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Last-Minute-Reisen zur WM: Der Ausverkauf kurz vor dem Anpfiff

Zwei Wochen vor der Eröffnung der WM gibt es noch Karten für alle Spiele. Auch Flugtickets sind noch zu haben. Wer sich kurzfristig entschließt, die Spiele live zu erleben, kann 40 Prozent sparen.

Von Till Bartels

Noch sind 160.000 Eintrittskarten für die Fußball-Weltmeisterschaft zu haben. Seit Freitag wird das letzte große Kartenkontingent über die Fifa, Reiseveranstalter und in südafrikanischen Supermärkten verkauft. Darunter sind Eintrittskarten für alle 64 Spiele, einschließlich des Eröffnungsspiels, der beiden Halbfinalpartien und des Endspiels.

Bisher sind 96 Prozent der insgesamt 2,88 Millionen verfügbaren Tickets abgesetzt. "Unser Ziel sind etwa 97 oder 98 Prozent. Das würde den Zahlen der letzten Fifa Fußball-Weltmeisterschaften entsprechen und uns sehr glücklich machen", so Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke. Besonders der Verkauf in der Kategorie 1 bereitet den Verantwortlichen Probleme. In der obersten Preisklasse beginnen die Ticketpreise bei 160 US-Dollar. Bei einem Durchschnittseinkommen von 350 Euro im Monat kann sich das kaum ein Südafrikaner leisten.

Doch durch eine Neuzuordnung der Eintrittskarten stehen ab sofort noch 28.000 Karten in der Kategorie 3 (ab 120 US-Dollar) und 23.000 Karten der Kategorie 2 (ab 80 US-Dollar) zur Verfügung. Die Eintrittskarten der preisgünstigsten Kategorie 4 ab umgerechnet 15 Euro sind allerdings nur für den Verkauf an Personen in Südafrika gedacht.

Gedämpfte Erwartungen

Nicht nur im Gastgeberland, deren Bewohner die Stadien füllen sollen, verlief der Vorverkauf schleppend, sondern auch international. Die von der Fifa beauftragte Ticketagentur Match gab im vorigen Monat die Hälfte ihrer Kontingente zurück. Dabei hatten im letzten Jahr die WM-Organisatoren in Südafrika mit einer halben Million WM-Fans aus aller Welt gerechnet. Zwei Wochen vor dem Anpfiff zeigt sich, dass sich die vollmundig verkündeten Erwartungen nicht erfüllen werden: "Ich denke, wir werden auf 300.000 kommen", gibt Fifa-Organisationschef Danny Jordaan zu. Er verweist auf die "neuen Realitäten" in der Welt, auf die Wirtschaftskrise, die auch die wichtigsten Länder für den Fußball-Tourismus wie Deutschland und Großbritannien getroffen hätten.

Der große Ansturm auf Reisen nach Südafrika ist ausgeblieben. "Es gibt überall noch Plätze", sagt die Pressesprecherin von Dertour auf Anfrage von stern.de. Der Reiseveranstalter bietet Pakete inklusive Flug, Unterkunft, Transfer und Eintrittskarte ab 1698 Euro an. Gerade für die Vorrundenspiele sei die Auslastung nicht so wie erhofft. Deshalb wurden für diese Termine die Preise um 40 Prozent reduziert und Last-Minute-Angebote aufgelegt.

Den Grund für die Zurückhaltung deutscher Fans sieht ein Mitarbeiter des Düsseldorfer Sportreiseveranstalters Vietentours, der ebenfalls Reisen zur WM im Programm hat, in der negativen Berichterstattung über die Sicherheitslage in Südafrika. "Die Leute haben sich leider abhalten lassen." Nach eigenen Angaben befördert Vietentours nur eine "hohe dreistellige Zahl" von Fußball-Fans aus Deutschland nach Südafrika. Durch Partner-Aktionen mit regionalen Fußballverbänden konnten die Preise gesenkt geworden: Die einwöchige Pauschalreise nach Südafrika mit Eintrittskarte zum Spiel am 23. Juni, Deutschland gegen Ghana, in Johannesburg inklusive Rahmenprogramm gibt es jetzt ab 1800 Euro. Das entspricht fast dem Preisniveau einer normalen Südafrika-Rundreise.

Flüge ab 800 Euro

Wer sich den Fußball-Trip lieber individuell zusammenstellt und kurz vor dem Eröffnungsspiel von Frankfurt nach Johannesburg fliegen möchte, bezahlt auf Flugbuchungsportalen im Internet via London knapp 800 Euro für den Hin- und Rückflug. Auch South African Airways hat während der WM noch Plätze frei und spricht von nur 70 Prozent Auslastung.

Katerstimmung am Kap herrscht auch bei den Hoteliers. Die hatten aufgerüstet und die Kapazität durch Neubauten um 10.000 Betten aufgestockt. Über Monate waren viele Zimmer vom Weltfußballverband und durch Reiseagenturen für die Zeit zwischen dem 12. Juni und 12. Juli blockiert. Jetzt wurden die Zimmer storniert und die leeren Betten müssen kurzfristig losgeschlagen werden.

Das freut spontane Südafrika-Besucher. Sie gehören schon jetzt zu den Gewinnern. In Johannesburg und Kapstadt sind Unterkünfte weit unter 100 Euro zu haben. "Die Preise sind weicher geworden", wie eine Reiseveranstalterin sagt. Falls die deutsche WM-Elf es bis ins Halbfinale und Finale schaffen sollte, sind freie Betten für zusätzliche Fußball-Zuschauer, die eingeflogen werden, kein Problem. Dertour steht in den Startlöchern und könnte wie vor acht Jahren nach Japan kurzfristig Charterflüge auflegen.

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