft gewahr. In salzdunstiger Ferne erkennt er ein kapitales Bauprojekt. Am westlichen Zipfel der Domrep, wo sich die Wellen vom Karibischen Meer und dem Atlantik mischen, stampfen sie - ausgerechnet in einem Naturschutzgebiet - die bislang größte und luxuriöseste Ferienanlage der Insel aus dem Boden. Vor einem 5,6 Kilometer langen Privatstrand baut die Westin-Gruppe auf über 1000 Hektar Terrain das "Roco Ki", einen Ferienpark für die richtig Reichen. Neben einem Edel-Hotel, das bereits in diesem September eröffnen soll, entstehen Villen, Bungalows, Shoppingmeilen, eine Lagune mit Yachthafen und der wohl spektakulärste Golfplatz der Karibik, pittoresk auf einer meerumtosten Felsenzunge gelegen. "Mekka des karibischen Golfs", begeisterte sich ein Fachmagazin schon mal vorab.

Marko Radin, "Roco Ki"-Verkaufsmanager, hat eine Weile in England gelebt und erinnert sich noch an jene Zeiten, als in die Dominikanische Republik nur fuhr, "wer wenig Geld hatte". Jetzt rennen ihm betuchte Inselliebhaber die Bude ein. Ein kleines, strandnahes Apartment verkauft er für 950.000 Dollar, feilschen zwecklos. "Neulich haben wir an einem einzigen Tag Einheiten für 150 Millionen Dollar abgesetzt", sagt er. Ein weiteres, noch gewaltigeres Bauprojekt ist in der Planung. In ein paar Jahren soll bei Punta Cana das "Capcana" stehen, ein Himmel auf Erden für die Golfer-Elite und alle, die ein paar Millionen zu viel auf dem Konto haben. 30 gefragte 18-Loch-Golfplätze für sportliche Besserverdiener gibt es bereits auf der Insel. Doch solche Superlative scheinen dem Tourismusminister Jiménez inzwischen schon suspekt zu sein. Immerhin bringt unterm Strich auch hier Masse mehr als Klasse. 3,2 Millionen Ausländer kamen in der vergangenen Saison; vier Millionen peilt das Ministerium für die kommende an. Jiménez: "Natürlich kämpfen wir gegen das Image als Billigreiseziel, wollen aber andererseits auch keine elitäre Destination werden."

Korrupt, aber sympathisch

Keine Sorge. Globalisierung hin oder her - die Reichen können nicht überall sein. Da jene Hälfte der Insel Hispaniola, auf der die Domrep liegt (den Westen belegt Haiti), über mehr Strandkilometer verfügt als jede andere in der Karibik, bleibt fürs normale Urlaubsvolk allemal Raum. Für jene, die weder Golf spielen noch sich in den riesigen AI-Lagern wohlfühlen, ist zum Beispiel die "Villa Serena" in Las Galeras auf der Halbinsel Samaná wie geschaffen. Das beliebte Haus wurde schon öfters von Filmcrews verewigt, unter anderem für eine Folge der ARD-Serie "Das Traumhotel". Die trug bezeichnenderweise den Zusatz "Karibik", nicht "Dominikanische Republik". Da steht wohl harte Imagearbeit an, bis dieses Ferienziel jemals so etwas wie Glamour verströmen wird. Jedes der 21 Zimmer der "Villa Serena" in den zwei weitläufigen Gebäuden sieht anders aus. Niemals wird der große, tropische Garten am Meer von Gästen überrannt, nie herrscht Massenauftrieb im Speisesaal. Verena Löffler führt das Hotel im Auftrag der kroatischen Besitzerin. Sie kümmert sich um jeden Gast persönlich. Deutsche, Österreicher und Franzosen stellen ihre Hauptklientel. "Korrupt, aber sympathisch", nennt Verena Löffler die Insel, in die sie sich unheilbar verliebt hat. "In dieser Gegend", schwärmt sie, "gibt es versteckte Buchten, die man den ganzen Tag für sich allein hat. Können Sie sich das vorstellen? In der Domrep?"

Exklusiv und inklusiv

Anreise

Flüge nach Santo Domingo oder Punta Cana ab rund 600 Euro

Unterkunft

Barceló Bávaro Beach Resort, Convention Center Golf & Casino. So umständlich nennt sich der Pionier des AI-Tourismus am feinen Bávaro-Strand. Fast 2000 Zimmer in insgesamt fünf Hotels, Spielkasino, Veranstaltungszentrum. Steigt man im Spitzenhaus ab, dem Palace, kann man die Einrichtungen der gesamten Anlage benutzen. Die Bandbreite reicht vom kleinen Hotel direkt am Golfplatz über eine gepflegte Anmacher-Disco bis hin zur hübschen, mit Schilf gedeckten Kapelle San Salvador. Tel.: 001809/6 86 57 97, Fax: 6 85 25 90, www.barcelo.com Hotel Viva Wyndham Samaná. Preiswerte, leider ziemlich abgewohnte AI-Anlage in der Nähe des quirligen Örtchens Las Terrenas, dem Zentrum des Individualtourismus auf Samaná. Knüller ist der Strand, der vielleicht schönste der Insel.

Wandermöglichkeiten in der Umgebung. Im Hotel keine Zimmer, sondern Bungalows verlangen! Atlantis Hotel, ebenfalls bei Las Terrenas. Sehr ruhig am Bilderbuchstrand Playa Bonita gelegen (hier wurden Teile von "Klinik unter Palmen" gedreht); geführt von Gerald und Veronique, von Gästen gerühmt für die Küche (französischer Koch!), DZ ab 46 Euro (p. P.); www.atlantis-hotel.com.do; Tel.: 001809/240-61 11, Fax: 62 05 Villa Serena. Persönlich geführtes Hotel auf der Halbinsel Samaná. 21 unterschiedlich gestaltete Zimmer, tropischer Garten. Hier wurde eine Folge der ARD-Serie "Das Traumhotel" gedreht. DZ/F. ab 48 Euro p. P., Tel.: 001809/538-00 00, Fax: -00 09, www.villaserena.com

Pauschal

Beispiele: 14 Tage All-inclusive im Barceló Bávaro Palace bei FTI inkl. Flug ab 1700 Euro. Bei Tui ist eine Woche mit Frühstück in der Villa Serena inkl. Flug ab 1049 Euro zu haben. Eine Woche AI im Hotel Viva Wyndham Samaná inkl. Flug ab rund 1200 Euro bei Neckermann.

Information

Fremdenverkehrsamt der Dominikanischen Republik, Hochstraße 54 in 60313 Frankfurt, Tel.: 069/91 39 78 78, www.godominicanrepublic.com

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