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Sommersonnenwende: Nordeuropa feiert Sonnen-Partys

Mit ausgelassenen Feiern begehen die Nordeuropäer die diesjährige Sommersonnenwende. Tausende Menschen begrüßten die Sonne im Steinkreis von Stonehenge. Nicht nur Nordeuropa feiert - auch die Bayern werden ein Sonnenwendfeuer entzünden.

Eingelegter Hering, neue Kartoffeln mit Dill und Schnaps dürfen nicht fehlen, wenn Skandinavier Mittsommer feiern. Die Nordeuropäer nutzen die langen Tage rund um die Sommersonnenwende am 21. Juni bis zum Johannistag am 24. Juni gerne zu Partys im Freien. Selbst junge Leute springen über Flammen und tanzen um Bäume.

19.000 feiern die Sonne im Steinkreis

Mit Tanz und Trommelschlägen haben rund 19.000 Nachtschwärmer im berühmten Steinkreis von Stonehenge zur Sommersonnenwende die aufgehende Sonne begrüßt. Nebel und Regenschauer konnten die gute Laune der Menge nicht dämpfen, und pünktlich zum Beginn des längsten Tages des Jahres um 4.58 Uhr setzte sich die Sonne mit orangefarbenem Schein gegen die rauchgrauen Wolken durch. Unter den Feiernden befanden sich Anhänger der New-Age-Bewegung, neuzeitliche Druiden und gewöhnliche Partygänger.

Die Sommersonnenwende war der ländlichen Bevölkerung vor der Missionierung durch die Christen heilig. Der Steinkreis von Stonehenge wurde zwischen 3000 und 1600 vor unserer Zeitrechnung errichtet, seine genaue Bestimmung ist bis heute unbekannt. In den 80er Jahren kam es mehrfach zu Ausschreitungen zwischen Anhängern des Rituals und Sicherheitskräften, daraufhin wurde die Kultstätte 130 Kilometer südwestlich von London geschlossen. Seit 2000 darf dort wieder gefeiert werden. In diesem Jahr blieben die Feiern weitgehend friedlich, nach Polizeiangaben wurden vier Personen wegen Trunkenheit und Störung der öffentlichen Ordnung festgenommen.

Tanz um das Feuer

Heidnische Bräuche hin oder her - auch in Deutschland wird mancherorts um ein Feuer getanzt, Grillen inklusive. In Bayern konzentriert sich alles auf den 24. Juni. Der alte germanisch-keltische Brauch wurde von der katholischen Kirche auf das Fest des Johannes des Täufers gelegt, um von den "heidnischen Wurzeln" wegzukommen. Auf manchem bayerischen Berggipfel werden hohe Holzstöße errichtet und angezündet. Dem Sonnenwendfeuer werden magische Kräfte zugesprochen, die helfen sollen, die kommende Kälte durchzustehen.

Auch in Lettland faszinieren die alten Bräuche viele Menschen: Bei einem zweitägigen Mittsommerfest springen Liebespaare gemeinsam über Feuer, sammeln Mädchen "Zauberfarn" und leben auch andere Fruchtbarkeitsrituale wieder auf. Fruchtbarkeit und Liebe wurden früher auch in Russland, der Ukraine und Weißrussland am Feiertag "Iwan Kupala" beschworen: Junge Frauen warfen in den blauen Dämmerstunden Blumenkränze ins Wasser, um zu erfahren, aus welcher Richtung ihr Bräutigam kommt. Heutzutage spielt der Tag zumindest in den Städten keine Rolle mehr.

Die Finnen zieht es zu "Juhannus" in ihre Hütten auf dem Land, Schweden stellen im Garten mit Blumen geschmückte Birken auf. Dänen und Norweger lassen es zwar etwas ruhiger angehen, doch gehören üppige Mahlzeiten bei ihnen ebenfalls zur Feier von Sankt Hans dazu. Auch in den baltischen Staaten versammelt man sich im Garten oder Wald, zündet ein Feuer an, grillt. In Lettland ist "Jani" und in Estland "Jaani" arbeitsfrei. Die Litauer strömen nach dem Dienst zum "Jonines"-Fest ins Freie.

AP/DPA / AP / DPA

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