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Hochhaus Burj Chalifa in Dubai: Höchste Luftnummer der Welt

Drei Monate nach der Eröffnung ist es still im höchsten Turm der Welt. Wohnungen und Büros stehen leer, die Aussichtsplattform ist bis auf weiteres geschlossen und das Armani-Hotel noch nicht eröffnet.

Von Swantje Dake

Die Fensterputzer wienern eifrig die gläserne Fassade. Der Burj Chalifa blinkt und blitzt in der grellen Sonne. Stolz ragt er in den Himmel über Dubai, nur die stets dünner werdende Spitze des Gebäudes wirkt wackelig. Der 828 Meter hohe Turm erstaunt und fasziniert. Weltweit wurden die fünfjährige Bauzeit und die Eröffnung Anfang Januar verfolgt.

Doch nach drei Monaten ist es um den höchsten Turm der Welt erstaunlich still geworden. Die Hingucker, all das Spektakuläre, die angekündigten Neuheiten bleiben dem breiten Publikum vorenthalten. Oder gibt es (noch) nichts zu sehen? Bilder aus dem Inneren des Turms sind Mangelware - weder aus den Clubs und Restaurants, noch vom Fitnessraum auf vier Etagen und von den Außenpools. Büros und Wohnungen stehen zum größten Teil leer.

Wegen Instandhaltungsarbeiten geschlossen

Die Aussichtsplattform, die für jedermann zugänglich ist, wurde einen Monat nach der Eröffnung geschlossen. "Aufgrund des unerwartet hohen Besucherandrangs wurde die Plattform vorübergehend für Instandhaltungsarbeiten geschlossen", sagte ein Sprecher des Burj Chalifa. Gleichzeitig hieß es in der Pressemitteilung der Immobilienfirma Emaar Properties, es habe Probleme mit der Elektrik gegeben. Rühmlich ist das beileibe nicht nach einem Monat Betrieb. Der Besucherandrang war durchaus vorhersehbar. Mehr als sieben Millionen Touristen reisen jedes Jahr nach Dubai. 15.000 Tickets waren vorab gebucht und bezahlt.

Viele monumentale Bauwerke werden deutlich später als geplant fertig, die Kosten explodieren. Unumstritten ist der Turm eine Meisterleistung der Ingenieure. Aber beim Burj Chalifa driften Anspruch und Wirklichkeit auseinander. Auf der Aussichtsplattform gibt es einen Bereich, der den hochtrabenden Namen "From the earth to the sky" heißt. Dort kann man die Geschichte "Ich bin der Burj Chalifa" lesen, in der es heißt: "In mir sind Ingenieurwesen und Kunst in einzigartiger Weise vereint. Jedes Detail ist wohldurchdacht und ein Meisterwerk handwerklicher Arbeit. Ich bin das Wahrzeichen der hohen Ambition von Emaar und des strahlenden Traums von Dubai."

Termin für Wiedereröffnung unklar

Derzeit ist der Traum verblasst. Die vorübergehende Schließung dauert an. Zunächst sollte sie nur wenige Tage andauern, doch bislang ist das Ende nicht absehbar. Der Bauherr Emaar Properties schweigt beharrlich. "Es dürfte sich nur noch um Tage handeln", sagt eine Sprecherin des deutschen Büros des Fremdenverkehrsamtes Dubai hoffnungsvoll. Sie weiß, dass mit der Schließung des höchsten Turms der Welt die größte Attraktion der Stadt den Urlaubern verwehrt bleibt. Nicht, dass Dubai nicht auch andere Anziehungspunkte hätte, aber wer für seinen Dubaiurlaub die Fahrt in die 124. Etage des Turms eingeplant hat, wird zwangsläufig enttäuscht. Umso mehr, da die Betreiberfirma auf ihrer Homepage mit keinem Wort auf die Schließung hinweist. Weiterhin kann man für 100 Dirham (20 Euro) Tickets buchen, wenn man Wartezeiten in Kauf nimmt, 80 Euro würde eine sofortige Fahrt nach oben kosten.

Schon die Eröffnung des Turms wurde mehrfach verschoben. Am 4. Januar dieses Jahres wurde mit weniger Prunk und Pomp, als man es im Emirat gewöhnt ist, gefeiert. Keine internationalen Showstars, dafür ein Feuerwerk und eine dicke Überraschung. Der 828 Meter hohe Turm, bislang als Burj Dubai bekannt, hieß ab sofort Burj Chalifa. Zum Dank an den Herrscher von Abu Dhabi, dem Nachbaremirat. Erst im Herbst hatten die reichen Nachbarn Dubai aus einer finanziellen Klemme geholfen.

Armani-Hotel verzögert sich

Auch das weltweit erste Hotel von Giorgio Armani kann erst mit Verzögerung eröffnen. Angekündigt für den 18. März, soll es nun am 22. April so weit sein. Neben den Hotelzimmern in der ersten bis achten und in der 38. und 39. Etage hat der italienische Designer 144 Appartements eingerichtet. "Die 900 Wohnungen im Burj Khalifa sind größtenteils bereits vermietet", so die Sprecherin des Fremdenverkehrsamtes. Ob sie bereits bezogen sind, kann sie nicht sagen. Von Emaar Properties gibt es keine aktuelle Auskunft. Ende Februar hatte der Bauherr angekündigt, dass die Übergabe der Appartements und Büros im März beginnt und bis zu sechs Monaten dauern könnte. Im März wurde auf den April vertröstet.

Und nun auch noch das: Der höchste Turm der Welt beansprucht mehrere Rekorde für sich. Doch einen Titel muss er wieder abgeben. Das Council on Tall Buildings and Urban Habitat (CTBUH) aus Chicago ist für die offizielle Verteilung der Höhenrekorde zuständig. Demnach hat der Burj Chalifa nicht die höchste Aussichtsplattform der Welt zu bieten. Die Plattform des World Financial Centre in Shanghai liegt auf 474 Metern Höhe, 22 Meter mehr als die in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Anstatt die Ehre zu streichen, setzten die Bauherren aus Dubai einfach ein Anhängsel hinzu: "Höchste Aussichtsplattform der Welt mit einer Terrasse". Abgesehen davon, dass dieser Titel von der Organisation in Chicago nicht geführt wird, ruht er bis auf weiteres wegen Instandhaltungsarbeiten.

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