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Tour ums Kap: Pinguine, Paviane und Champagner

Wie ein gekrümmter Finger schiebt sich die Landspitze südlich von Kapstadt in den Atlantik - mit atemberaubenden Küstenstreifen, einer üppigen Pflanzenwelt und Wildtieren aller Art: Pinguine, Paviane und Straußenvögel kreuzen den Weg zum Kap der Guten Hoffnung.

Von Kirsten Wörnle

Vorsicht Pinguine! Das Warnschild steht gleich mehrfach am Straßenrand. Wir sind in Boulders, der Wahlheimat von kleinen Watschelhelden. Vor 15 Jahren ging hier eine Handvoll Brillenpinguine an Land. Heute leben an die 4000 Tiere in dem beschaulichen Badeort. Sie bevölkern eine feinsandige Bucht zwischen rund gewaschenen Granitsteinen und kommen gelegentlich herüber zum Badestrand. Dann zerren die befrackten Viecher schon mal an Handtüchern, schnappen sich Bikini-Oberteile und stupsen kleinen Nackedeis in den Hintern.

Die kleinen Frackträger sind ein Muss

Die Brillenpinguin-Kolonie in Boulders südlich von Simon's Town ist bei der Tour ums Kap ein Muss. Etwa vierzig Minuten dauert die Fahrt auf der M4 von Kapstadt bis zur Pinguinfamilie, deren Mitglieder einem Erwachsenen nicht einmal bis ans Knie reichen. Man trifft die possierlichen Tiere ganz sicher im offiziell ausgeschilderten Park (Eintritt Erwachsene: 45 Rand), mit etwas Glück aber auch am Nachbarstrand, in Garageneinfahrten oder am Pool von Privathäusern.

Nach dieser Einstimmung geht es weiter gen Süden auf der M4. Die Luft duftet nach Kräutern und salziger See, der Blick schweift über die weit geschwungene "False Bay", die "Falsche Bucht", in die zahllose Seefahrer bei der Rückkehr von Indien einschifften, in der irrigen Annahme, sie hätten das Kap der Guten Hoffnung längst umschifft. Natur pur auf dem Weg zum Kap: Im fast 8000 Hektar großen Cape of Good Hope Nature Reservat wächst der Fynbos - der "feine Busch" - mit seinen fast 1100 Pflanzenarten, die allen Wettern trotzen. Im Frühjahr blühen Erika, Fresien, Lilien und zahlreiche Orchideen, in der Luft werden bis zu 250 verschiedenen Vogelarten gesichtet und auf dem Land Salamander, Zebras, Bunt-, Geis-, und Rehböcke, Antilopen, Paviane oder Strauße.

Vorsicht, Pavian im Anmarsch

Kurz vor dem Cape Point zweigt eine Straße rechts ab. Strauße staksen entlang der Straße, unbeirrt von Kleinbussen und Mietwagen aus denen sich neugierige Köpfe recken. Eine Horde Paviane kreuzt den Weg; dreiste Gesellen, die aufs Autodach hüpfen und kopfüber zur Windschutzscheibe hineinstarren, die an Antennen rütteln und Handtaschen klauen. Füttern verboten ¬- die Kerle sind frech und haben große Hauer. Am Ende der Straße ein großer Parkplatz und ein Holzschild: 18˙ 28' 26'' East, 34˙ 21' 25'' South, Cape of Good Hope, The Most South-Western Point. Der südlichste Punkt Afrikas liegt indes 170 Kilometer weiter östlich - am Kap Agulhas - doch das trübt die Freude der Touristen nicht. Sie stoßen an der Brandung mit Champagner an und stehen Schlange fürs Erinnerungsfoto. Das Kap der Guten Hoffnung von oben betrachtet, ist nicht weniger imposant. Auf der Aussichtsplattform in 214 Meter Höhe schweift der Blick über die gesamte False Bay bis zu den Hottentots Holland Mountains.

Weiter geht es wieder nordwärts über die M65 in Richtung Kommetjie auf einer engen, aber aussichtsreichen Küstenstraße. Die Route streift eine Straußenfarm und ein verwunschenes Weingut, das Scarborough Estate. Der Duft von Honig, Kiefern und Eukalyptus liegt in der Luft. Scarborough ist ein freundlicher Badeort und liegt direkt vor einer spektakulären Bucht, den Misty Cliffs, wo der Nebel waagerecht unterhalb der Küstenstraße steht und die Gischt in die warme Sommerluft geschleudert wird. In einem großen Bogen umrundet die Straße hinter Kommetjie die Chapman's Bay und ihre Lagunen. Der Chapman's Peak Drive (M6), ein von Gefangenen in Felsen gesprengter Fahrtweg, zählt zu den landschaftlich schönsten Küstenstraßen der Welt und bietet atemberaubende Ausblicke auf weiße Strände und steil abfallende Klippen. Die enge kurvenreiche Straße verbindet Noordhoek mit dem malerischen Fischerort Hout Bay, von wo aus Schiffe nach Duikers Island ablegen. Eine felsige Insel mit rund 4000 Kap-Pelzrobben. Mit Schlauchboot, Taucherbrille und Flossen machen sich Touristen auf dem Weg nach Duikers Island zum "Tauchen mit den Robben". Wer noch nicht genug der Tiere gesehen hat, kann noch in der "World of Birds" vorbeischauen, dem größten Vogelpark Afrikas.

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