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Thailand: Elefantenpolo im Goldenen Dreieck

Im Goldenen Dreieck ist das internationale Elefantenpoloturnier zu Ende gegangen. Das deutsche Team verpasste den Sieg knapp - obwohl die Elefanten fleißig mitkickten.

Von Michael Lenz, Chiang Saen

Das Finale des einwöchigen Elefantenpoloturniers im Goldenen Dreieck im Norden Thailands hätte dramatischer nicht sein können. Heftige Regenfälle hatten den Sportplatz einer Schule in dem Städtchen Chiang Saen in einen Morast verwandelt und unbespielbar gemacht.

Statt der üblichen zwei Mal sieben Minuten dauernden Chakkas (Halbzeiten) wurde das Finale zwischen dem deutschen "Mercedes Benz"-Team und den Schotten "Thisisthelife.com" mit dem jungen Duke of Argyle als Kapitän um den Pokal des thailändischen Königs durch ein 15-Meter-Schießen entschieden. Jedenfalls fast.

Denn am Ende des 15-Meter-Schießens stand es immer noch unentschieden - die Entscheidung musste in der "Plötzlicher Tod" genannten Runde fallen. Dazu wurde die Entfernung zum Tor auf 20 Meter erhöht. Das Team mit dem ersten Fehltreffer erleidet den "Sudden Death". Dieses Schicksal ereilte das deutsche Team.

Christopher "Niffy" Winters Schlag fehlte der entscheidende Schwung und der apfelsinengroße Ball blieb vier Zentimeter vor der Torlinie einfach liegen. Damit war der Traum vom dritten Pokalsieg der Deutschen nach 2002 und 2003 ausgeträumt. Winter nach dem Spiel: "Wir sind guter Zweiter geworden. Das ist doch auch was."

Teams aus aller Welt

Zwölf Teams aus vier Kontinenten mit Spielern und Spielerinnen aus neunzehn Ländern waren nach Chiang Saen gekommen, um sich eine Woche lang dem Elefantenpolosport hinzugeben. Obwohl man sich den Eindrucks nicht erwehren konnte, die Elefantenpolospiele seien nur dazu da, um die Lücke zwischen zwei Partys zu füllen. "Sport und Spaß sind gleichermaßen wichtig", grinst der Engländer Jim Edwards, der vor 25 Jahren in den Schweizer Alpen zusammen mit dem Schotten James Manclark das Elefantenpolo erfunden hat.

Der leidenschaftliche Pferdepolospieler Manclark sagte damals im Januar 1981 in einer Hotelbar in St. Moritz zu Edwards: "Sag mal, du hast doch Elefanten in Nepal. Wollen wir nicht mal Elefantenpolo spielen?" Edwards: "Toll, das machen wir." Schon zu Ostern desselben Jahres fand das erste Turnier in Nepal in Edwards Resort "Tiger Tops" statt. Heute wird Elefantenpolo außer eben in Nepal und Thailand auch in Sri Lanka gespielt.

Glorreiche Vergangenheit

Eröffnet wurde das Turnier mit einer fabelhaften Parade der Elefanten und der Mannschaften durch Chiang Saen entlang des Mekong. Für Glanz sorgten Thais in prächtigen historischen Kostümen und Gruppen der Bergstämme wie der Karen oder Hmong in ihren bunten traditionellen Trachten. Ganz Chiang Saen war auf den Beinen. War doch das Elefantenpoloturnier das größte Ereignis seit der Zeit, als Chiang Saen im zehnten Jahrhundert als erste Hauptstadt Thailands erbaut wurde.

Von der glorreichen Vergangenheit zeugen heute nur noch einige verfallene Türme, Tempel und Reste der Stadtmauer. Ein großer Teil des historischen Chiang Saen liegt allerdings noch begraben unter dicken Erdschichten oder ist von Dschungelpflanzen überwuchert.

Das von dem Luxushotel "Anantara Resort" seit sechs Jahren veranstaltete Elefantenpolo ist vielleicht ein exzentrischer Sport der "neo-kolonialen High Society", wie Kritiker meinen. Es hilft jedenfalls, reich zu sein. Denn mit 14.000 US-Dollar Startgebühren pro Team ist das kein billiges Vergnügen, aber eines für einen guten Zweck.

Allein in diesem Jahr brachte das Turnier dem "Thai Elephant Conservation Camp" (TECC) in Lampang umgerechnet 30.000 Euro ein. "Durch den Schutz der Elefanten leisten wir einen wichtigen Beitrag, die Umwelt zu erhalten", sagt Jan-Willem Adrian, Chef der der asiatisch-pazifischen Sektion des Hauptsponsors, der deutschen Firma "DHL Globalmail".

Elefanten auf Opium

So ganz ohne Wettbewerbsdruck und sündhaft teure Stargebühren können Urlauber das Reiten auf einem der zehn Jumbos im hauseigenen Elefantencamp des "Anantara Resort Golden Triangle" lernen. Jüngster Neuzugang unter den Elefanten ist die acht Jahre alte Nong Pleum, die bis vor wenigen Monaten von ihrem Mahout als Bettelelefanten durch die stickig-heißen Touristenviertel von Bangkok getrieben wurde.

Das Anantara habe in Zusammenarbeit mit dem TECC die Elefantendame samt ihrem Mahout "gemietet", sagt John Roberts, Elefantendirektor des Anantara. "Hätten wir Nong Pleum gekauft, hätte sich der Mahout von dem Geld vermutlich einen neuen Elefanten zugelegt und wäre mit dem wieder auf Betteltour gegangen."

Als Gegenmittel zu einer Überdosis an Elefantenabenteuern bieten sich im Goldenen Dreieck Ausflüge in Longtail-Booten über den Mekong, der Besuch von Dörfern der Bergstämme oder Exkursionen über den Markt der burmesischen Grenzstadt Takilek an. Einen ebenso unterhaltsamen wie lehrreichen Einblick in die Vergangenheit und (teilweise noch) Gegenwart des Golden Dreiecks als Epizentrum des Opiumanbaus bietet die "Hall of Opium" bei Chiang Saen.

Aber selbst im Opiummuseum kann man Elefanten nicht ganz entkommen. In Indien nämlich, so lernt man mit Erstaunen, verabreichten die Maharadschas früher ihren Kriegselefanten Opium, um sie auf dem Schlachtfeld gefügiger zu machen.

Den Poloelefanten reicht schon eine gute Portion Zuckerrohr, um glücklich und flink übers Spielfeld zu traben und hier und da mit einem kleinen Kick gegen den apfelsinengroßen Ball ins Spielgeschehen einzugreifen. So richtig glücklich aber waren die Jumbos, als es zur Turniereröffnung hieß: das Elefantenbuffet ist eröffnet. Im Nu waren Tonnen von Ananas, Bananen, Kokosnüssen, Melonen, Mais und Papayas verputzt.

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