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Weltmeisterschaft 2010 Südafrika: Sicherheit kommt vor Begeisterung

In genau 15 Monaten wird in Südafrika das Eröffnungsspiel der Fußballweltmeisterschaft angepfiffen. stern.de sprach auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin mit den Verantwortlichen der Fifa und Regierung über Ticketverkauf, Public Viewing im Township und über das Tabuthema Sicherheit.

Von Till Bartels

Das Land am Kap ist nicht zum ersten Mal Gastgeber für ein großes Sportereignis. Die Weltmeisterschaften im Cricket und Rugby gingen bereits vor einigen Jahren über die Bühne. 2009 wird mit dem Fifa Confederations Cup im Juni die Fußballweltmeisterschaft geprobt. Das Großereignis ein Jahr später stellt das Land vom 11. Juni bis zum 11. Juli 2010 vor eine große Hausforderung.

„Endlich haben wir die Möglichkeit, ein anderes Bild vom afrikanischen Kontinent zu zeigen“, sagt Themba Maseko, Sprecher der südafrikanischen Regierung. „Nicht nur Fernsehbilder von Gewalt, Armut und Hunger“. Er gibt sich selbstbewusst, von Skepsis keine Spur. Das Land investiert in eine neue Infrastruktur, kauft Busse, Bahnen und baut ein Stadium für fast 95.000 Zuschauer.

Zwei Freikarten für jeden Arbeiter

Die Fußballweltmeisterschaft entwickelt sich zum Job-Motor. Schon jetzt wurden 80.000 neue Arbeitsplätze geschaffen, davon 40.000 in der Bauindustrie. Die Arbeiter schaffen nicht nur neue Stadien, sondern sie helfen mit, eine neue Nation zu bauen. „Ebenso wie Deutschland haben wir die Vergangenheit einer Teilung zu überwinden“, sagt Danny Jordaan von der Fifa in Johannesburg und erinnert sich an seinen Besuch der Spiele 2006 in Deutschland, als Ost und West durch das Sommermärchen zusammenwuchs. „Wir hatten nie eine Mauer quer durch unser Land, aber eine Gesetzgebung, die früher Schwarz und Weiß trennte.“ Mit der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika rückt die Nation näher zusammen. Deshalb erhält jeder Bauarbeiter neben seinem Lohn auch ein symbolisches Geschenk: zwei Freikarten, um sich ein Weltklassespiel in dem Stadion anzusehen, das er mit errichtet hat.

Die offiziellen Stellen schätzen, dass die 570.000 Sitzplätze in den Stadien 415.000 neue Jobs generieren. Von den ersten neuen Hotels profitiert schon in diesem Jahr der Südafrika-Besucher. Die Erwartungen von South African Tourism, dem Fremdenverkehrsamt, sind groß: Nach dem Großereignis 2010 soll die Besucherzahl um 500.000 auf zehn Millionen Gäste im Jahr klettern.

55.000 zusätzliche Polizisten

Neben den zehn Spielorten wird es auch zehn Fan-Parks in der Nähe der Stadien und Public Viewing Areas geben. Fünfzig werden gerade aus 200 Vorschlägen ausgesucht, davon mehrere in Townships wie Soweto. Aber auch für die auf lokaler Ebene initiierten Fun-Parks, vorm Rathaus eines Dorfes oder in einer Kirche, gelten Sicherheitskriterien. „Bei Events kennen wir alle Informationen und habe die Lage im Griff. In den letzten 15 Jahren hat es keinen Zwischenfall gegeben“, beruhigt Vishnu Naidoo aus dem Büro des National Commissioner. Die Polizei habe bereits Hubschrauber angeschafft, setzte auf Überwachungskameras, mobile Kommandozentren und auf Ausbildung. 120 Polizei-Offiziere wurden von Kollegen aus Frankreich trainiert. Bis 2010 werden zusätzlich 55.000 Polizisten eingestellt.

Anders als bei der WM 2006, als der Afrika-Rat für Berlin No-Go-Areas für dunkelheutige Gäste im Osten Berlins ausgab, wird es in Südafrika einen Bann für bestimmte Nachbarschaften nicht geben. „In jeder Stadt gibt es Gebiete, die man besser meiden sollte,“ sagt Sonwabo Funde, der Botschafter Südafrikas in Deutschland. „Die Besucher sollen die Leute vor Ort fragen, wo sie lieber nicht hingehen sollen.“ Mir wurde 2006 in einem deutschen Fünf-Sterne-Hotel die Geldbörse gestohlen.“ Denn in 140 Ländern hat der Ticketverkauf bereits begonnen. „Die Leute möchten kommen,“ so Sonwabo Funde. Ganz vorn in der Gunst liegen Fußballbegeisterte aus Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Kanada.

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