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Monument aus den 90ern: "Jahrtausendealter" Steinkreis in Schottland entpuppt sich als Fake

Schottland-Reisende wissen: In diesem Land Großbritanniens wimmelt es nur so von uralten Monumenten. Für kurze Zeit zählte auch der frisch entdeckte Steinkreis von Leochel-Cushnie dazu. Ein monumentaler Schwindel.

Dieser Steinkreis in Aberdeenshire ist echt und damit Jahrtausende alt - anders als die Replik in Leochel-Cushnie, die in dem weiter unten stehenden Tweet zu sehen ist

Dieser Steinkreis in Aberdeenshire ist echt und damit Jahrtausende alt - anders als die Replik in Leochel-Cushnie, die in dem weiter unten stehenden Tweet zu sehen ist

Getty Images

Der kleine Ort Leochel-Cushnie im Norden Schottlands war bis vor wenigen Tagen stolz wie Bolle: Hatte das Dorf 40 Kilometer westlich von Aberdeen doch einen eigenen Steinkreis, also ein von Menschen errichtetes Monument aus kreisförmig angeordneten großen Steinen aus der Steinzeit. Nicht gerade Stonehenge, aber eben auch uralt und archäologisch hochinteressant. Das dachten zumindest die Bewohner und die lokale Achäologiebehörde. Sie feierten das erst kürzlich auf einer Farm identifizierte Stein-Ensemble als große Entdeckung. Doch dann kam die Ernüchterung.

Denn der "Kreis von Leochel-Cushnie" ist deutlich jünger als die vermuteten 3500 bis 4500 Jahre – und zwar gerade mal etwas älter als 20 Jahre.

Wie kam es zu diesem Fake, über den gerade halb Großbritannien schmunzelt? Als die Achäologen den Fund genauer untersuchen wollten, wurde ihr Enthusiasmus jäh gestoppt – denn bei den Experten, die den Steinkreis von Leochel-Cushnie erforschten, meldete sich ein Mann. Er gab an, so schreibt es unter anderem die "BBC", den Steinkreis vor etwas mehr als 20 Jahren selbst gebaut zu haben. Es handelte sich um den Vorbesitzer der Farm. Mitte der 90er-Jahre habe er die Steine selbst angeordnet, sagte er.

Eine deutliche Ernüchterung für die Archäologen am Ort und die aktuellen Bewohner der  Farm. Sie alle wussten offenbar nichts von den Aktivitäten des Vorbesitzers und hatten den vermeintlichen Sensationsfund gemeldet.

Dieser Steinkreis in Schottland kam den Experten von Anfang an untypisch vor

Bis zu der Aufklärung des Irrtums hielten die Archäologen den Steinkreis für echt. Allerdings fiel ihnen auf, dass das Monument vergleichsweise klein war und die Steine recht eng zusammenstanden, was sie als untypisch empfanden.

Leochel-Cushnie (rote Markierung) liegt rund 40 Kilometer westlich von Aberdeen

Leochel-Cushnie (rote Markierung) liegt rund 40 Kilometer westlich von Aberdeen

Und warum baute der ehemalige Farmbesitzer einen Steinkreis? Das geht aus den britischen Presseberichten nicht klar hervor. Doch böse ist man dem Erbauer offenbar nicht. Ganz im Gegenteil. Dass jemand einen Steinkreis nachbaue, zeige doch, wie tief verwurzelt und lebendig das Wissen um die uralten Monumente in Schottland sei, heißt es etwa. Und der Historiker Neil Ackerman vom  Aberdeenshire Council wird mit den Worten zitiert, dass man zwar über das junge Alter dieses Steinkreises enttäuscht sei. Er wünsche sich aber, dass das Bauwerk dennoch weiter Anerkennung finden werde. "Ich hoffe, dass Besucher die Steine weiterhin gern besuchen", sagte er. Sie seien zwar nicht uralt - aber in dieser fantastischen Landschaft ein echter Hingucker.

Zumindest gelangte das kleine schottische Dorf mit diesem "monumentalen" Fake zu nationaler und internationaler Bekanntheit. Und vielleicht kurbelt die Geschichte ja tatsächlich den Tourismus dorthin an - zum falschen Steinkreis von Leochel-Cushnie.

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